Museum Aguntum: Ausstellung erzählt Geschichten über soziale Ungleichheiten
Anhand von 34 Objekten widmet sich die Schau brisanten Fragen nach gleichen Rechten, der Bewältigung von Krisen sowie den damit verbundenen gesellschaftlichen Veränderungen. Eröffnet wird die Ausstellung am 30. April.
Um mit Blick auf die herannahende Sommersaison neue Anreize zu schaffen, präsentiert das Museum Aguntum, das demnächst in die Tiroler Landesmuseen eingegliedert werden soll, unter dem Motto „Tiroler Landesmuseen unterwegs“ die Ausstellung „GERECHT? Geschichten über soziale Ungleichheiten“.
Die Ausstellung war zuvor im Tiroler Volkskunstmuseum in Innsbruck zu sehen. Gezeigt werden ein kostbarer äthiopischer Mantel aus der Villa Freischütz in Meran, ein Selbstbildnis der jüdischen Künstlerin Hilde Goldschmidt, aber auch Alltagsgegenstände, etwa eine Kraxe oder Ofenkacheln. So unterschiedlich diese Objekte in ihrem Nutzen und ihrer Herkunft auch sein mögen, vereinen sie doch ihre eindrucksvollen Geschichten, die dank der Recherchearbeit der Kuratorinnen ans Tageslicht gebracht wurden. Drei Exponate stammen aus Osttirol: das Mädchen von Agunt (Museum Aguntum), das Relief der Ursula Pöck (Schloss Bruck) und das „Franzosenmarterl“ des heimatkundlichen Vereins Medaria aus Matrei.

Fragen nach sozialer Gerechtigkeit, Umgang mit Krisen, Formen des Widerstands
Die Ausstellung entstand als Kooperation zwischen dem Tiroler Volkskunstmuseum und dem Verband Tiroler Museen (tiMus) anlässlich des Euregio-Museumsjahres 2025 „weiter sehen“. Dieses nahm – ausgehend vom Bauernaufstand von 1525 unter der Führung von Michael Gaismair – Fragen nach sozialer Gerechtigkeit, Formen des Widerstands und dem Umgang mit Krisen in den Blick.
Als breit angelegtes Kooperationsprojekt vereint die Ausstellung 34 Museen und Sammlungen aus der Europaregion Tirol – Südtirol – Trentino, von denen jede Institution ein Objekt beigesteuert hat. Damit wird ein neuer Blick auf historische und zeitgenössische Objekte in der Ausstellung ermöglicht, die von Lisa Noggler und Jutta Profanter (Tiroler Landesmuseen) sowie Christine Weirather und Sandra Marsoun-Kaindl (tiMus) kuratiert wurde.

34 Fragen, 34 Objekte, 34 Geschichten
Eine Kraxe, eine Wahlurne, eine Schreibmaschine – so alltäglich manche Objekte auch auf den ersten Blick erscheinen, die Geschichten dahinter sind mitunter bewegend und aufrüttelnd: „Bei drei Ofenkacheln aus dem 17. Jh. erkennt man, dass Kinder an der Herstellung mitgewirkt haben. Die Frage zu diesem Objekt lautet ‚Wer stellt deine Dinge her?‘ Kinderarbeit ist trotz UN-Kinderrechtskonvention nach wie vor ein großes Thema: weltweit ist fast jedes zehnte Kind davon betroffen – Tendenz steigend“, nennt Kuratorin Jutta Profanter ein Beispiel.
Ein weiteres Beispiel führt Kuratorin Lisa Noggler an: „Eine selbstgeschnitzte Holzspritze verwendete ein junger Mann vor über 100 Jahren, um seiner Freundin einen Schwangerschaftsabbruch zu ermöglichen. Sie überlebte nur schwer verletzt. Die Frage ,Wer bestimmt über deinen Körper?‘ ist bis heute erschreckend aktuell.“

Themen von „zeitloser“ Brisanz
Weitere Themen sind etwa Inklusion, (gerechte) Strafen, soziale Absicherung, Lohngerechtigkeit, Rassismus, Gleichheit vor dem Gesetz oder Fake News. Interaktive Elemente zu den 34 Objektgeschichten ermöglichen dem Publikum, Meinungen und Botschaften zu unterschiedlichen Themen zu teilen und zu diskutieren. Claudia Moser vom Museum Aguntum war bei der Eröffnung vergangenes Jahr im Tiroler Volkskunstmuseum dabei. „Mein erster Gedanke bei der Eröffnung war, dass es eine Bereicherung für Osttirol wäre, die Ausstellung auch bei uns zu zeigen um vermehrt ein Bewusstsein für das Thema zu schaffen“.
Das Thema spiegelt sich auch in der Ausstellungsarchitektur wider – rund 30 große Holzblöcke liegen aufeinander, nebeneinander, lehnen sich aneinander an und stützen sich gegenseitig: „Es sind Kuben, die teils auch aus dem Gleichgewicht geraten sind. Die Ausstellungsgestaltung der Südtiroler Architektin Carol Kofler und Innsbrucker Grafikerin Irene Massimo greift die Balance auf, die es braucht, um im Gleichgewicht zu sein“, erklärt Kuratorin Lisa Noggler.
Finanziert wird die Ausstellung von der Kulturabteilung des Landes Tirol, den Tiroler Landesmuseen und der Privatstiftung Lienzer Sparkasse. Zur Ausstellung ist eine zweisprachige (italienisch/deutsch) Publikation erschienen.

Ausstellung „GERECHT? Geschichten über soziale Ungleichheiten“
Museum Aguntum, Dölsach
Eröffnung: Donnerstag, 30. April 2026, 18.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 1. Mai bis 4. Oktober 2026
Text: Redaktion, Fotos: EXPA/Hans Groder


