Steinbildhauerwerkstatt Virgen: Wo Kunst entsteht und erlebbar wird

Der Verein „Art Osttirol“ plant eine Erweiterung der Steinbildhauerwerkstatt, eine neue Inszenierung des Skulpturenparks und eine noch stärkere Zusammenarbeit über Grenzen hinweg.

Michael Lang und Gerold Leitner verbindet nicht nur die Leidenschaft für die Bildhauerei. Seit vielen Jahren setzen sich die beiden Künstler aus dem Virgental auch dafür ein, der Kunst in Osttirol Raum zu geben und Möglichkeiten für Begegnung und Austausch zu schaffen. Mit der Steinbildhauerwerkstatt und dem angeschlossenen Skulpturenpark auf der Virger Tratte ist ein solcher Ort entstanden. Nun will der Verein „Art Osttirol“ diesen gemeinsam weiterentwickeln.

 

 

Michael Lang und Gerold Leitner möchten mit ihren Kollegen die Möglichkeiten für künstlerisches Arbeiten verbessern, Raum für neue Ideen schaffen und Kunst für Besucher unmittelbar erlebbar machen. Die bestehende Steinbildhauerwerkstatt soll dafür um neue Arbeitsbereiche erweitert, der rund 500 Meter lange Skulpturenpark stärker in Szene gesetzt und der Austausch mit Künstlern über die Grenzen hinweg intensiviert werden.

 

 

Rund 20 Mitglieder aus unterschiedlichen Bereichen der bildenden Kunst gehören „Art Osttirol“ an. Herzstück des Vereins ist die Steinbildhauerwerkstatt in Virgen. Nach zwei Jahren, in denen es nach außen hin etwas ruhiger geworden war, stehen nun größere Veränderungen bevor. „Wir haben diese Zeit intensiv genutzt, um uns Gedanken darüber zu machen, wie wir diesen Ort langfristig weiterentwickeln können“, erzählt Obmann Michael Lang.

 

 

In einem längeren Workshop- und Entwicklungsprozess beschäftigten sich „Art Osttirol“, das Regionsmanagement Osttirol (RMO) und die Gemeinde Virgen gemeinsam mit den Stärken des bestehenden Standortes, der notwendigen Infrastruktur und den Möglichkeiten für die Zukunft. 2026 wurden daraus konkrete LEADER- und INTERREG-Projekte entwickelt. „Die Zusammenarbeit mit dem RMO und der Gemeinde bildet für uns die wesentliche Grundlage dafür, dass unsere Ideen Realität werden können“, betonen die beiden Bildhauer.

 

 

Feuer, Wasser, Erde und Luft

Besonders viel Begeisterung ist Michael Lang anzumerken, wenn er von der geplanten Bronzewerkstatt erzählt. Sie soll die bestehende Steinbildhauerwerkstatt wesentlich erweitern. Hinzu kommen eine Schmiede sowie ein eigener Modell- und Wachsraum. Damit können Künstler künftig wesentlich mehr Arbeitsschritte unmittelbar in Virgen ausführen – von der ersten Idee und dem Modell bis zum fertigen Bronzeguss. Die neue Bronzewerkstatt soll außerdem einen besonderen Bezug zu ihrer Umgebung bekommen. Eine Glasfront ermöglicht den direkten Blick auf die Isel und trennt bei Schaugüssen gleichzeitig den Arbeitsbereich sicher von Zuschauern. „Beim Bronzegießen kommen die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft zusammen. Genau das fasziniert mich immer wieder“, schwärmt Lang.  „Wenn wir hier künftig Schaugüsse machen, können Interessierte über die Glasfront live dabei sein und gleichzeitig auf die Isel blicken. Ich glaube, dass wir damit die Faszination des Bronzegießens auf eine ganz besondere Weise erlebbar machen können.“

 

 

