Am Firschnitzbach in Virgen werden 6 Mio. Euro verbaut
Die Grundsteinlegung für die neue Geschiebedosiersperre erfolgte feierlich mit Musikkapelle, Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter und LH-Stv. Josef Geisler.
Eine Vorstudie zur Verbauung des Firschnitzbaches in der Gemeinde Virgen erfolgte bereits 2008 aufgrund des Lawinenereignisses vom 17. März 2000, während der Projektierungsarbeiten kam es am 4. August 2012 zum großen Murereignis am Firschnitzbach mit großen Sachschäden auch im Ortsbereich. „Gott sei Dank kam es damals zu keinen Personenschäden. Unsere Bevölkerung braucht Sicherheit, und mit diesem Projekt wird wieder viel in die Sicherheit investiert“, so der Virger Bgm. Ing. Dietmar Ruggenthaler am Montag, 20. Juli 2015, bei der Grundsteinlegung für die neue Geschiebedosiersperre unter Anwesenheit von Landwirtschaftsminister DI Andrä Rupprechter und LH-Stv. ÖR Josef Geisler.
Gebietsbauleiter DI Otto Unterweger erklärte die Details der neuen Sperre, die 27.000 m³ Material fasst.
Auf dem Schwemmkegel des Firschnitzbaches befinden sich im Gefährdungsbereich 57 Wohn- und Nebengebäude, die Schule, ein Gasthaus, das Feuerwehr- und das Gemeindehaus, die Virgentalstraße und mehrere Gemeindestraßen. Zehn Wohngebäude, fünf Stall- und Nebengebäude sowie 1,2 km Gemeindestraße liegen im Gefährdungsbereich der Lawine. Als „Genugtuung“ bezeichnete es DI Otto Unterweger, Gebietsbauleiter der Wildbach- und Lawinenverbauung Osttirol, dass man nach dem großen Murereignis vor drei Jahren mit intensiven Aufräumungsarbeiten nun schon wieder mitten in den Bauarbeiten für ein wichtiges Schutzprojekt in diesem Gebiet steckt.
Bgm. Ing. Dietmar Ruggenthaler: „Wir sind sehr froh, dass in unserer Gemeinde intensiv in den Schutz der Bevölkerung investiert wird. Zum Thema Natura 2000 möchte ich bitten, nur dort auszuweisen, wo auch Schutzgut vorhanden ist.“
Im Herbst 2014 wurde mit den Arbeiten für den neuen Schutzbau begonnen, jetzt erfolgte die Grundsteinlegung. „Die bestehende Retentionssperre kann 25.000 Kubikmeter Material zurückhalten. Die neue Geschiebedosiersperre fasst rund 27.000 m³, und so kommen wir nach Fertigstellung der Bauarbeiten auf ein mögliches Rückhaltevolumen von ca. 66.000 m³. Der Abtransport in den Vorfluter ist dabei noch nicht berücksichtigt“, erklärte Unterweger. Außerdem wird aufgrund des Katastrophenereignisses vom August 2012 die gesamte Ortsregulierung in Augenschein genommen und an zahlreichen Stellen saniert. Weiters werden die Bereiche unterhalb der Brücken hydraulisch verbessert, wodurch es zu geringeren Wellenbildungen bei Mur- und Hochwasserereignissen kommt. Insgesamt werden rund 6 Mio. Euro in diese Maßnahmen investiert, den Hauptanteil trägt der Bund mit 61,5%.
Minister DI Andrä Rupprechter: „Unser Land schaut so schön aus, weil es seit Jahrhunderten bewirtschaftet wird. Das dürfen wir nicht aus den Augen verlieren.“
Als wichtig für den Schutz der Bevölkerung und vor allem auch nachhaltig bezeichnete der Landwirtschaftsminister die Maßnahmen. „Der Schutz der Bevölkerung ist natürlich das Wichtigste, man darf aber auch auf die Schaffung von regionalen Arbeitsplätzen und die Stimulation der Wirtschaft durch solche Projekte nicht vergessen“, so Rupprechter. Kritisch äußerte sich Bgm. Ing. Dietmar Ruggenthaler zum Thema Natura 2000. „Zwischen Matrei und Prägraten werden ca. 23 Kilometer an der Isel geschützt, ohne dass das betreffende Schutzgut vorhanden ist. Das macht unsere Bevölkerung betroffen und auch frustriert“, so Ruggenthaler. Er appellierte an den Minister, im Zuge des Nominierungsprozesses auf die Menschen und auf die Wirtschaft nicht zu vergessen.
Nach Fertigstellung dieser Geschiebedosiersperre am Firschnitzbach können bei Katastrophenereignissen rund 66.000 m³ Material zurückgehalten werden.
„Ich will mich nicht in den laufenden Prozess einmischen, weil Naturschutz ist Landessache. Grundsätzlich möchte ich aber festhalten, dass das schöne Gesicht der Alpen und Tirols daher kommt, dass es Bauern seit Jahrhunderten bewirtschaften und Unternehmer durch Wirtschaften gestalten. Wir dürfen bei aller Notwendigkeit des Naturschutzes das Bewirtschaften nicht aus den Augen verlieren“, so der Landwirtschaftsminister. Unter das Motto „Schützen durch Nützen“ werde er deshalb auch seine im nächsten Jahr anstehende Präsidentschaft der Alpenkonvention stellen.
v.l.n.r.: Minister Andrä Rupprechter, Bgm. Dietmar Ruggenthaler und LH-Stv. Josef Geisler schoben eine Zeitkapsel mit Plänen und aktuellen Zeitungen in die Wand des Bauwerks.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger