Magische Klänge und festliche Stimmung: Festival Dolomites in Toblach eröffnet
Der Gustav-Mahler-Saal in Toblach war bis auf wenige Plätze gefüllt, als die Kremerata Baltica unter der Leitung ihres charismatischen Gründers Gidon Kremer am Montag, 25. August, das Festival Dolomites 2025 eröffnete.
Gemeinsam mit der jungen Geigerin Pauline van der Rest entfaltete sich ein Programm, das Brücken schlug – von den spirituellen Tiefen Bachs über die meditative Klangsprache Arvo Pärts bis hin zu den zeitgenössischen Reflexionen auf Schuberts „Winterreise“.
Schon die eröffnende Chaconne von J. S. Bach – in Kremers eigenem Arrangement für Violine und Streicher – fesselte das Publikum mit ihrer Mischung aus strenger Form und inniger Emotionalität. Was sonst als Solowerk den Charakter einer inneren Meditation trägt, gewann hier orchestrale Größe und strahlte eine fast transzendente Wirkung aus.

In Arvo Pärts „Tabula Rasa“ wurde die Musik zur stillen Begegnung mit dem Unaussprechlichen. Das Zwiegespräch zwischen Kremer und van der Rest, zwischen Erfahrung und jugendlicher Frische, ließ den Saal in einer besonderen Intensität aufhorchen: Der erste Teil, Ludus, spannte sich voller Energie, während das anschließende Silentium in eine berührende Stille führte, die noch lange nachhallte.
Der zweite Programmteil präsentierte mit der „(Anderen) Winterreise“ eine Neuinterpretation von Schuberts Klangwelt, die durch zeitgenössische Kompositionen von Raminta Šerkšnyte, Victor Kissine und Leonid Desyatnikov bereichert wurde. Zwischen Fragilität, expressiven Aufbrüchen und lyrischer Melancholie schimmerte immer wieder Schuberts Handschrift durch – wie eine ferne Erinnerung, die in neuer Gestalt auflebt. Besonders eindrucksvoll wirkten die fein nuancierten Dialoge, die zwischen Hoffnung und Resignation schwankten und den Zuhörer:innen tiefe innere Bilder eröffneten.

Die abschließenden Stücke von Mieczyslaw Weinberg und Dmitri Schostakowitsch brachten schließlich auch Leichtigkeit und Ironie auf die Bühne: Von melancholischen Arien bis hin zu den tänzerischen Rhythmen aus der Jazz Suite entfaltete sich ein Bogen, der in schwungvoller Lebendigkeit endete. Das Publikum dankte mit stehenden Ovationen und anhaltendem Applaus – Ausdruck eines Abends, der gleichermaßen forderte, berührte und beglückte.
„Heute ist ein besonderer Abend. Wir feiern nicht nur den Auftakt einer neuen Festival-Ausgabe – wir feiern 15 Jahre Festspiele Südtirol bzw. Festival Dolomites! Was mit einer Vision begann, hat sich Schritt für Schritt zu einem lebendigen Kulturprojekt entwickelt, voller Leidenschaft, Begegnungen und musikalischer Höhepunkte. Mein Dank gilt unseren künstlerischen Leitern Josef und Christoph, dem Kulturzentrum Gustav Mahler, allen Förderern und Partnern – und vor allem Ihnen, liebes Publikum. Ohne Ihre Begeisterung und Treue wäre all das nicht möglich“, so Festival-Präsident Christian Gartner.
Präsident Christian Gartner: „Ein Jubiläum ist auch immer ein Blick nach vorne: Wir wollen neugierig bleiben, mutig und offen für Neues – und weiterhin Räume schaffen für Musik, die berührt.“
Nach diesem musikalischen Höhepunkt wurde in der Alma Bar im Guesthouse feierlich auf 15 Jahre Festival Dolomites angestoßen. Bei einem Glas Festival Dolomites-Wein trafen Musiker:innen, Veranstalter und Publikum zusammen, um den besonderen Moment zu teilen – eine gelöste, festliche Stimmung, die die Verbindung von Kunst, Begegnung und Lebensfreude perfekt verkörperte. Das Festival Dolomites läuft bis 13. September.
Text: Redaktion, Fotos: Max Verdoes


