Oberst Markus Reisner in Lienz: „Die Bedrohungslage in Europa ist sehr ernst!“

Ausführlich und kompetent sprach Dr. Markus Reisner, Oberst des Generalstabsdienstes, am 8. Jänner in der Haspinger-Kaserne vor Soldaten und Medienvertretern über den Ukraine-Krieg sowie die Bedrohungslage für Österreich und Europa.

Markus Reisner gilt als Experte, was den Ukraine-Krieg betrifft, und ist zu diesem Themenfeld oft in Nachrichtensendungen und Diskussionen zu Gast in österreichischen und deutschen Medien. Die Forschungsschwerpunkte des Militärexperten liegen jedoch nicht nur im Ukraine-Konflikt, sondern auch in unbemannten Waffensystemen, Robotik und Künstlicher Intelligenz, in den taktischen und operativen Lehren aus der Militärgeschichte, im Zweiten Weltkrieg, im militärischen Führungsverhalten sowie in disruptiven Ereignissen (z.B. Blackout) und deren Folgen.

Als Autor hat er z.B. das Buch „Die Schlacht um Wien 1945″ veröffentlicht, in dem er sich sehr detailliert mit den Angriffsplänen der sowjetischen Streitkräfte auf die Stadt Wien im März und April 1945 beschäftigt. 2024 brachte er zwei Bücher zum Themenfeld „militärischer Einsatz von Drohnen“ heraus.

 

Oberst Matthias Wasinger, seit September 2024 Kommandant des Hochgebirgsjägerbataillons 24, arbeitet im Generalstabsdienst eng mit Oberst Markus Reisner zusammen und lud diesen nun nach Osttirol ein.

 

Auf Einladung des Hochgebirgsjägerbataillons 24 und Bataillonskommandant Oberst Matthias Wasinger, sprach der Militärexperte am Mittwoch, 8. Jänner, in der Haspinger-Kaserne ausführlich über die Entwicklung des Ukraine-Konfliktes sowie über die Bedrohungslage für Österreich und Europa.

„Wir haben oft ein falsches Bild von diesem Konflikt. Auch als früherer Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung an der MILAK habe ich mich sehr eingehend mit dem Einmarsch der Russen in der Ukraine beschäftigt. Die Ukraine ist riesig. Allein das umkämpfte Gebiet ist im Vergleich in etwa so groß wie die Region Zentraldeutschland bis Norditalien“, so Reisner. Die wenigsten würden in Sachen Ukraine-Krieg an den Weltraum denken. „Die Kommunikation im Space ist äußerst bedeutend geworden. Im Informationsraum sind wir alle Teil des Konfliktes.“

 

Oberst Markus Reisner unterteilte den Ukraine-Krieg in bisher acht Phasen. „Phase 7 begann Anfang Mai 2024 mit der russischen Sommeroffensive, wobei das Momentum dabei eindeutig an Russland geht.“

 

Anschaulich verglich Reisner den Krieg mit einem Boxkampf zwischen dem russischen Schwergewichtsweltmeister Nikolai Valuev gegen das britische Schwergewicht David Haye. „Es ist historisch bemerkenswert, dass die Ukraine schon so lange durchgehalten hat. Wie in einem Boxkampf ist es jedoch das Ziel, den Gegner überraschend in die Enge zu treiben, bis ihm die Energie ausgeht. Ziel der 3. strategischen Luftoffensive Russlands war es, mit Raketen, Drohnen und ballistischen Waffen ukrainische Infrastruktur zu zerstören. Drohnen sind zwar einerseits eine Erfolgsgeschichte der Ukraine, andererseits wurde diese aber von den Russen kopiert, und in Russland können Drohnen inzwischen in viel größerem Ausmaß und viel billiger hergestellt werden, als in der Ukraine“, so Reisner.

Die Bedrohungslage für Österreich und Europa aufgrund des Ukraine-Krieges bezeichnete Markus Reisner als sehr ernst. „Wir müssen uns auf eine Eskalation vorbereiten und mehr Resilienz entwickeln. Meine Angst und Sorge besteht auch darin, dass wir den Ernst der Lage der Bevölkerung nicht ausreichend vermitteln können“, so der Militärexperte abschließend.

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger

08. Januar 2025 um