100 Jahre Kriegergedächtniskapelle Lienz: Große Ausstellung 2025 in Planung

Am 8. September 2025 – exakt 100 Jahre nach der Einweihung der Kriegergedächtniskapelle Lienz – wird in der DolomitenBank Lienz eine Ausstellung mit Werken der bedeutendsten Osttiroler Maler, wie Albin Egger-Lienz oder Franz von Defregger, eröffnet.

Initiiert hat die Ausstellung der Kunstsachverständige Dipl.-Vw. Erich Mair. Gemeinsam mit Dekan Dr. Franz Troyer, Dir. Mag. Hansjörg Mattersberger von der DolomitenBank Osttirol-Westkärnten, und Franz Theurl, Obmann des Tourismusverbandes Osttirol, stellte er am Dienstag, 17. September, den Medien das Projekt vor.

Die Ausstellung trägt den Titel „Albin Egger-Lienz und der Teufele-Maler – zwiespältige Zeitgeschichte vor 100 Jahren“. „Ausgestellt werden rund 50 Exponate, die ausschließlich aus Osttiroler Privatbesitz stammen – rund 30 Werke von Albin Egger-Lienz, fünf von Franz von Defregger und weitere zum Beispiel von Hugo Engl, von Josef Manfreda und von Karl Untergasser, dem so genannten Teufele-Maler“, so Erich Mair, der die Entstehung der Kriegergedächtniskapelle und den Konflikt rund um das Gemälde „Der Auferstandene“ erklärte.

Schon gegen Ende des Ersten Weltkrieges wurde in Lienz die Idee geboren, eine Gedenkstätte zu Ehren der Gefallenen zu errichten. „Ursprünglich waren Josef Manfreda für die Planung und Franz von Defregger für die Ausmalung im Gespräch. Doch Defregger starb im Jänner 1921. Landeskonservator Dr. Josef Garber entwickelte die Idee, die baufälligen Arkaden im Norden und Westen des Friedhofs um die Stadtpfarrkirche St. Andrä mit der Denkmalidee zu verbinden. Albin Egger-Lienz, ein Freund des Landeskonservators, sollte einen Freskenzyklus schaffen. Egger-Lienz bestand auf der Einbindung des berühmten Architekten Clemens Holzmeister“, erklärte der Kunstsachverständige.

Schließlich baute Clemens Holzmeister die Kriegergedächtniskapelle, Albin Egger-Lienz schuf die vier Bildkompositionen „Der Sturm“ („Die Namenlosen”), „Totenopfer“, „Sämann und Teufel“ sowie „Der Auferstandene“.

„Am 1. Juli 1925 begann Egger-Lienz mit der Ausmalung, und am 8. September 1925 wurde die Kapelle eingeweiht. Um den Auferstandenen entbrannte ein Konflikt. Dekan Gottfried Stemberger wollte Egger-Lienz noch dazu bewegen, anstatt des Auferstandenen ein anderes Bild zu malen. Die Einweihung der Kapelle wurde zu einem großen Fest mit rund 10.000 Besuchern – auch der Bundespräsident und der Landeshauptmann waren gekommen. Doch Egger-Lienz war schon eine Woche vor dem Fest abgereist. Am 6. Mai 1926 – ein halbes Jahr vor Eggers Tod – wurde das Interdikt über die Kapelle verhängt. Es durften also keine kirchlichen Feiern mehr dort stattfinden“, so Mair.

 

Der „Teufele-Maler“ Karl Untergasser aus Gaimberg schuf im Zuge des Konflikts um Eggers „Auferstandenen“ dieses Bild.

 

Am 4. November 1926 verstarb Albin Egger-Lienz. „Seine 1. Ruhe fand er am Städtischen Friedhof, und nach längerem Hin und Her wurde er am 4. November 1927 in der Kriegergedächtniskapelle ein zweites Mal zu Grabe getragen. Das Interdikt wurde 1983 durch eine Änderung im Kirchenrecht automatisch aufgehoben“, so Mair.

Der Maler Karl Untergasser schuf im Zuge des Konflikts um den „Auferstandenen“ ein Aquarell, auf dem sechs Teufel mit Eggers Werk ihren Ulk treiben. „Auch dieses Bild wird nächstes Jahr in der Ausstellung zu sehen sein. Die 130 Plätze für die Vernissage am 8. September sind bereits reserviert. Es wird aber weitere Veranstaltungen an den Folgetagen geben, und ich werde regelmäßige Führungen durch die Ausstellung anbieten. Die Ausstellung wird bis 10. Jänner 2026 geöffnet sein“, erklärte der Kunstsachverständige.

Eröffnen wird die Ausstellung der Innsbrucker Diözesanbischof Hermann Glettler. Dieser wird auch eine Gedenkmesse zu „100 Jahre Kriegergedächtniskapelle Lienz“ zelebrieren. „Ich sehe das Projekt besonders auch unter dem Aspekt: Wie entstehen Kriege und wie kann man Kriege verhindern?“, so Dekan Dr. Franz Troyer.

Unterstützt wird das Projekt von der DolomitenBank und vom Tourismusverband Osttirol. „Der ORF wird auch einen 45-minütigen Film über Albin Egger-Lienz drehen, der in ORF III ausgestrahlt wird“, informierte Tourismus-Obmann Franz Theurl.

 

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger

18. September 2024 um