10 Jahre Geschichten, die bewegen: Mölltaler Geschichten Festival feiert Jubiläum
Bereits zum zehnten Mal findet heuer das Mölltaler Geschichten Festival statt. Das diesjährige Thema „seltsam“ verspricht erneut überraschende Perspektiven, sprachliche Raffinesse und kulturelle Vielfalt. Erste Lesung am Freitag, 5. September.
Was 2016 mit einer Idee begann, ist heute aus der literarischen Landschaft nicht mehr wegzudenken: Das Mölltaler Geschichten Festival (MGF) feiert 2025 sein zehnjähriges Bestehen – und damit ein Jahrzehnt voller außergewöhnlicher Kurzgeschichten, inspirierender Themen und intensiver Begegnungen zwischen Autor:innen und Publikum.
Doch das Festival ist weit mehr als ein Literaturwettbewerb: Als kulturelles Highlight der Nachsaison setzt es im Mölltal wichtige Impulse für den regionalen Tourismus und bringt zugleich künstlerische Inspiration in den ländlichen Raum.
Mit dem diesjährigen Thema „seltsam“ öffnet das Festival erneut Raum für kreative Zugänge, absurde Wendungen und tiefgründige Reflexionen. Wir haben mit Melitta Fitzer, der Koordinatorin des Festivals, über die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre, Idee und Hintergrund sowie die Jubiläumsausgabe 2025 gesprochen.
Wie hat sich das Mölltaler Geschichten Festival in den letzten zehn Jahren entwickelt?
Unser Festival ist zu einem internationaler Literaturfestival geworden. Wir können aktuell auf 3.236 Einsendungen aus 22 Ländern verweisen. Am meisten Geschichten werden aus dem deutschsprachigen Raum eingereicht – also aus Österreich, Deutschland, Südtirol und der Schweiz. Immer mehr Geschichten werden uns aber zunehmend aus dem gesamten europäischen Raum zugesandt – etwa aus Frankreich, England, Irland, Luxemburg, Spanien, Portugal oder Schweden.
Wie kann man sich die Organisation des Festivals vorstellen?
Das Festival ist ein Projekt des Vereins ProMÖLLTAL und wird von allen zwölf Mölltaler Gemeinden – von Heiligenblut bis Lurnfeld – gemeinsam getragen. Die 25 ehrenamtlichen Organisatorinnen und Organisatoren des Festivals kommen aus allen zwölf Gemeinden. Wichtig ist mir zu betonen, dass die Arbeit, die sich über das ganze Jahr hinzieht, ausschließlich von Ehrenamtlichen gestemmt wird.
Was ist die Grundidee hinter dem Mölltaler Geschichten Festival?
Wir wollen die Schöpfung zeitgenössischer Kurzgeschichten fördern und talentierten Autorinnen und Autoren aus ganz Europa eine Bühne bieten. Die besten Erzählungen werden prämiert und publiziert – und einem überregionalen Publikum im Mölltal wird im Herbst kulturelle Unterhaltung auf hohem Niveau geboten.
Was erwartet die Autor:innen beim Wettbewerb des Mölltaler Geschichten Festivals – und worauf legt die Jury bei der Auswahl der besten Texte besonderen Wert?
Im Jänner startet der Kurzgeschichtenwettbewerb für Autorinnen und Autoren älter als 14 Jahre, der im gesamten deutschsprachigen Raum angekündigt wird. In diesem Jahr wurden insgesamt 638 Geschichten eingesandt. Gesucht werden außergewöhnliche Short Stories im Stil von Mark Twain oder Stephen King – keinesfalls jedoch Essays oder Biografien. Wichtig ist uns, dass die Worte präzise eingesetzt werden. Die Erzählung und die Charaktere sollen mit wenigen treffenden und klaren Worten lebendig werden.
Wie gelingt es dem Festival, auch Jugendliche für das Schreiben und Erzählen zu begeistern?
Um junge Menschen zum literarischen Ausdruck zu motivieren, schreiben wir jedes Jahr einen eigenen Kurzgeschichtenwettbewerb für sie aus, der von Lehrerinnen und Lehrern betreut und begleitet wird. Der Nachwuchspreis macht das Festival auch für die Altersgruppe unter 14 Jahren attraktiv. Dafür kontaktieren wir jährlich rund 4.000 Schulen in ganz Österreich.
Wie erfolgt die Bewertung sowie die Auswahl der Siegergeschichten?
