Ausstellung thematisiert „Skandal“ um den Auferstandenen von Albin Egger-Lienz
Die Ausstellung „Albin Egger-Lienz und der Teufele-Maler“ wird am 8. September in der DolomitenBank-Galerie eröffnet. Am gleichen Tag findet in der Stadtpfarrkirche St. Andrä eine Gedenkmese zu „100 Jahre Kriegergedächtniskapelle” statt.
Vor hundert Jahren lösten Gemälde von Albin Egger-Lienz im Lienzer Bezirks-Kriegerdenkmal heftige Proteste aus. Besonders das Bild des „Auferstandenen“ erzürnte das Heilige Offizium in Rom. Die Kardinäle verhängten ein Interdikt über die Kapelle. Skandale und Dramen spalteten in der Folge Bevölkerung und Klerus.
Dieser Kunst- und Kirchenkrimi ist nun Anlass für ein kulturelles Jahrhundertprojekt. Nach zweijähriger Vorbereitung erinnert der Kunstsachverständige Dipl.-Vw. Erich Mair ab 8. September in der DolomitenBank-Galerie an die vielfach unbekannten und dramatischen Ereignisse vor 100 Jahren in Wort, Bild und Form.
Erich Mair: „Als ich vor zwei Jahren Untergassers Bild ,Der Teufele-Maler‘ käuflich erworben habe, entstand die Idee zu dieser Ausstellung. Das Bild ist übrigens unverkäuflich. Ich möchte, dass es irgendwann für die Öffentlichkeit zugänglich ist.“
Die Ausstellung trägt den Titel „Albin Egger-Lienz und der Teufele-Maler – zwiespältige Zeitgeschichte vor 100 Jahren“.
„Ausgestellt werden 73 Exponate – davon 51 zum Teil noch nie gezeigte Werke von Albin Egger-Lienz. Dazu kommen Werke von Franz von Defregger, Josef Manfreda, Karl Untergasser, Hugo Engl, Konrad Verra sen. und Alfons Siber. Gezeigt wird auch Untergassers Bild ,Der Teufele-Maler‘. Ich habe das Bild vor zwei Jahren käuflich erworben“, so Erich Mair, der die Entstehung der Kriegergedächtniskapelle und den Konflikt rund um das Gemälde „Der Auferstandene“ bei einer Präsentation am Mittwoch, 13. August, gemeinsam mit Dekan Dr. Franz Troyer, Dir. Mag. Hansjörg Mattersberger von der DolomitenBank Osttirol-Westkärnten, und Franz Theurl, Obmann des Tourismusverbandes Osttirol, vorstellte.
Schon gegen Ende des Ersten Weltkrieges wurde in Lienz die Idee geboren, eine Gedenkstätte zu Ehren der Gefallenen zu errichten. „Ursprünglich waren Josef Manfreda für die Planung und Franz von Defregger für die Ausmalung im Gespräch. Doch Defregger starb im Jänner 1921. Landeskonservator Dr. Josef Garber entwickelte die Idee, die baufälligen Arkaden im Norden und Westen des Friedhofs um die Stadtpfarrkirche St. Andrä mit der Denkmalidee zu verbinden. Albin Egger-Lienz, ein Freund des Landeskonservators, sollte einen Freskenzyklus schaffen. Egger-Lienz bestand auf der Einbindung des berühmten Architekten Clemens Holzmeister“, erklärte der Kunstsachverständige.
Die Hetze gegen Eggers Malerei fand auch einen künstlerischen Niederschlag in Karl Untergassers Spottbild „Der Teufele-Maler“.
Schließlich baute Clemens Holzmeister die Kriegergedächtniskapelle, Albin Egger-Lienz schuf die vier Bildkompositionen „Die Namenlosen” („Der Sturm”), „Das Totenopfer“, „Sämann und Teufel” und „Der Auferstandene”.
„Am 1. Juli 1925 begann Egger-Lienz mit der Ausmalung, und am 8. September 1925 wurde die Kapelle eingeweiht. Um den Auferstandenen entbrannte ein Konflikt. Dekan Gottfried Stemberger wollte Egger-Lienz noch dazu bewegen, anstatt des Auferstandenen ein anderes Bild zu malen. Die Einweihung der Kapelle wurde zu einem großen Fest mit rund 10.000 Besuchern. Doch Egger-Lienz war schon eine Woche davor abgereist. Am 6. Mai 1926 – ein halbes Jahr vor Eggers Tod – wurde das Interdikt über die Kapelle verhängt. Es durften also keine kirchlichen Feiern mehr dort stattfinden“, so Mair.
Am 4. November 1926 verstarb Albin Egger-Lienz. „Seine 1. Ruhe fand er am Städtischen Friedhof, und nach längerem Hin und Her wurde er am 4. November 1927 bei einer Nacht-und-Nebel-Aktion in der Kriegergedächtniskapelle ein zweites Mal zu Grabe getragen. Das Interdikt wurde 1983 durch eine Änderung im Kirchenrecht automatisch aufgehoben“, so Mair.
Dekan Dr. Franz Troyer: „Den Gedenkgottesdienst stellen wir unter das Motto ,Dem Frieden dienen‘. Abordnungen von Osttiroler Musikkapellen und Schützenkompanien werden anwesend sein. Schülerinnen und Schüler der Volksschule Lienz-Nord gestalten die Feier mit einem Egger-Lienz-Interview mit.“
Eröffnen wird die Ausstellung der Innsbrucker Diözesanbischof Hermann Glettler am Montag, 8. September, um 19.30 Uhr. Davor wird der Bischof um 17.30 Uhr in der Stadtpfarrkirche St. Andrä eine Gedenkmesse zu „100 Jahre Kriegergedächtniskapelle“ zelebrieren.
„Die feierliche Einweihung des Bezirks-Kriegerdenkmals fand am 8. September 1925 durch Bischof Sigismund Waitz statt. Exakt 100 Jahre später wird unser Bischof Hermann Glettler einen Gedenkgottesdienst am Kirchplatz von St. Andrä zelebrieren“, so Dekan Dr. Franz Troyer.
„Der ORF wird auch einen 45-minütigen Film über Albin Egger-Lienz drehen, der in ORF III ausgestrahlt wird“, informierte Tourismus-Obmann Franz Theurl.
„Wir freuen uns, dass wir diese hochkarätige Ausstellung in der DolomitenBank-Galerie durchführen dürfen und bedanken uns bei Erich Mair für die Initiative und seine Expertise. Aufgrund des zu erwartenden großen Interesses haben wir drei Vernissage-Termine angesetzt. Wir bitten um Voranmeldung“, so DolomitenBank-Vorstand Mag. Hansjörg Mattersberger.
Ausstellung „Albin Egger-Lienz und der Teufele-Maler – zwiespältige Zeitgeschichte vor 100 Jahren“
Montag, 8. September 2025
17.30 Uhr: Gedenkgottesdienst „100 Jahre Kriegergedächtniskapelle“ am Kirchplatz der Stadtpfarrkirche St. Andrä mit Bischof Hermann Glettler
19.30 Uhr: Eröffnung der Ausstellung in der DolomitenBank-Galerie, Südtiroler Platz 9, 9900 Lienz
Weitere Vernissage-Termine:
Dienstag, 9. September 2025, 19.30 Uhr
Mittwoch, 10. September 2025, 19.30 Uhr
Aus organisatorischen wird um Voranmeldung zu den Vernissagen bis 5. September gebeten: 04852/6665 1030 oder anmeldung@dolomitenbank.at
Die Ausstellung läuft bis 9. Jänner 2026.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger


