Weltkriegs-Schau zeigt fünf Fassungen vom Totentanz
Die Sommerausstellung „Totentanz: Egger-Lienz und der Krieg“ auf Schloss Bruck soll 100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum Nachdenken anregen.
In der Orangerie des Unteren Belvedere in Wien wird die Schau von 7. März bis 9. Juni 2014 zu sehen sein, in leicht adaptierter Form dann vom 15. Juni bis zum Nationalfeiertag 26. Oktober im Museum Schloss Bruck. Der „Totentanz von Anno Neun“ spielt nicht nur als künstlerischer Wende- und lebenslanger Bezugspunkt im Werk von Albin Egger-Lienz eine herausragende Rolle, sondern ist auch ein Hauptwerk österreichischer Kunstgeschichte zu Beginn des 20. Jahrhunderts. „Fünf der insgesamt sechs Fassungen des Totentanzes werden in der Ausstellung zu sehen sein, darunter auch jene, die Rupert-Heinrich Staller am Wiener Dorotheum nach der Restitution durch die Stadt Lienz ersteigert hat“, so die Lienzer Bürgermeisterin LA DI Elisabeth Blanik.
Das Werk „Totentanz 1809, Fünfte Fassung, 1921, Öl auf Holz“ – seit Restitution und Versteigerung im Eigentum von Rupert-Heinrich Staller – wird in der Weltkriegsausstellung auf Schloss Bruck als Leihgabe vermutlich ein letztes Mal öffentlich zu sehen sein.
Staller hatte damals angekündigt, dass dieses Bild privat bleibt und nicht mehr verliehen werden soll. „Umso größer ist die Freude, dass es uns mit Museumsleiterin Silvia Ebner gemeinsam gelungen ist, das Bild ein letztes Mal als Leihgabe für die Ausstellungen im Belvedere und im Museum Schloss Bruck zu bekommen“, so Blanik. Vor kurzem habe sie einen Brief von Rupert-Heinrich Staller, der Osttiroler Wurzeln hat, erhalten, indem dieser vom Totentanz als „einem Bild meiner Heimatseele“ spricht. „Nicht zuletzt gehörte dieses Bild jahrelang zum Kernbestand des Osttiroler Heimatmuseums Schloss Bruck und kann aufgrund der damals vorbildhaften Restitution durch den Lienzer Gemeinderat den problematischen Verlauf der Egger-Lienz-Rezeption bis heute am besten verdeutlichen und möge daher auch so etwas wie ein Sinnbild für Wiedergutmachung sein“, heißt es in dem Brief.
Das Werk „Kriegsfrauen 1918 – 1922“ von Albin Egger-Lienz wird in der Sommerausstellung ebenfalls gezeigt.
Neben den fünf unterschiedlichen Fassungen des Totentanzes werden auch Studien sowie einzelne Figuren oder Figurenpaare in der Ausstellung erstmals nebeneinander zu sehen sein. Ausgehend vom Totentanz werden weitere „Kriegsbilder“ sowie Darstellungen von Egger-Lienz aus den 1920er-Jahren im Dialog mit Werken anderer Künstler seiner Zeit betrachtet. „Damit erscheint Egger-Lienz im internationalen Kontext nicht mehr als isolierter Bergmaler lokaler Prägung. Ich bin davon überzeugt, dass unser Projekt im Reigen der zahlreichen Weltkriegsausstellungen in Europa einen ganz besonderen Stellenwert einnehmen wird“, betont Museumsleiterin Silvia Ebner.
Franz von Defreggers Werk „Das letzte Aufgebot“ aus dem Jahr 1874 wird als Leihgabe des Schlosses Belvedere in Wien im Sommer auf Schloss Bruck ausgestellt.
Neben dieser Weltkriegsausstellung sind heuer im Museum Schloss Bruck unter anderem die Ausstellung „Leo Ganzer (1929 – 2008) Natur und Abstraktion – Eine Symbiose“ und „Dolomitendomino II“ geplant. „Für die Vervollständigung des Katalogs zur Ganzer-Ausstellung suchen wir noch Werke im Privatbesitz. Die Eigentümer, deren Bilder im Katalog aufscheinen, bleiben selbstverständlich anonym“, so Mag. Verena Remler, Obfrau des Kulturausschusses. Sie weist abschließend auch darauf hin, dass für Mehrfachbesucher des Museums 2014 auch eine Saisonkarte zum Preis von 12,50 Euro angeboten wird und jederzeit auch der Eintritt mit dem Sportpass der Stadt Lienz möglich ist.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Brunner Images, Museum Schloss Bruck, Stanger, Belvedere Wien