Visueller „Gedächtnisspeicher“: Verein Tiroler Photoarchiv feiert 15-Jahr-Jubiläum
Die Städte Lienz und Bruneck sind die Standorte, wo die Erfolgsgeschichte ihren Anfang nahm und die Fäden für das Tiroler Photoarchiv nach wie vor zusammenlaufen.
670.000 photographische Objekte – das ist die beeindruckende Bilanz nach fünfzehnjähriger Sammlungsarbeit des Vereins Tiroler Photoarchiv (TAP). Der Verein wurde am 17. März 2008 als „Tiroler Archiv“ von Richard Piock (Durst Phototechnik GmbH) mit dem Ziel gegründet, wertvolles Kulturgut aus dem Regionalraum Osttirol/Südtiroler Pustertal – später erweitert auf Tirol/Südtirol – der Nachwelt dauerhaft zu erhalten und zu präsentieren.
2011 erfolgte die Aufnahme der Tätigkeit unter dem Namen „Tiroler Archiv für photographische Dokumentation und Kunst“. An zwei Standorten – in Lienz und in Bruneck – wird der Gesamtbestand, der aus Schenkungen, Dauerleihgaben und Werknutzungen besteht, nach modernen konservatorischen Standards archiviert, digital nach Kategorien aufbereitet und online unter www.tiroler-photoarchiv.eu öffentlich und kostenlos zugänglich gemacht. Regelmäßig stattfindende Ausstellungen und Publikationen ergänzen das Angebot.
Innehalten für das mythosstiftende Foto: Der am 4. Juli 1915 am Paternkofel gefallene und von den Italienern bestattete, berühmte Sextener Bergführer, Drei-Zinnen-Hüttenwirt und Standschütze Sepp Innerkofler wird am 27. August 1918 am Paternkofel enterdigt, in einen hochgebrachten Sarg gelegt und an den Zinnen vorbei ins heimatliche Tal gebracht. © Anton Trixl; Sammlung Werkmeister Anton Trixl – TAP
„Das Land Tirol unterstützt das Tiroler Archiv für photographische Dokumentation und Kunst, denn die Sammlung ist eine wichtige und wertvolle Informationsquelle – ein ‚Gedächtnisspeicher‘, der das Leben unserer Ahnen auf beiden Seiten des Brenners eindrucksvoll dokumentiert und aufzeigt“, betont Landeshauptmann Anton Mattle anlässlich des 15-jährigen Jubiläums. Insbesondere für SchülerInnen sei das Archiv eine ansprechende und zeitgemäße Rechercheplattform, die vergangene Zeiten sichtbar macht und somit einen wesentlichen Beitrag dazu leistet, das Bewusstsein für die gemeinsame Vergangenheit zu schärfen.
„Das TAP widmet sich dem Medium Fotografie, seiner Geschichte und der kompetenten Vermittlung seiner Bedeutung in unserer heutigen Zeit. Es verbindet die Vergangenheit des Mediums mit der Zukunft und der Generation von morgen“, erläutert Martin Kofler, Leiter des Photoarchivs.
Juli 1977: Angekommen in Osttirol durch den Felbertauerntunnel, auf der Durchreise in den italienisch-jugoslawischen Süden oder für einen Urlaub im Bezirk Lienz © Siegfried Rainer; Sammlung Siegfried Rainer – TAP
Von Tirol (Lienz) über Südtirol (Bruneck) bis ins Trentino
„Seit nunmehr 15 Jahren spielt die Stadt Lienz gerne eine zentrale Rolle in der Unterstützung des TAP – bei seiner Entstehung, beim Vorankommen, bei seiner Etablierung. Der nächste Schritt, die Institutionalisierung innerhalb der Euregio, ist die logische Folge. Dies wurde ja bereits im letzten Dreier-Landtag beschlossen und ist im aktuellen Tiroler Regierungsprogramm so festgehalten“, freut sich die Lienzer Bürgermeisterin und Landtags-Vizepräsidentin Elisabeth Blanik.
„Das TAP ist heute längst ein Fixpunkt im Archiv- und Ausstellungswesen der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino – ein Vorzeigeprojekt, das entlang der Pustertal-Achse Bruneck-Lienz und weit darüber hinaus Unterstützung verdient“, ergänzt Brunecks Bürgermeister Roland Griessmair. Eine spezielle langjährige Kooperation besteht seitens des TAP beispielsweise mit dem inhaltlich überregionalen „LUMEN. Museum für Bergfotografie“ am Brunecker Kronplatz – von der Ursprungskonzeption der Dauerausstellung 2015 über die Eröffnung Ende 2018 bis hin zur Kuratierung von aktuellen Sonderausstellungen.
Die Europabrücke der Brenner-Autobahn im Bau (Spatenstich 1959, Verkehrsübergabe 1963), Aufnahme um 1961 © Erich Kneußl; Sammlung Kneußl – TAP
Vielseitige physische und virtuelle Sammlungen und Ausstellungen
Die fotografischen Sammlungen sind historische Quelle, Zeitdokument und Kunstwerk gleichermaßen und tragen dazu bei, Geschichte sichtbar und in weiterer Folge auch begreifbar zu machen. Seit nunmehr drei Jahren besteht auch eine Kooperation des TAP mit der Stadt Innsbruck, insbesondere mit dem Stadtarchiv/Stadtmuseum. „Das Interesse an der Vergangenheit ist in der Bevölkerung groß. In der Landeshauptstadt erfreut sich das Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck regen Zuspruchs. Die zahlreichen Schätze werden der Bevölkerung deshalb möglichst niederschwellig und über verschiedene Plattformen zugänglich gemacht. Mit dem Verein Tiroler Photoarchiv besteht zudem die Möglichkeit, sich in einem Netzwerk auszutauschen. In diesem Sinne darf ich zum Jubiläum gratulieren und hoffe, dass der Mehrwert durch den Verbund weiterwächst“, so Innsbrucks Kulturstadträtin Uschi Schwarzl.
Elfriede „Friedele“ Kneußl, 1903 – „Covergirl“ der Ausstellung „Frauenbilder“ Lienz–Bruneck–Bozen–Innsbruck–Trient, „Indoor“ im Frühjahr 2019, EU-Interreg-Projekt „Lichtbild“ © Anton Kneußl; Sammlung Kneußl – TAP
Seit 2012 wurden zahlreiche physische Ausstellungen und Publikationen veröffentlicht – unter anderem zur Pustertalbahn, Tirol im Ersten Weltkrieg, zur Felbertauernstraße sowie im Rahmen des EU-Projekts „Lichtbild“ mit Partnern in Bruneck, Bozen und Innsbruck zu „Frauenbilder“ und „Fotografien bewahren“ (www.lichtbild-argentovivo.eu). Seit 2019 gibt es auch mehrere virtuelle Ausstellungen: zu Tirol/Südtirol in den Jahren 1945/46, Tirol und die „Ostfront“ (heute West-Ukraine) im Ersten Weltkrieg, zu den Anfängen des Faschismus in Südtirol 1922 bis 1933 sowie jüngst „Karl-Theo Stammer – Bäuerliches Leben“.
Weitere Informationen zur Geschichte und zum Angebot des TAP: www.tiroler-photoarchiv.eu
Text: Redaktion, Fotos: TAP