Offene Werkstatt für Künstler

Die Steinbildhauerwerkstatt steht bereits heute nicht nur den Mitgliedern von „Art Osttirol“ offen. Auch externe Künstler können in Virgen arbeiten und die vorhandene Infrastruktur nutzen. Dieses Angebot soll mit der Erweiterung ausgebaut werden. Geplant sind zusätzliche Arbeitskojen, die für einen bestimmten Zeitraum angemietet werden können. Die Vereinsmitglieder bringen sich ihrerseits bei Ausstellungen, Symposien, Workshops, Festen und anderen Aktivitäten ein und können dafür die Werkstatt kostenlos nutzen. Dieses Modell soll auch künftig den Austausch zwischen heimischen und auswärtigen Kunstschaffenden fördern und neue Impulse nach Virgen bringen.

 

 

Skulpturen stärker in Szene setzen

Parallel dazu soll auch der bestehende Skulpturenpark ein neues Erscheinungsbild erhalten. Eine neue Beleuchtung und eine entsprechende Beschilderung sollen die Kunstwerke stärker hervorheben und eine bessere Orientierung ermöglichen. „Wir wollen die einzelnen Arbeiten mehr in Szene setzen und gleichzeitig Informationen zu den Werken und den Künstlern liefern“, erklärt Gerold Leitner. „Durch die Beleuchtung erhält der gesamte Weg noch einmal eine andere Qualität.“  Ein dauerhaftes Portal soll künftig den Eingang zum Skulpturenpark deutlich sichtbar machen. Über einen QR-Code sind zusätzliche Informationen zu den Kunstwerken, Künstlern und aktuellen Projekten abrufbar.

 

 

Für Lang und Leitner ist die Verbindung von Steinbildhauerwerkstatt und Skulpturenpark etwas Besonderes. „In dieser Form ist das gesamte Areal österreichweit einzigartig“, betonen die beiden. Und die Ideen gehen bereits weiter. Michael Lang kann sich beispielsweise vorstellen, den Weg im Winter für einen „Skulpturenlanglauf“ zu nutzen. „Auf Langlaufskiern von Kunstwerk zu Kunstwerk – das ist vorerst noch eine Idee“, erzählt er. „Aber sie zeigt, was uns wichtig ist: Wir wollen Kunst und Landschaft miteinander verbinden und immer wieder neue Möglichkeiten schaffen, Kunst zu erleben.“

 

 

Raum für Kunst und Begegnung

Auch Workshops und kulturelle Veranstaltungen sollen künftig wieder verstärkt stattfinden. Wie groß das Interesse daran ist, bewies ein äußerst gut besuchter Schmiede-Workshop vor zwei Jahren. Auch Larvenausstellungen, Open-Air-Veranstaltungen und andere Aktivitäten haben die vielfältigen Möglichkeiten des Areals bereits aufgezeigt. „Nach der intensiven Planungs- und Entwicklungsphase soll 2027 die künstlerische Arbeit wieder verstärkt in den Mittelpunkt rücken. Sobald die geplanten Erweiterungen umgesetzt sind, wollen wir auch wieder ein Symposium veranstalten“, so Michael Lang.

 

 

Gleichzeitig möchte „Art Osttirol“ den Blick über die Landesgrenzen richten. Gemeinsam mit den italienischen Kulturpartnern SMACH und Isoipse soll ein grenzüberschreitender kultureller Austausch aufgebaut beziehungsweise intensiviert werden. Dabei geht es nicht nur darum, einzelne Künstler zusammenzubringen. Geplant sind auch gemeinsame Ausstellungen, künstlerische Projekte, Theateraufführungen und weitere Veranstaltungen. „Dadurch soll Schritt für Schritt ein Netzwerk entstehen, das Künstler, Regionen und unterschiedliche kulturelle Traditionen miteinander verbindet. Gleichzeitig wollen wir unsere Steinbildhauerwerkstatt und den Skulpturenpark als offenen Kunst- und Begegnungsort weiter etablieren“, betonen die beiden Bildhauer
aus dem Virgental abschließend.

 

 

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Martin Lugger

29. Oktober 2026 um