Theaterwerkstatt Dölsach thematisiert Schicksal einer Widerstandskämpferin

„Anna“ wurde die von den Nazis 1944 hingerichtete Maria Peskoller, gebürtige Greil aus Dölsach, von Partisanen und Fahnenflüchtigen, denen sie half, genannt. Die Theaterwerkstatt Dölsach thematisiert in „Anna und die Partisanen“ ihr Schicksal.

Zum Gedenkjahr „80 Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs“ bringt die Theaterwerkstatt Dölsach das Stück „Anna und die Partisanen“ auf die Bühne. Dr. Ekkehard Schönwiese beschreibt in diesem Theaterstück das mutige Agieren der Maria Peskoller, die die Unterstützung der Partisanen im Raum Villach mit ihrem Leben bezahlte.

 

Maria Peskoller wurde am 23.12.1944 in Graz durch das Fallbeil hingerichtet. Foto: Helga Emperger, Villach

 

Maria Peskoller, geborene Greil, entstammte einer konservativen und religiösen Bauernfamilie aus dem Dölsacher Ortsteil Görtschach, wo sie zur Schule ging und ihre Kindheit und Jugend verbrachte. Vor ihrer Eheschließung mit Josef Peskoller im Juli 1928, der bei der Eisenbahn beschäftigt war, arbeitete sie als Köchin an verschiedenen Stellen in Tirol. Zu Beginn der 1930er-Jahre trat sie politisch noch nicht in Erscheinung, sie widmete sich nach der Geburt ihrer Töchter Helga (geb. 1928) und Roswitha (geb. 1932) vor allem der Familie. 1932 übersiedelte sie mit ihrem Mann Josef aus beruflichen Gründen von Lienz nach Villach. Zwei Jahre später, nach der Ausschaltung der parlamentarischen Demokratie durch die Austrofaschisten im März 1934, begann für die Familie Peskoller eine Phase der Verfolgung, Repression und Illegalität.

Josef war Mitglied der Sozialdemokratischen Partei und wurde deswegen in den „zeitlich begrenzten Ruhestand“ versetzt. Daraufhin trat er den Kommunisten bei, was illegal war. Das bedeutete für ihn acht Monate Haft. 1940 verhafteten die Nazis Josef. Maria wurde im Widerstand aktiv. Sie hatte Kontakt zu Partisanen, entflohenen Zwangsarbeitern und Wehrmachtsdeserteuren. Sie überbrachte politische Nachrichten und verteilte Flugblätter.

 

Maria Peskoller 1942 in Villach. Foto: Helga Emperger, Villach

 

Dr. Ekkehard Schönwiese hat die Spielfassung für die Theaterwerkstatt Dölsach entwickelt und führt in „Anna und die Partisanen“ auch Regie. Er beschreibt sein Stück folgendermaßen: „Die von den Nazis am 23.12.1944 hingerichtete Maria Peskoller, gebürtige Greil aus Dölsach, wurde von Partisanen und Fahnenflüchtigen, denen sie half, ,Anna‘ genannt. Nach dem Zusammenbruch ihres Netzwerkes geriet der organisierte Widerstand in Kärnten zunehmend ins Visier der Gestapo. Für den zukünftigen Bedarf wurde da in Graz bereits eine neue Hinrichtungsstätte errichtet. Im Wechselspiel zwischen letzten Versuchen des organisierten Widerstandes der ,Treffener Bande‘ und dem Vorbereiten des Systems zu dessen ,Ausmerzung‘ erzählt ,Anna und die Partisanen‘, wie in der Hysterie einer Endzeit mit Menschenopfern erhofft wird, ein System zu retten, dessen Untergang längst besiegelt ist.”

 

Bei der 1. Informationsveranstaltung v.l.n.r.: Regisseur und Autor Dr. Ekkehard Schönwiese, Wolfgang Michor (Obmann Theaterwerkstatt Dölsach), Zeitzeugin Helga Emperger, Projektleiterin Erna Inwinkl. Foto: Osttirol heute

 

Die Theaterwerkstatt Dölsach organisiert zu ihrem Stück, das am Samstag, 10. Mai 2025, im Kultursaal des Tirolerhofs in Dölsach uraufgeführt wird, Informationsveranstaltungen, um die Bevölkerung über die Hintergründe zu informieren. Bei der 1. Veranstaltung am 14. März fand auch ein Zeitzeugengespräch mit Maria Peskollers Tochter Helga Emperger statt.

 

Bildhauermeister Lois Fasching gab bei der 1. Informationsveranstaltung Details zu dem von ihm geschaffenen Bühnenbild bekannt: „Durch Kuben in verschiedenen Größen und Winkeln entwickeln sich beklemmende, irritierende, bis zuletzt tröstliche Situationen in einem surrealistischen Raum. Je nach Szene verschieb- und drehbar, versetzt die Bühne das Publikum in eine Stadt und in die Reste einer solchen. 90 Grad verdreht verstecken sich Partisanen im Wald. Permanent in Stellung ist der Wachturm links – zuletzt eine Straße bis zum Horizont.“ Foto: Osttirol heute

 

Für die 2. Informationsveranstaltung am Sonntag, 13. April, um 17.00 Uhr, hat der Verein „Die Chronisten” aus seinem Österreichischen Zeitzeugenarchiv eine einstündige Videodokumentation zusammengestellt. Osttiroler Zeitzeuginnen und Zeitzeugen erinnern sich darin an das Ende des Zweiten Weltkrieges, an die letzten Bombardements, an die Flucht in die Berge, an das Drama an der Drau, an Gefangenschaft und den Umbruch in ein neues Leben. Im Anschluss an die „Visual-History-Dokumentation” nimmt Ekkehard Schönwiese zum Thema „Theater als Ort für das Fest der Befreiung“ Stellung.

 

„Anna und die Partisanen“

Kultursaal des Tirolerhofs in Dölsach

Uraufführung: Samstag, 10. Mai 2025, 20.00 Uhr

Weitere Aufführungstermine:
11., 16., 17., 18., 23., 24. und 25. Mai 2025, 20.00 Uhr

Kartenreservierung ab 24. April 2025:
Montag bis Freitag, von 17.00 bis 20.00 Uhr, unter +43 677 626 40 559

 

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Theaterwerkstatt Dölsach, Helga Emperger, Osttirol Journal

09. April 2025 um