Osttiroler Künstler Heschlo startet mit kraftvollem Bilderzyklus neu durch
„Entkreuzigung“ nennt Hans Mair seinen aus 21 Bildern bestehenden Zyklus, den er bis Ende Juli 2024 im Rahmen einer Ausstellung im Tirolerhof in Dölsach präsentiert.
Heschlo, mit bürgerlichem Namen Hans Mair, kehrt nach vielen Jahren der Irrwege mit einem beeindruckenden Werkzyklus in die Kunstszene zurück. „Nach einer sehr turbulenten Zeit, in der ich auch Opfer meiner Spiel- und Alkoholsucht wurde und in großen finanziellen Schwierigkeiten steckte, will ich mit meinen neuen Bildern vermitteln, dass es nie zu spät ist, umzukehren, einen Neuanfang zu wagen und seine Kreativität auszuleben“, spricht der Künstler ganz offen über herausfordernde Jahre.

Hans Mair wurde am 4. September 1958 in Kolbenhaus, einem aus nur vier Häusern bestehenden Weiler im Asslinger Ortsteil Schrottendorf, geboren und wuchs gemeinsam mit zwölf Geschwistern auf dem Bauernhof vulgo „Mittra“ auf.
Schon früh entdeckte er seine Liebe zur Kunst. Diese Leidenschaft hat er wohl von seinem Vater geerbt, einem talentierten Schnitzer, der eine Künstlerlaufbahn einschlagen wollte und sogar in der Bildhauerschule in Elbigenalp angemeldet war. „Kurz vor Start – mein Vater war 15 Jahre alt – verunglückte mein Großvater bei Arbeiten auf dem Feld tödlich, und so musste mein Vater als ältestes von acht Kindern den Hof übernehmen. Ich selbst habe schon als kleines Kind immer gerne gemalt – mit den einfachen Farben, die damals eben zur Verfügung standen. Nach der Hauptschule eine weiterführende Schule zu besuchen, kam für mich nie in Frage. Ich war immer schon etwas anders – und das war zur damaligen Zeit weder in der Schule noch zu Hause erwünscht. Schule bedeutete für mich puren Horror. Das Verhältnis zu meinem Vater war immer angespannt, wohl auch deshalb, weil er sah, dass ich jenen Weg einschlug, den er gehen wollte.“
Im Hotel „Goldener Fisch“ in Lienz hängen seit rund zwei Jahrzehnten nur Bilder von Heschlo, der dies als eine Art Privatgalerie empfindet. Foto: Martin Lugger
Hans absolvierte nach der Pflichtschule eine Tischlerlehre und arbeitete danach in mehreren Berufen an verschiedenen Orten – so etwa auch längere Zeit in Innsbruck, Salzburg und Kufstein. „16 Saisonen habe ich auch als Kirchturmrestaurator gearbeitet.“ In den 1980er-Jahren begann Hans, intensiv zu malen – und zwar als Autodidakt. „Was andere machen, hat mich nie interessiert. Ich habe mir die Maltechniken selbst angeeignet. Gemalt habe ich auf Holzplatten und Schaltafeln ebenso wie auf Jutesäcken und alten Strohsäcken, meistens aber auf bespannten Keilrahmen. Meine erste Werkschau in meiner Heimatgemeinde Assling schlug voll ein.“

Ausstellungen in Lienz, Innsbruck, Wien, im Planseewerk Reutte, in der FH Kufstein und in der Galerie Shakespeare in Salzburg folgten. Eines seiner beeindruckendsten Werke hängt im Kultursaal Dölsach. Auf Anraten von Robert Possenig fertigte er dieses Gemälde anlässlich der Aufführung von „Lauf Katinka“ zum Thema „Kosakentragödie an der Drau“ an.

Heschlos Werke sind der abstrakten Malerei zuzuordnen und zeichnen sich durch ein lebendiges Gefühl für Farben und Kontraste aus. Besonders die einzigartigen Farbkombinationen und die Vielfalt der Motive machen seine Kunst unverwechselbar. „Viele meiner Geschwister haben handwerkliches und künstlerisches Talent – so z.B. auch meine Zwillingsschwester Martha, deren Bilder ich sehr interessant finde“, erzählt der 65-Jährige, der seit 24 Jahren in der „Linscha Villa“, auch „Rosegger Villa“ genannt, in Dölsach lebt. „Der Dichter Peter Rosegger soll hier im Wohnzimmer Gedichte geschrieben haben, als er sich zurückzog, weil es ihm im Hotel Lindenhof zu turbulent wurde.“

Mit funkelnden Augen erzählt Hans von seinem 33-jährigen Sohn Lukas und den beiden Enkelkindern Paula und Jakob, die er immer wieder gerne in Wien besucht. Als 1999 nach dem Grubenunglück von Lassing die berühmtesten Künstler Österreichs – wie Hermann Nitsch und Ernst Fuchs – für die Hinterbliebenen Bilder spendeten, wurde auch Heschlo eingeladen, bei der Charity-Aktion mitzumachen.

Nach turbulenten Zeiten wagt Heschlo nun mit seinem kraftvollen Bilderzyklus „Entkreuzigung“ einen Neustart. „Durch meine Bilder habe ich immer schon sehr viel von mir preis gegeben – manchmal waren sie auch ein Hilfeschrei. Mit meinen neuen Werken möchte ich Menschen, die durch ihre Lebensumstände schwer belastet sind, vermitteln, dass es nie zu spät ist, neu anzufangen. Außerdem will ich dazu ermutigen, die eigenen kreativen Potenziale voll auszuleben.“

Heschlos Ausstellung „Entkreuzigung“ wurde am Dienstag, 28. Mai, im Tirolerhof in Dölsach eröffnet. Der Bilderzyklus ist bis Ende Juli 2024 zu sehen.
Günter Bauernfeind hat uns Fotos vom Bilderzyklus „Entkreuzigung” und von der Ausstellungs-Eröffnung zur Verfügung gestellt:
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Martin Lugger














