Bundesminister Berlakovich zu Gast in Osttirol
Die heiße Phase der Verhandlungen zur EU-Agrarpolitik hat begonnen. Lt. BM Berlakovich geht es dabei um nichts Geringeres als um die Zukunft der heimischen Bauern.
Dies bestätigte der österreichische Bundesminister anlässlich seines Osttirol-Besuches vor über 300 Bäuerinnen, Bauern und Jungbauern in der Lienzer RGO-Arena. Bauernbundobmann Martin Mayerl stellte fest: „Am Weltmarkt können wir nicht bestehen, es braucht die Ausgleichszahlungen der öffentlichen Hand.“ Genau hier liegen auch die Ziele von BM Berlakovich: „Wir haben in Österreich eine flächendeckende, produzierende Landwirtschaft, die die Umwelt schützt. Diesen bäuerlichen Familien eine Planungssicherheit zu bieten, hat jetzt oberste Priorität.“ Berlakovich will deswegen bewährte Maßnahmen wie die Ausgleichszahlungen für die Berglandwirtschaft und das Agrarumweltprogramm, das Umweltleistungen der Landwirtschaft abgilt, fortschreiben. „Das alles wird nur gehen, wenn uns die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung stehen. Die Verhandlungen zum Agrarbudget auf europäischer Ebene sollen bis Ende 2012 abgeschlossen sein. Dann geht es um die Details“, erklärte der Agrarminister. Die Diskussion um das Agrarbudget sei noch nicht gewonnen. Im aktuellen EU-Kommissionsvorschlag stehen Kürzungen im Agrar-Haushalt im Raum. „Wir wollen annähernd die gleichen Mittel für unsere Bauern sicherstellen“, so Berlakovich. Neu wird für Österreichs Bauern ein Modell der Direktzahlungen sein. „Die Union will, dass wir ein Regionalmodell einführen, das auf nationaler Ebene ausverhandelt werden muss. Darin entscheidet sich, was jeder Bauer pro bewirtschaftetem Hektar bekommen soll. Die Berechnungen zeigen, dass es zu einer Verschiebung der Mittel von den Gunstlagen hin zu den Berggebieten kommen könnte“, so Berlakovich. Genau dies forderte auch der Präsident der Landwirtschaftskammer Tirol, Josef Hechenberger: „Aktuell bekommt ein Tiroler Bauer im Schnitt 106 Euro pro Hektar. Der österreichische Schnitt liegt bei 250 Euro. Warum sollte ein Nikolsdorfer Bauer für sein Land weniger bekommen als ein Bauer ein paar Kilometer weiter in Oberdrauburg? Das ist nicht nachvollziehbar.“ „Die Einkommen sind im Vorjahr zwar gestiegen, aber ein extremer Bergbauernbetrieb liegt mit 13.000 Euro Jahreseinkommen weit hinter Betrieben außerhalb des Berggebietes mit mehr als 29.000 Euro. Umso wichtiger sind die Ausgleichszahlungen“, so Hechenberger. Bauernbundobmann Martin Mayerl richtete die Osttiroler Anliegen an Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich: „Unsere Höfe sind durchschnittlich kleiner und arbeiten näher an der Natur. Viele verzichten auf künstlichen Dünger und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Osttirol ist außerdem ein Almenland. Mit einer aktiven Almwirtschaft werden auch die Tallagen geschützt.“ Für die neue Finanzperiode forderte auch er einen Ausgleich bei den Flächenprämien. Sein zentrales Anliegen: Jedes Hektar soll gleich viel wert sein!
Die landwirtschaftliche Struktur im Bezirk im Überblick: 1 675 Bauern, 94% Bergbauern, 98% ÖPUL-Betriebe, 20% Biobetriebe, 8,50 ha lw. Nutzfläche und 18 ha Almfutterfläche. 10 GVE Durchschnittsviehbestand, 25% Vollerwerbsbetriebe, 75% Zu- und Nebenerwerb, Viehhaltung stabil. Betriebsaufgaben seit EU-Beitritt geringer als vorher, 22 600 Rinder, 3 700 Milchkühe, 5 500 Mutterkühe, 16 000 Schafe, 520 Pferde, 2 200 Ziegen.
Text: Redaktion, Foto: Gratl