Erlebte Geschichte im MiMU in Dölsach: Erzählfilme von Tiroler Zeitzeug:innen

Zwölf Filme – zwölf Leben: Zwischen 3. Mai und 20. September teilen Tiroler Zeitzeug:innen in Erzählfilmen Erinnerungen, die berühren, bewegen und Geschichte lebendig machen. Zu sehen jeden zweiten Sonntag im Miniaturmuseum Dölsach.

Das Projekt haben Margarethe Oberdorfer, Betreiberin des Kulturhauses Sinnron, und Erna Inwinkl, Dorfchronistin von Dölsach, gemeinsam mit dem Autor und Regisseur Ekkehard Schönwiese – er ist auch Obmann des Vereins „Die Chronisten“ – entwickelt. Die Erzählfilme aus der Zeit 1900 bis 1950 stammen aus dem Österreichischen Zeitzeugenarchiv der Filmemacherin Ruth Deutschmann, die seit mehr als 30 Jahren im Rahmen verschiedener regionaler und internationaler Projekte Zeitzeugen-Interviews gesammelt hat.

„2009 hat der Verein ,Die Chronisten‘ das Virtuelle Haus der Geschichte mit Schwerpunkt Tirol initiiert, dessen Homepage 2023 unter chronisten.at neu gestartet wurde“, erklärt Ekkehard Schönwiese. Inhalte aus dem Archiv des Vereins „Die Chronisten” und dem Oral-History-Projekt „Erlebte Geschichte” der Tiroler Arbeiterkammer wurden integriert.

„Nun haben wir zwölf Erzählfilme von Tiroler Zeitzeuginnen und Zeitzeugen – großteils aus dem Bezirk Lienz – neu geschnitten und aufbereitet. Diese werden erstmals im Miniaturmuseum Dölsach gezeigt. Das Hauptanliegen von ,Visual History‘ ist eine Geschichte von Unten – von Zeitzeugen, die nicht im Rampenlicht der Anerkennung gestanden sind, aber am Ende ihres Lebens vor die Kamera geholt worden sind, um mit ihren Lebensbotschaften ernst genommen zu werden“, so Schönwiese.

„Stirbt ein alter Mensch, verbrennt eine ganze Bibliothek“, heißt ein afrikanisches Sprichwort. „Hinter diesem Satz steht zwischen den Worten die Botschaft vom Wert der Mündlichkeit. Am Anfang war nicht die Schrift, sondern das Wort, und das Wort hat ein Gesicht, und das Gesicht hat Falten, und es verbindet Inhalte mit Gefühlen – nicht nur in Worten, sondern auch in den Pausen dazwischen, die zum Nachdenken herausfordern. Allein das ist bei den Erzählfilmen so spannend, beobachten zu können, wie da Zeitzeuginnen und Zeitzeugen in sich hineinhören und sich die Zeit nehmen, Bilder der Erinnerung hochkommen zu lassen, bevor sie sie beschreiben“, erklärt Schönwiese.

Im ersten Film am Sonntag, 3. Mai, mit dem Titel „’s Moidele singt und liebt“ erzählt die 1919 geborene Maria Rogl, eine Dölsacher Legende, wie sie von Hitler als Tiroler Marketenderin zum Nürnberger Reichstag eingeladen wurde, als singende Kellnerin in Gasthausrunden den Felbertauern-Tunnelbauarbeitern die Köpfe verdrehte, als Vorbeterin begehrt bei Begräbnissen war und als begnadete Erzählerin pointiert von ihrem Leben zu erzählen wusste. Die Visual-History-Dokumentation von Ruth Deutschmann wurde zur Vorlage für zwei Theaterstücke: „’s Moidele“ (Theaterwerkstatt Dölsach) und „Die Vorbeterin“ (FrauenArt Dölsach).

 

Erlebte Geschichte: „Zwölf Filme – zwölf Leben“

Kulturhaus sinnron an der B100, Am Land 4, 9991 Dölsach

Sonntag, 3. Mai 2026, 16.30 Uhr:
Maria Rogl: ’s Moidele singt und liebt – Von der Marketenderin zur Vorbeterin

Sonntag, 17. Mai 2026, 16.30 Uhr:
Michael Rainer: Der letzte Kosak‘ – Leben mit dem „Drama an der Drau“

Sonntag, 7. Juni 2026, 16.30 Uhr:
Anton Gasser: Hirtenleben – Krieg & Frieden in Gaimberg

Sonntag, 21. Juni 2026, 16.30 Uhr:
Maria Toth: Barfuß stampfen im Lehm – Alltag der Ziegelböhm

Sonntag, 5. Juli 2026, 16.30 Uhr:
Anna Waldeck: Sozialdemokratin und Journalist:innenlegende

Sonntag, 19. Juli 2026, 16.30 Uhr:
Sophie Wilhelm: Die „Tiroler Nachtigall“

Sonntag, 2. August 2026, 16.30 Uhr:
Oswald Perktold: Neue Pädagogik und Nazigold

Sonntag, 16. August 2026, 16.30 Uhr:
Helmut Heuberger: Vom illegalen Hitlerjungen zur O5-Leitfigur

Sonntag, 30. August 2026, 16.30 Uhr:
Josef Schärmer (fast ein Kamikazeflieger): Einer kam durch: Ich

Sonntag, 6. September 2026, 16.30 Uhr:
Ein Leben – ein Jahrhundert: Es war einmal (zwei Filme)

Sonntag, 20. September 2026, 16.30 Uhr:
Vom Überleben in einer Endzeit

 

 

Text: Raimund Mühlburger, Foto: Osttirol heute

29. April 2026 um