Wenn Geschichte der Kunst begegnet …
… dann kann sich daraus etwas ganz Besonderes entwickeln. So geschehen am 4. April bei der Ausstellungseröffnung der Werke von Lois Fasching im Anraser Gemeindezentrum.
Das „Anraser Kulturfenster“ unter Obmann Josef Mascher hat sich 2014 das Jahresmotto „Bilder, die bewegen“ gesetzt und dazu den weit über die Grenzen des Bezirkes Lienz hinaus bekannten Bildhauer Lois Fasching eingeladen. Der Titel der Ausstellung mit Werken des Osttiroler Künstlers – darunter zahlreiche Skulpturen und Bilder – lautet „Tirol zwischen 1000 und 1369“. In diesem entscheidenden Abschnitt der Tiroler Geschichte lebten große Persönlichkeiten, die Lois Fasching auf seine ganz eigene, beeindruckende Art künstlerisch darstellte. Zu den historischen Figuren, die als wunderschön interpretierte Skulpturen in Anras zu sehen sind, zählt etwa Bischof Albuin, der seinen Bischofssitz um 990 von Säben nach Brixen verlegte und als der erste Oberhirte des neuen Bistums fungierte. Er stammte aus dem mächtigen Kärntner Geschlecht der Aribonen, die damals auch die Bischöfe von Passau und Salzburg stellten. Als Begründer Tirols und als einer der bedeutendsten Fürsten des 13. Jahrhunderts gilt Meinhard II., Graf von Görz und Tirol sowie Herzog von Kärnten. Eine weitere Skulptur Faschings widmet sich der Tiroler Landesfürstin Margarete von Tirol, die nach dem Tod ihres Gatten und Sohnes Tirol im Jahre 1363 an die Habsburger übereignet hatte.
Den historischen Hintergrund der Werke Lois Faschings und einleitende Worte zu dem Künstler selbst sprach am Eröffnungsabend Dr. Siegfried de Rachewiltz, bis 2012 Direktor von Schloss Tirol und Enkel des US-Dichters Ezra Pound. Rachewiltz, der in Harvard Komparatistik studierte, auf der Brunnenburg nahe Schloss Tirol bei Meran ein Landwirtschaftsmuseum und eine Ezra-Pound-Gedächtnisstätte einrichtete und sich als Kulturhistoriker und Volkskundler einen Namen gemacht hat, bezeichnet Lois Fasching als einen jener Künstler, die sich – ähnlich wie der rumänisch-französische Bildhauer Constantin Brancusi – unabhängig vom gängigen Kunstbetrieb ihren Platz erobert haben. „Ungebunden von Ort und Zeit gelingt es ihnen, Werke zu schaffen, die Archetypen sind, die Ängste und Sorgen, aber gleichzeitig auch transzendentale Erlebnisse vermitteln können. Dies kann Kunst nur dann tun, wenn sie von sehr hoher Qualität ist. Eine Begegnung mit Lois Faschings Werken wird zu einer Begegnung mit uns selbst, mit einer mythologisch-mystischen Dimension der Geschichte. Lois Fasching ist es gelungen, Gestalten der Vergangenheit wieder aufleben zu lassen, ohne dass Historie zu einem chronologisch-trockenen Machwerk wird. Vielmehr vermag er es, uns die Menschen der damaligen Zeit in all ihrer Dramaturgie, in all ihren Widersprüchen, Fähigkeiten und Tugenden zu vermitteln!“
Die Ausstellung Lois Faschings im Foyer des Gemeindezentrums von Anras ist bis 4. Mai 2014, montags bis freitags von 8.00 bis 12.00 Uhr und montags bis donnerstags von 17.00 bis 18.00 Uhr sowie sonntags von 9.30 bis 10.30 Uhr, zu sehen! Ein Besuch kann allen Kunstinteressierten wärmstens empfohlen werden!
Text: J./E. Hilgartner, Fotos: Brunner Images

