„Tirol braucht Stabilität, aber auch Mut für Neues!”
Anton Mattle ist seit 9. Juli 2022 Landesparteiobmann der Tiroler Volkspartei und geht am 25. September als Landeshauptmann-Kandidat in die Tiroler Landtagswahl.
In Lienz stellte er sich gestern, 31.8., gemeinsam mit den Osttiroler BezirkskandidatInnen den Fragen der heimischen Presse. Osttirol heute hat mit dem Landespolitiker folgendes Interview geführt.
Herr Landesrat Mattle, der Rückzug von Landeshauptmann Günther Platter kam doch sehr schnell und überraschend. Als er Sie mit der Frage der Nachfolge konfrontiert hat, wie haben Sie reagiert?
Zuerst hat es mir, ehrlich gesagt, den Boden unter den Füßen weggezogen. Nach reiflichem Überlegen und vielen bestärkenden Gesprächen habe ich dann aber zugesagt und freue mich nun, als Landeshauptmannkandidat für die Tiroler Volkspartei in die Wahl zu gehen. Trotz so mancher Umfragen verspüre ich sehr viel Rückhalt. Meine Familie und meine Partei stehen hinter mir. Ich sehe eine große Chance, unser Land mitzugestalten und Tirol weiterzudenken. Gerade in Zeiten wie diesen braucht es Stabilität und Verlässlichkeit, aber auch Mut, neue Dinge anzugehen!
Sie sind bekannt dafür, sich immer verschiedene Meinungen anzuhören, und aktiv auf die Menschen zuzugehen. Werden Sie diese Linie beibehalten?
Mir ist es wichtig, zuzuhören, das Gemeinsame zu suchen, aber auch Entscheidungen zu treffen und Dinge umzusetzen. Es gibt bestimmte Themen, wie etwa die Energiewende oder den Umgang mit Großraubtieren, bei denen eine klare Linie und eine eindeutige Haltung gefragt sind. Ich werde mir immer alle Argumente anhören, aber ganz klar Position beziehen, wenn es um die Interessen der Tirolerinnen und Tiroler und damit auch der Bevölkerung im Bezirk Lienz geht.
Sie haben die Energiewende angesprochen, das scheint Ihr Steckenpferd zu sein. Wie sollte denn die Energiezukunft Tirols aussehen?
Der Weg geht ganz klar weg von fossilen Energieträgern und hin zu erneuerbaren. Ich bekenne mich in diesem Zusammenhang zu einem weiteren Ausbau der Wasserkraft in Tirol und zu einem offensiven Ausbau der Photovoltaik. Denn man muss das Potenzial dort nutzen, wo es vorhanden ist. Der Bezirk Lienz beispielsweise ist mit seinen 300 Sonnentagen pro Jahr ideal für Photovoltaik-Anlagen! Nicht zu vergessen ist außerdem, welches wirtschaftliche Potenzial in der Energiewende steckt. Hier können viele neue Arbeitsplätze geschaffen, gutes Geld verdient, aber auch einiges eingespart werden.
Wie sehen Sie die Zukunft des Bezirkes Lienz?
Osttirol hat in den vergangenen Jahren wirtschaftlich eine beeindruckende Entwicklung zurückgelegt. Das ist einem tollen Mix aus Industrie, Wirtschaft, Tourismus und Sachgütererzeugung, aber auch dem Fleiß der Osttirolerinnen und Osttiroler zu verdanken. Der Bezirk Lienz gehört heute zu den innovativsten Bezirken in ganz Österreich. Wichtig wird es nun aber sein, in Zukunft weiter dranzubleiben, Innovationen zu fördern und durch die Digitalisierung neue Möglichkeiten zu schaffen. Ich möchte diesbezüglich auch auf die weitere Sicherstellung der Regionalförderungen verweisen. Jeder Tiroler Bezirk hat seine Besonderheiten und diesem Umstand muss man auch Rechnung tragen.
Thema „Tourismus” – braucht es in Zukunft mehr Qualität statt Quantität?
Generell glaube ich, dass wir mit dem „Tiroler Weg“ eine gute Strategie für den Tiroler Tourismus vorgelegt haben. Wir haben uns gemeinsam mit der Branche das Ziel gesetzt, mehr Wertschöpfung im Land zu halten und einen nachhaltigen Weg einzuschlagen. Damit verbunden ist ein klares Bekenntnis zum Erhalt von kleinstrukturierten und familiengeführten Tourismusbetrieben mit zufriedenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Denn vielfach leben ganze Regionen vom Tourismus. Von einem qualitativ hochwertigen Tourismus profitieren der regionale Metzger oder der Bäcker im Dorf ebenso wie die heimische Landwirtschaft oder die vielen Handwerksbetriebe, die Aufträge aus dem Tourismus erhalten.

