Mario Berger: ein junger Bildhauer mit unverwechselbarer Handschrift
Im Virgental, das auch das „Tal der Kunst“ genannt wird, scheint Kreativität in der Luft zu liegen. Zwischen Bergen und Traditionen wachsen hier immer wieder Talente heran, die weit über die Grenzen des Bezirkes Lienz hinaus Beachtung finden.
In seinem Atelier in der Messinggasse in Lienz freut sich Mario immer, wenn Interessierte bei der Tür hereinschauen, ihm bei der Arbeit zuschauen und seine Kunstwerke besichtigen.
Einer von ihnen ist der junge Bildhauer Mario Berger. Mit gerade einmal 24 Jahren hat er bereits eine unverwechselbare Handschrift entwickelt – und lebt das, was für so manch anderen ein Traum bleibt: seine eigene Kunst. Wer Mario sucht, wird ihn unter der Woche meist nicht zuhause am Angerweg 35 in Virgen finden, sondern in seinem Atelier mitten in der Lienzer Altstadt. Dort feilt er konzentriert an seinen Arbeiten – und lässt sich dabei auch gerne über die Schulter schauen. Den Austausch mit interessierten Besuchern schätzt er sehr. Als Rückzugsort dient ihm seine Werkstatt in Virgen, wo neue Ideen Gestalt annehmen. Sein Wissen gibt der junge Osttiroler auch weiter: In Elbigenalp hält er Kurse und bringt anderen die Kunst der Bildhauerei näher.
Der kunstvoll gestaltete, kleine Tabernakel aus Zirbenholz, ist eine Auftragsarbeit für eine Kundin aus Deutschland.
Der Grundstein für den Weg des jungen Bildhauers wurde früh gelegt. Schon als kleiner Bub stand Mario in der Werkstatt seines Großvaters. Fasziniert vom traditionellen Klaubaufgehen schnitzte er dort seine erste Larve. Diese Verbindung von Brauchtum und Handwerk prägt ihn bis heute. In den Herbstmonaten von September bis November widmet er sich intensiv dem Larvenschnitzen – meist für Auftraggeber, aber auch immer wieder aus eigener Inspiration heraus. Gleichzeitig ist er selbst mit Begeisterung aktiver Klaubauf.
Nach der Pflichtschule war für den jungen Virger klar, wohin sein Weg führen würde. Mit 14 Jahren begann er seine Ausbildung an der Fachschule für Kunsthandwerk und Design in Elbigenalp. Später vertiefte er sein Können und Wissen in Südtirol, wo er in Laas die Meisterklasse für Steinbearbeitung besuchte. Schritt für Schritt wuchs er so in das Kunsthandwerk hinein – bis er schließlich den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Eine Entscheidung, die er bis heute nicht bereut hat. „Das ist mein Lebenstraum“, sagt er. Einen Plan B habe es nie gegeben.
Mario arbeitet mit unterschiedlichsten Materialien. Stein, Metall, Beton und Ton gehören ebenso zu seinem Repertoire wie Holz, das für ihn eine besondere Bedeutung hat. Er beschreibt es als lebendig und warm, Eigenschaften, die sich auch in seinen Werken widerspiegeln. Besonders schätzt er Zirbenholz, das sich ausgezeichnet bearbeiten lässt. Für die groben Formen greift er zur Motorsäge, für die feinen Details zu seinen Schnitzeisen. Mehr als 80 davon finden sich in seinem Atelier, ergänzt durch Werkzeuge wie beispielsweise Knöpel oder Raspeln.

Mario setzt sich mit unterschiedlichen Materialien auseinander – Holz, Marmor, Metall, Ton und Stein.
Marios Arbeiten tragen seine ganz persönliche Handschrift. Für ihn bedeutet Kreativität vor allem Freiheit – die Möglichkeit, Gefühle und Gedanken in Formen zu übersetzen. Besonders eindrucksvoll zeigt sich dies auch in seinen Darstellungen des menschlichen Körpers. Mit großer Präzision und Gespür für Proportionen arbeitet er Muskeln, Bewegungen und Linien heraus und verleiht seinen Skulpturen eine besondere Ausdruckskraft. Sein Atelier in Lienz gleicht auch einer kleinen Ausstellung. Hier finden sich Werke aus unterschiedlichsten Materialien: eine Stele aus Laaser Marmor, ein ausdrucksstarker Kopf aus Ton und Metall, ein Torso aus Krastaler Marmor oder eine Schüssel aus Iseltaler Serpentin. Auch Holzarbeiten nehmen hier regelmäßig Raum ein – von Kruzifixen oder Statuen bis hin zu den für die Region so typischen Klaubauflarven. Immer wieder entstehen auch individuelle Auftragsarbeiten, wie zuletzt ein kunstvoll gestalteter, kleiner Tabernakel aus Zirbenholz. Verziert mit Motiven wie dem Großglockner und einem Steinbock, hat der Osttiroler Bildhauer hier Heimatverbundenheit mit handwerklicher Raffinesse verbunden. Die Hörner des Tieres sind bewusst aus Eichenholz gefertigt und setzen einen spannenden Kontrast. Aktuell beschäftigt sich Mario auch mit einem alten Kruzifix, das seit vielen Jahrzehnten bei der Bonn-Matreier Hütte auf 2.750 Metern Seehöhe hing und von hier aus sprichwörtlich die Bergwanderer begrüßte. „Ich habe den Auftrag übernommen, das Kruzifix behutsam zu restaurieren und die durch die Witterung längst verblasste Farbgebung wieder aufzufrischen“, erzählt er.

In den Herbstmonaten von September bis November beschäftigt sich Mario. selbst aktiver Klaubauf, immer intensiv mit dem Larvenschnitzen – meist für Auftraggeber, aber auch immer wieder aus eigener Inspiration heraus.
So sehr Mario für seine Kunst brennt, so braucht er doch auch einen Ausgleich. Den findet er in seiner Freizeit vor allem in den Bergen seiner Heimat – beim Skitourengehen, Bergsteigen oder Paragleiten. Insbesondere das lautlose Gleiten durch die Lüfte gibt ihm neue Perspektiven. „Oft komme ich mit ganz neuen Ideen wieder unten an.“ Zurück in Werkstatt bzw. Atelier setzt er diese Eindrücke dann in Holz, Stein oder Metall um. Und so schließt sich dann auch der Kreis: Inspiriert von der Natur, verwurzelt in der Tradition und getragen von einer klaren Leidenschaft formt Mario Berger seinen eigenen künstlerischen Weg – und trägt damit ein Stück seiner Heimat hinaus in die Welt.
Kontakt: Tel.: +43 (0)660/4927516
Instagram: bildhauer_mario_berger
Text: E. Hilgartner, Fotos: © Franz Reifmüller/Marian Aßmair



