Kunst in Geschichte und Gegenwart in der DolomitenBank-Galerie
Die Ausstellung „Albin Egger-Lienz und der Teufele-Maler“ kann zu den Banköffnungszeiten bis 9.1.2026 besichtigt werden. Kunstexperte Erich Mair ist zweimal wöchentlich vor Ort, um Interessierten detaillierte Einblicke zu geben.
Während das stimmungsvoll beleuchtete Bankgebäude und die Auslage – mit einem „Blick ins Atelier von Egger-Lienz“ sowie einem lebensgroßen, beleuchteten Abbild des Künstlers am Südtiroler Platz – zum Hereinkommen einluden, fanden sich an drei Abenden Anfang September 2025 (08.09., 09.09. und 10.09.) rund 300 Kunstinteressierte in der DolomitenBank-Galerie zur Ausstellung „Albin Egger-Lienz und der Teufele-Maler“ ein.
Aufgrund des großen Andrangs wurde an zwei Terminen zusätzlich live in den Schalterraum der DolomitenBank übertragen. Zahlreiche Ehrengäste aus Politik, Kirche und Wirtschaft, darunter der Tiroler Diözesanbischof Dr. Hermann Glettler, lauschten den Worten von Dipl.-Vw. Erich Mair, der mit spannenden, fast krimihaften Details für besondere Aufmerksamkeit sorgte. Nach den Dankesworten seitens Erich Mairs an Partner und Unterstützer des Projektes wie den TVB Osttirol und die DolomitenBank, würdigten die Besucherinnen und Besucher mit tosendem Applaus vor allem Mairs Einsatz und Ausdauer, welche nach der zweijährigen Vorbereitungsphase zu diesem außergewöhnlichen Ausstellungsprojekt geführt hatten.

Wie Kunstexperte Erich Mair in seinem interessanten Vortrag ausführte, wollte Egger-Lienz vor fast 100 Jahren in der Kriegergedächtniskapelle bei der Stadtpfarrkirche St. Andrä in Lienz mit vier Fresken das Leid des Krieges, die Opfer und schließlich die Hoffnung auf Erlösung darstellen. Doch das Bild des Christus im Moment der Auferstehung erschütterte viele: Das Lendentuch schmal, der Körper fast grob, die Haltung ungewohnt. Für manche war dies keine ehrwürdige Ikone, sondern eine zu menschliche, ja profane Darstellung des Heilands. Dies führte zu einem der größten Kunstskandale Tirols. Dekan Gottfried Stemberger wurde damals zum entschiedenen Gegner. Er verweigerte die kirchliche Anerkennung, und selbst ein Rom-Bericht mit Fotos des Bildes führte dazu, dass das Heilige Officium 1926 ein Interdikt über die Kapelle verhängte. Von da an durften in der Kapelle keine kirchendienlichen Handlungen mehr stattfinden.

