Bestens besuchter Vortrag im Osttiroler Bildungshaus

„Volles Haus“ gestern Abend beim Vortrag von Dr. Norbert Hölzl – über 100 ZuhörerInnen verfolgten die interessanten Ausführungen des Buchautors mit Osttiroler Wurzeln.

Dr. Norbert Hölzl ist sehr vielen OsttirolerInnen aus Radio- und Fernsehsendungen oder als Buchautor bekannt. Nicht alle wissen hingegen, dass der heute in Nordtirol lebende Journalist in Lienz die Schulbank drückte, der erste Osttiroler Sieger eines Redewettbewerbes war oder an der Gründung der Mysterienspiele auf Schloss Bruck mitgewirkt hat.

Am Abend des 9.1. informierte Dr. Norbert Hölzl im Rahmen seines Vortrages über die „teuerste Geschichtslücke Österreichs“ und den Anschluss Tirols an Österreich vor 650 Jahren. Hölzl begann seine Ausführungen damit, darauf hinzuweisen, dass Geschichtsschreibung über Jahrhunderte weitestgehend im Auftrag der Mächtigen und Herrschenden erfolgte und demgemäß auch in deren Sinne gestaltet bzw. manipuliert wurde. So sind auch die genaueren und tatsächlichen Umstände der Herrschaftsübertragung an die Habsburger im Jahre 1363 nur sehr wenigen bekannt. Am 26. Januar vor genau 650 Jahren hatte Margarete, Gräfin von Tirol, das Land im Gebirge an die Habsburger übergeben müssen, nachdem im Vorfeld innerhalb kurzer Zeit sowohl ihr Gemahl als auch ihr Sohn unter doch mysteriös anmutenden Umständen ums Leben gekommen waren. Die Ereignisse, die sich damals im Pustertal abspielten, als Österreich bzw. das Haus Habsburg Tirol „kassierte“, waren, so Hölzl, auf jeden Fall kaum so harmlos, wie es im Sinne der früheren kaiserlichen Propaganda bis heute in den Schulen erzählt wird.

Im zweiten Teil seines Vortrages sprach Norbert Hölzl über sein neues Buch „Weltpolitik einer Österreicherin“. Behandelt wird darin der Zeitraum von 1822 bis 2010 mit den Schwerpunkten Brasilien und Staatsvertrag bis zu den bei uns unbekannten Ordensgründerinnen aus Tirol und Wien. Auch hier erfuhren die ZuhörerInnen so manches nicht bekannte Detail, vor allem auch in Hinsicht auf den Österreichischen Staatsvertrag und die Rolle, die Brasilien dabei gespielt hat. Leopoldina, Kaisertochter aus Wien, hatte in Rio de Janeiro den portugiesischen Thronfolger geheiratet und sich in der Folge für die Unabhängigkeit Brasiliens eingesetzt.  Die vielseitig begabte und intelligente 25-Jährige machte 1822 die größte Kolonie der Welt zum selbstständigen Staat. Zwei Jahre später öffnete sie Brasilien für die deutsche Einwanderung. Leopoldina starb nach neun Schwangerschaften mit nur 29 Jahren, aber hunderttausende Deutsche folgten ihrem Ruf und veränderten Südamerika sichtbar bis heute. Da sie in Wien nicht um Erlaubnis fragte, wurde sie in Österreich mit Vergessen bestraft. Nach 1945 vertrat Brasilien als Siegermacht des II. Weltkrieges alle lateinamerikanischen Staaten, damals ein Drittel der UNO-Mitglieder und setzte sich energisch für Österreich und den Staatsvertrag ein. Die Bundesregierung in Wien nannte es die „Aktion Brasilien“ und bedankte sich 1954 überschwänglich, um 1955 alles zu vergessen. Dies kostete, so Hölzl, unserem Land in den Verhandlungen mit der sowjetischen Besatzungsmacht Milliarden.

Insgesamt ein sehr informativer Abend im Osttiroler Bildungshaus – „Geschichte pur“, spannend und unterhaltsam  vorgetragen. Historisch Interessierten sei die Lektüre des Buches „Weltpolitik einer Österreicherin“ (erschienen im Verlag Edition Tirol unter der ISBN 13-978-3-85361-155-5) empfohlen.

Text: E. Hilgartner, Foto: Journal/Sulzenbacher

10. Januar 2013 um