Bei der Präsentation der Osttiroler BezirkskandidatInnen am 31.8.2022 in Lienz formulierte Bezirks-Spitzenkandidat Martin Mayerl die Hoffnung, die Wahlbeteiligung, die zuletzt bei rund 60 Prozent lag, wieder steigern zu können. Landeshauptmann-Kandidat Anton Mattle erklärte: „Angesichts der nicht einfachen Ausgangslage und trotz so mancher Umfragen ist ein tirolweites Ergebnis über 30 Prozent unser Ziel”. Im Bild v.l.n.r.: Bgm. Markus Stotter, Christof Schett, LA Martin Mayerl, Barbara Preßlaber und LR Anton Mattle
Auf der Bezirksliste Osttirol der Tiroler Volkspartei für die kommende Landtagswahl finden sich neben erfahrenen Politprofis auch einige neue Gesichter. Wer gehört dem Team an?
Mit Martin Mayerl aus Dölsach führt ein langjähriger Abgeordneter die Lienzer Bezirksliste an, für Platz zwei konnten wir mit Carmen Kurzthaler eine Pädagogin aus der Bezirkshauptstadt Lienz gewinnen. Weitere Kandidaten sind der Innervillgratener Vizebürgermeister Christof Schett oder die engagierte Jungbauern-Bezirksleiterin Barbara Preßlaber. Die KandidatInnen sollen immer alle Teile der Gesellschaft abbilden, deswegen wird die Bezirksliste mit Seniorenvertreterin Inge Hanser und dem Oberlienzer Jungbürgermeister und Planungsverbandsobmann Markus Stotter abgerundet. Markus Stotter ist zudem seit dem Parteitag einer meiner Stellvertreter und ich freue mich, einen jungen Vertreter des Bezirks Lienz im Parteipräsidium zu haben.
Die Rückkehr der großen Beutegreifer wie Wolf und Bär erregt die Gemüter – vor allem auch in Osttirol. Wie stehen Sie dazu?
Für mich ist ganz klar: Großraubtiere haben keinen Platz in Tirol! Wir werden alles dafür tun, damit eine Entnahme möglich sein wird – auch wenn es einen legistischen Grenzgang braucht. Das heißt, wir stehen vor der Herausforderung einer Gratwanderung zwischen dem rechtlich Möglichen und dem dringend Notwendigen. Im vergangenen Landtag wurde deshalb beschlossen, weitere Lösungsmöglichkeiten rechtlich aufzubereiten, um zu Beginn der nächsten Periode Nägel mit Köpfen machen zu können. Ich stehe in dieser Debatte ganz klar auf der Seite unserer Bäuerinnen und Bauern. Wir müssen unsere traditionell familiengeführte Almwirtschaft erhalten und auch unsere Nutztiere schützen!
Immer wieder ist auch die Notarztversorgung, vor allem im Iseltal, Thema. Wie ist diesbezüglich die Position des Landes?
Gesundheit ist das höchste Gut in unserer Gesellschaft. Die Notfall- und Gesundheitsversorgung für die Menschen muss langfristig gewährleistet und eine hohe Qualität sichergestellt sein. Die Experten des Landes arbeiten derzeit gerade an einem Konzept für die Osttiroler Notarztversorgung. Jedenfalls ist die Finanzierung des Notarztsystems im Iseltal seitens des Landes gesichert. Wir sparen sicher nicht an der Gesundheit und Versorgung der Menschen. Deshalb ist es mir auch besonders wichtig, dass unsere Blaulicht- und Einsatzorganisationen gut ausgestattet sind, damit wir auf eventuelle Katastrophensituationen und Unglücksfälle vorbereitet sind.
Zum Abschluss: Was verbinden Sie persönlich mit Osttirol?
Ich schätze die wunderbare Bergwelt des Bezirkes, aber auch die fleißigen Menschen und pflege persönliche Freundschaften. Mich selbst treibt es privat immer wieder nach Osttirol. Erst heuer war ich mit meiner gesamten Familie hier auf Urlaub. Als Wirtschaftslandesrat war ich zudem immer wieder bei beeindruckenden Unternehmen zu Gast. Ich werde immer ein offenes Ohr für die Anliegen des Bezirkes haben und mich auch immer wieder hier blicken lassen, denn der enge Austausch mit der Bevölkerung liegt mir am Herzen!
Vielen Dank für das Gespräch!
Fotos: © Land Tirol/Simon Fischler und Peter Märkl