Schau über Musik in Tirol während der NS-Zeit

Nach Innsbruck und Imst ist die Ausstellung „Tiroler Musikleben in der NS-Zeit“ vom 21. Februar bis 14. März 2015 in der Spitalskirche in Lienz zu sehen.

Die Ausstellung thematisiert das Musikleben in Tirol im Dritten Reich, dessen Vorgeschichte im Ständestaat und die Nachwirkungen nach 1945. „Die Ausstellung ist als Rundgang konzipiert. Auf zwei Kartonwolken aufgeklebte Texte, geschönte Biografien und Organigramme sollen den Besucher mit der Vereinnahmung der Blasmusik durch das NS-Regime konfrontieren“, so Ausstellungsmacher Matthias Breit. Gemeinsam mit Dr. Franz Gratl vom Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum und Dr. Kurt Drexel vom Institut für Musikwissenschaft an der Universität Innsbruck hat er die Ausstellung konzipiert.

Gauleiter Franz Hofer förderte damals die „Volkskultur“ – das Brauchtum und damit auch die Blasmusik seien mit nationalsozialistischen Inhalten gefüllt worden. „Alle Brauchtumsvereine – also auch die Musikkapellen – wurden in den Standschützenverband eingegliedert. Als Musikreferent war Sepp Tanzer tätig, der damit eine wichtige Funktion in der nationalsozialistischen Ämterhierarchie in Tirol inne hatte“, berichtet Franz Gratl. Die Musikschule Sepp Tanzer sei im Jahre 2013 von Kulturlandesrätin Dr. Beate Palfrader aufgrund dieser Verstrickungen von Sepp Tanzer mit dem nationalsozialistischen Terrorregime in Musikschule Kramsach umbenannt worden.

Die Ausstellung wird am Freitag, 20. Februar 2015, um 19.00 Uhr, in der Spitalskirche in Lienz eröffnet. Neben Bürgermeisterin LA DI Elisabeth Blanik werden auch  Dr. Benedikt Erhard von der Kulturabteilung des Landes Tirol, HR Dr. Klaus Köck vom Blasmusikverband Tirol und Dr. Franz Gratl sprechen. Beim Hörabend „Musik und Widerstand“ am Samstag, 28. Februar, um 20.00 Uhr, werden Kompositionen von Tiroler Komponisten, die als Jugendliche im Widerstand gegen das NS-System mitgearbeitet haben, vorgeführt.

Beim Filmabend „Blasmusik auf Bestellung. Musik und Politik in Tirol 1938 – 1945″ am Samstag, 7. März, um 20.00 Uhr, werden anhand von drei Wochenschaufilmen Entwicklung und Bedeutung des „Tiroler Landesschießens“ – der zentralen Brauchtumsveranstaltung im damaligen Gau Tirol-Vorarlberg –  gezeigt. Bei der Finissage „Großes finale furioso“ am Samstag, 14. März, um 20.00 Uhr, spielen Philipp Ossanna und Matthias Legner „Tiroler NS-Funktionsmusik“ live. Der Eintritt zur Ausstellung und zu allen Veranstaltungen des Rahmenprogramms ist frei.

Geöffnet ist die Ausstellung „Tiroler Musikleben in der NS-Zeit“ vom 21. Februar bis 14. März 2015, Samstag und Sonntag, von 14.00 bis 18.00 Uhr, und nach Vereinbarung. Termine – angesprochen sind vor allem auch Schulen – können in der Stadtkultur unter Tel.-Nr. 04852/600-306 vereinbart werden.

Text: Raimund Mühlburger, Foto: Osttirol heute/Mühlburger

 

18. Februar 2015 um