Auch die Bevölkerung war gespalten, Zeitungen brachten bissige Kommentare: Die Bauern in „Den Namenlosen“ wurden als „Orang-Utans“ verspottet, die Gesichter im „Totenopfer“ mit einer „Herde Schweine“ verglichen. Andere Stimmen dagegen verteidigten die Werke als kraftvolle Wahrhaftigkeit. Egger Lienz selbst blieb unbeugsam: „Es ist der schönste Christus, der je gemalt worden ist“, soll er gesagt haben. Ein eigenes Kapitel schrieb das sogenannte „Teufele-Bild“ von Karl Untergasser. Das Spott-Aquarell zeigte sechs kleine Teufelchen, die sich über den „Auferstandenen“ lustig machen. Bis heute wird diskutiert, ob Untergasser Egger-Lienz oder die Kritiker verspotten wollte, die ihn wie Teufel verfolgten. Das Bild verschwand, tauchte Jahrzehnte später wieder auf und wurde zum Anlass, sich erneut mit dem Skandal zu beschäftigen. Für Egger-Lienz selbst blieb die Debatte tragisch. Bei seiner Beisetzung 1926 kam es erneut zu Konflikten: Sollte er in „seiner“ Kapelle ruhen dürfen oder nicht? Am Ende wurde er zwar dort beigesetzt – jedoch ohne Feierlichkeiten, ohne kirchliche Zeremonie, unter Ausschluss der Öffentlichkeit heimlich im Morgengrauen. Ein Weltkünstler – und doch in seiner Heimat umstritten. Erst 1983 wurde das Interdikt durch eine Änderung des Kirchen-Codex aufgehoben. Zusammenfassend kann man also sagen: 57 Jahre dauerte der Kampf bis zur Aufhebung des Interdikts, 57 Jahre nach der Verhängung des Interdikts kann in der Kapelle wieder eine kirchendienliche Handlung stattfinden, 57 Jahre dauerte es bis zur Rehabilitierung des „Auferstandenen“ vor Gott und der Welt und 57 Jahre auch die Rehabilitierung des Künstlers Albin Egger-Lienz. Und schließlich: 57 Jahre war Prof. Dr. Albin Egger-Lienz, der Osttiroler Weltmaler, seiner Zeit voraus! Die Ausstellung „Albin Egger Lienz und der Teufele-Maler“ erinnert an diese Geschichte – nicht nur als Episode des Widerstands, sondern auch als Beweis dafür, wie sehr Kunst Gesellschaft bewegen, spalten und gleichzeitig verbinden kann.
Diese Kraft von Kunst und Kultur ist auch heute noch spürbar – und sie gehört nicht ins Museum allein. Sie lebt dort weiter, wo Menschen ihr im Alltag begegnen. Genau aus diesem Grund engagieren sich die DolomitenBank sowie die Kooperationspartner mit der Galerie im Bankgebäude: um Kunst sichtbar, zugänglich und erlebbar zu machen – mitten in der Region, mitten im Leben!
Die Ausstellung „Albin Egger-Lienz und der Teufele-Maler“ kann zu den Banköffnungszeiten noch bis 9. Jänner 2026 besichtigt werden. Dipl.-Vw. Erich Mair ist jeweils dienstags von 09.00 Uhr bis 10.30 Uhr und freitags von 14.00 Uhr bis 16.00 Uhr persönlich vor Ort, um Interessierten detaillierte Einblicke zu geben.
Warum Kunst fördern?
„Die DolomitenBank ist mehr als ein Finanzdienstleister. Wir sind Teil der Region und tragen gesellschaftliche Verantwortung“, erklärt Vorstand Dir. Mag. Hansjörg Mattersberger. „Kunst und Kultur zu fördern, heißt, in die Zukunft und in den Zusammenhalt unserer Gemeinschaft zu investieren. Kultur inspiriert, verbindet Generationen und zeigt: Kunst ist nicht nur in Metropolen zuhause.“
Warum ist die DolomitenBank-Galerie dafür ein besonderer Ort?
Die DolomitenBank-Galerie bietet niederschwelligen Zugang zur Kunst – mitten im Alltag. „Menschen begegnen Kunst bei uns oft ‚zufällig‘. Die Bank wird damit zu einem lebendigen Ort, wo Dialog entsteht, Künstler und Publikum sich auf Augenhöhe begegnen“, so Mattersberger.
Was verbindet Egger-Lienz und Osttirol mit der DolomitenBank?
„Eine Ausstellung zu einem so bedeutenden Künstler zu begleiten, ist für uns Ehre und Freude zugleich. Egger-Lienz ist eine Identifikationsfigur für Osttirol, einer der größten österreichischen Maler. Seine Kunst ist kraftvoll, reduziert, zeigt das wahre Gesicht der Menschen – und berührt bis heute unmittelbar.“
Warum bleibt der Künstler aktuell?
Themen wie Arbeit, Glaube, Gemeinschaft und Vergänglichkeit sind universell. „Gerade in einer schnelllebigen Zeit regen die Werke von Egger Lienz zum Nachdenken an. Sie wirken zeitlos modern und machen Kunst zu einem Teil des Lebens“, betont Mattersberger. Die Ausstellung „Albin Egger-Lienz und der Teufele-Maler“ in der DolomitenBank-Galerie würdigt nicht nur einen großen Osttiroler Künstler, sondern zeigt auch, wie lebendig Kunst mitten in der Region wirken kann – inspirierend, verbindend, zeitlos.

Text: Redaktion, Fotos: © Martin Lugger, DolomitenBank Lienz, Video: DolomitenBank