Aus allen anonymisierten Einreichungen – in diesem Jahr waren es 638 – wählt eine Vorauswahljury von etwa 30 Personen jene 21 Geschichten sowie acht Nachwuchs-Geschichten aus, die anschließend von den Autorinnen und Autoren dem Publikum präsentiert und der Fachjury vorgelegt werden.
Die fünf Mitglieder der Fachjury repräsentieren verschiedene Bereiche des Literaturbetriebs: Autor:innen, Lektor:innen, Verleger:innen, Kritiker:innen bzw. Literaturwissenschaftler:innen sowie Buchhändler:innen. Diese stellen sicher, dass unser Anspruch an ein qualitativ hohes Niveau erfüllt wird.
Die Fachjury, die 2025 zum zweiten Mal von der Autorin Vea Kaiser geleitet wird, bestimmt gemeinsam die Gewinner:innen des „Literaturpreises des Landes Kärnten für Kurzgeschichten“ sowie die Plätze 2 und 3 des Fachjurypreises. Dabei liegen die Kriterien auf sprachlichem Stil, effektiver Erzählweise und Außergewöhnlichkeit.
Während der Lesungen hat das Publikum die Möglichkeit, nach jeder Geschichte mit einem drahtlosen „Clicker“ eine Bewertung abzugeben. Diese wird elektronisch erfasst und ergibt am Ende der Veranstaltung die Siegergeschichte sowie die drei Plätze des Publikumspreises.
Was ist das Besondere an den Lesungen?
Die Lesungen sind meiner Meinung nach ein abenteuerliches, emotionales und manchmal auch schräges oder humorvolles Erlebnis für das Publikum. An einem einzigen Abend hören die Besucher:innen sieben ganz unterschiedliche Geschichten – erzählt von ihren Autor:innen selbst.
Es entsteht ein direkter Dialog: Jemand erzählt, jemand hört zu – eine der ältesten und zugleich tiefsten Formen menschlicher Kommunikation. Für mich ist das eine gegenseitige Unterstützung. Die Geschichte hat Bedeutung, trägt Inhalt, und im besten Fall löst sie etwas beim Publikum aus – Gedanken, Emotionen oder neue Perspektiven auf die eigene Welt.
Den Literaturpreis des Landes Kärnten erhielt im Vorjahr die Autorin G.M. Schwarz für ihre Kurzgeschichte „Lebendfalle Kindheit“.
Lesungen der Autorinnen und Autoren
Lesung der Geschichten 1 – 7
Freitag, 5. September 2025, 19.30 Uhr
Heiligenblut, Steinbockhaus, Albert-Wirth-Saal
Lesung der Geschichten 8 – 14
Samstag, 6. September 2025, 19.00 Uhr
Stall, Schulzentrum
Lesung der Nachwuchsautor:innen
Freitag, 12. September 2025, 10.00 Uhr
Obervellach, Mittelschule
Lesung der Geschichten 15 – 21
Samstag, 13. September 2025, 19.00 Uhr
Kolbnitz, Schulzentrum Reisseck
Alle Lesungen werden von Mölltaler Musiker:innen begleitet.
Preisverleihung und die Mölltaler SchreibAder
Preisverleihung am Samstag, 27. September 2025, 19.00 Uhr
Großkirchheim, Alte Schmelz in Döllach
Bei den Mölltaler SchreibAdern handelt es sich um mit Blattgold-Adern verzierte Mineralien, die an die Siegerinnen und Sieger der folgenden Preise vergeben werden:
Fachjurypreis (der von den Mitgliedern der Fachjury gemeinsam bestimmte Preis)
Der erste Platz erhält den „Literaturpreis des Landes Kärnten für Kurzgeschichten“, der mit 1.000 Euro dotiert ist.
Publikumspreis (von den Lesungen)
Mölltaler Preis (für die beste Geschichte geschrieben von einer/einem Mölltaler Autor:in und bewertet von Fachjury und Publikumsjury)
Nachwuchspreis (bewertet von der Fachjury und der Publikumsjury)
Die Sieger:innen älter als 14 Jahre erhalten neben der Mölltaler SchreibAder auch Geldpreise. Anstelle des Geldes können sie auch einen Gutschein für einen Aufenthalt in den Mölltaler Bergen wählen. Die drei besten Geschichten der Nachwuchs-Autor:innen erhalten Bücherpakete.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Heidi Schober, Melitta Fitzer

