Die Musikkapelle Tristach startet mit frischem Takt durch

Simon Mair und Armin Zlöbl haben zu Beginn dieses Jahres als gleichberechtigte Obmänner die Führung der Musikkapelle Tristach übernommen. Der erst 24-jährige Simon Niederklapfer gab beim Frühjahrskonzert sein Debüt als Kapellmeister.

Zwei gleichberechtigte Obmänner an der Spitze eines Vereins sind in Osttirol noch eher ungewöhnlich. Die Musikkapelle Tristach hat sich bei den Neuwahlen Anfang 2026 für dieses Modell entschieden. Seither teilen sich Simon Mair und Armin Zlöbl die Führung des Vereins. „Das Vereinsgesetz ermöglicht eine solche Doppelspitze. Für unsere Musikkapelle bietet sie vor allem die Möglichkeit, Aufgaben und Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen“, meint dazu Armin Zlöbl.

Gemeinsam mit Simon Mair hat er einen traditionsreichen und gleichzeitig bemerkenswert jungen Verein übernommen. Aktuell zählt die Musikkapelle 59 Mitglieder einschließlich Marketenderinnen und Fähnrichen. 54 Prozent davon sind jünger als 30 Jahre. Auch das Verhältnis zwischen Männern und Frauen ist mit 52,5 zu 47,5 Prozent nahezu ausgeglichen.

Entsprechend wichtig ist der neuen Führung die Arbeit mit der nächsten Generation. „Uns liegt die Jugend besonders am Herzen. Aber natürlich sollen auch die routinierten älteren Musikantinnen und Musikanten gehört werden und sich im Verein gut aufgehoben fühlen“, so Armin Zlöbl. „Gerade das gute Miteinander über alle Altersgruppen hinweg wollen wir weiterhin pflegen, uns aber natürlich auch musikalisch weiterentwickeln“, ergänzt Simon Mair.

Zwischen Musik, Gemeinschaft und Freizeit

Eine Herausforderung besteht für die Verantwortlichen darin, ein interessantes musikalisches Programm zusammenzustellen, ohne den Terminkalender der Mitglieder zu überfrachten. Neben den Ausrückungen in der eigenen Gemeinde sollen auch Auftritte außerhalb Tristachs ihren Platz haben. Gleichzeitig konkurriert die Musikkapelle gerade als unmittelbare Nachbarin von Lienz mit zahlreichen anderen Freizeitmöglichkeiten. Hinzu kommt, dass einige junge Mitglieder zum Studium außerhalb Osttirols leben.

„Das Musikantenjahr interessant zu halten und gleichzeitig den Terminkalender nicht zu voll zu bekommen, ist eine große Herausforderung“, erklärt Zlöbl. Bei den Hauptausrückungen sei die Kapelle aber stets gut besetzt und gerüstet. Einen wichtigen Stellenwert nimmt die Kameradschaft ein. Besonders die jungen Mitglieder seien hier sehr aktiv. Zu den gemeinsamen Aktivitäten kommen alle drei bis vier Jahre mehrtägige Ausflüge – dann ganz bewusst ohne Instrumente. Sie sollen eine Belohnung für die zahlreichen Proben und Ausrückungen sowie für den Einsatz beim jährlich von der Musikkapelle veranstalteten Kirchtag sein.

Auch am Dirigentenpult hat die Musikkapelle zu Jahresbeginn einen Generationenwechsel vollzogen: Mit Simon Niederklapfer übernahm ein erst 24-jähriger Musikant aus den eigenen Reihen die musikalische Leitung. Seinen ersten großen Auftritt als Kapellmeister absolvierte er beim Frühjahrskonzert am 25. April. „Für mich ist es eine große Freude, Kapellmeister zu sein. Gleichzeitig ist diese Aufgabe aber auch mit viel Verantwortung verbunden. Man muss mit sehr vielen Menschen gut zusammenarbeiten. Nur gemeinsam können wir dafür sorgen, dass unsere Musikkapelle auch in Zukunft gut aufgestellt ist“, sagt der junge Kapellmeister.

Mehr als 200 Jahre Musikgeschichte

Die junge Führung leitet einen Verein mit einer außergewöhnlich langen Geschichte. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Musikkapelle Tristach im Jahr 1812. Bereits im frühen 19. Jahrhundert war sie eng mit dem kirchlichen und gesellschaftlichen Leben des Dorfes verbunden. Als die Pfarrkirche noch keine Orgel besaß, sorgten die Musikanten bei Gottesdiensten für die musikalische Gestaltung.

Auch die schwierigen Jahre der beiden Weltkriege überstand die Kapelle. Während des Zweiten Weltkriegs gelang es Kapellmeister Johann Bachmann, die Musikkapelle trotz zahlreicher Einschränkungen spielfähig zu halten. Nach 1945 folgte eine Phase des Aufschwungs mit steigenden Mitgliederzahlen und Auftritten über die Bezirksgrenzen hinaus. Seit 1962 besteht eine Partnerschaft mit der Stadtkapelle Weiz in der Steiermark.

Nach 30 Jahren wieder nach London

Ein Ereignis ist vielen Mitgliedern auch drei Jahrzehnte später noch besonders in Erinnerung: Zum Jahreswechsel 1996/97 reiste die Musikkapelle nach London und nahm dort an der New Year’s Day Parade teil. Dass die Tristacher genau 30 Jahre später in London wieder vor einem Millionenpublikum aufmarschieren werden, ist einer Mischung aus Erinnerungen der älteren Generation und dem Tatendrang der Jugend zu verdanken.

Die Erzählungen älterer Musikanten von der damaligen Reise weckten bei der Jugend während eines Herbstausfluges den Wunsch, wieder an der Parade teilzunehmen. Jugendreferentin Isabella Hofer schrieb kurzerhand die Veranstalter in London an – und erhielt eine überraschende Antwort. Man konnte sich in London auch nach drei Jahrzehnten noch an die Musikkapelle Tristach erinnern und sprach eine neuerliche Einladung aus.

Am 1. Jänner 2027 werden die Osttiroler damit wieder durch die Straßen der britischen Hauptstadt marschieren. Am Ende der Parade steht ihnen zudem ein rund zweiminütiges Zeitfenster in der TV-Broadcasting-Area zur Verfügung, in dem sich die Kapelle präsentieren kann.

„So groß die Begeisterung ist, stellt uns die Reise nach London organisatorisch aber vor einige Herausforderungen. Flug, Transfers, Unterkunft und Rahmenprogramm müssen ebenso finanziert werden wie der aufwendige Transport der Instrumente“, so die beiden Obmänner. Hinzu kommen seit dem EU-Austritt Großbritanniens zusätzliche Formalitäten. Ein Teil der Kosten wird von den Mitgliedern selbst getragen. Einnahmen aus dem Tristacher Kirchtag und die Unterstützung durch Förderer sollen den Restbetrag ausfinanzieren.

„Langweilig wird es uns heuer also sicherlich nicht“, meint Armin Zlöbl mit Blick auf die Vorbereitungen der London-Reise abschließend.

 

Text: Raimund Mühlburger, Foto: Musikkapelle Tristach

10. September 2026 um