Ansturm auf Diskussion mit Minister Andrä Rupprechter

Beim Sommergespräch des Bauernbundes am 22. August in Lienz wurden vor allem die Almflächenproblematik, Natura 2000 und Unfälle mit Weidevieh thematisiert.

„Ich habe meinen Osttirol-Besuch genutzt, um den Bezirk in vielen Bereichen kennenzulernen und bin beeindruckt von den innovativen Menschen und ihren Betrieben“, so Landwirtschaftsminister DI Andrä Rupprechter beim Sommergespräch in der RGO-Arena in Lienz. Bezirksbauernbundobmann LA Martin Mayerl hatte am Freitag, 22. August, zur Diskussion geladen, über 350 Bäuerinnen und Bauern sowie sonstige Interessierte kamen, mit dabei auf dem Podium neben dem Minister auch der Tiroler Bauernbund-Obmann LH-Stv. ÖR Josef Geisler und Landwirtschaftskammerpräsident Ing. Josef Hechenberger.

Den Schutz des Eigentums stellte Rupprechter in den Ausführungen über seine politischen Leitlinien an die oberste Stelle. „Ich spreche mich ganz klar gegen unsinnige Steuern auf die Substanz aus“, so der Minister. In der Bilanz über seine bisherige Arbeit – Rupprechter ist seit Dezember 2013 Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft – sprach er von einer größtenteils erledigten Almflächenproblematik, den Neuregelungen im Bereich der gemeinsamen Agrarpolitik und dem Budget auf Bundesebene, das „für zwei Jahre beschlossen wurde und für die Landwirtschaft Einsparungen von 3,5% bedeutet“. Weiters thematisierte Rupprechter das Russland-Embargo. „Ich sehe dieses als Chance für heimische Produkte und habe deswegen auch zu einem nationalen Schulterschluss aufgerufen“, betonte er. Österreich liefert derzeit Agrarprodukte im Wert von 240 Mio. Euro an Russland, rund 100 Mio. Euro sind vom Einfuhrverbot betroffen.

Vor mehr als 350 Bäuerinnen und Bauern standen Minister Andrä Rupprechter, LH-Stv. Josef Geisler und Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger Rede und Antwort.

Vor mehr als 350 Bäuerinnen und Bauern standen Minister Andrä Rupprechter, LH-Stv. Josef Geisler und Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger Rede und Antwort.

Zum Thema Natura 2000-Ausweisung der Isel und weiterer Bäche bzw. Flächen in Osttirol erklärte der Minister, dass ein Kompromiss zwischen den Extrempositionen notwendig sei. Martin Mayerl brachte zu Natura 2000 Beispiele aus Kärnten. „Es geht bei den Ausweisungen um das öffentliche Wassergut. Wenn landwirtschaftliche Grundstücke betroffen sind, dann gibt es in Kärnten Vereinbarungen und Entschädigungen über den Vertragsnaturschutz. Wir brauchen auch in Tirol eine fachliche Bewertung“, so der Osttiroler Bauernbundobmann. Er forderte klare Rahmenbedingungen für eine gemeinsame Agrarpolitik und wünscht sich mehr Innovation, stärkere Kooperation und mehr Wertschöpfung für heimische Produkte. „Mit Stolz alleine können wir unsere Betriebe sicher nicht führen“, so der Landtagsabgeordnete.

Der Tiroler Bauernbundobmann und Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler bezeichnete Minister Rupprechter als „einen Glücksfall für Tirol“. „Die Almflächenproblematik hat viele Bauern verunsichert. Andrä Rupprechter hat einen verfahrenen Karren aus dem Dreck gezogen. Er hilft mit seiner guten Vernetzung in Wien und Brüssel, Entscheidungen zu beschleunigen“, so Geisler. Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger thematisierte die Unfälle mit Weidevieh, bei denen es in letzter Zeit mehrere Verletzte und Tote gegeben hatte. Er sprach von einer schwierigen Situation und stellte sich schützend vor die Landwirte. „Wir haben nach dem ersten Unfall unverzüglich begonnen, die Öffentlichkeit und die Wanderer aufzuklären. Sofort von Haftungen und Schadenersatzforderungen zu sprechen, halte ich für überzogen. Vielmehr müssen wir um Verständnis werben“, betonte Hechenberger.

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Brunner Images

 

23. August 2014 um