Der Musikbezirk Lienzer Talboden feiert sein 75-Jahr-Jubiläum
Im Jahre 1949 wurde der Musikbezirk Lienzer Talboden gegründet. Heute besteht er aus 15 Musikkapellen und der Bläserphilharmonie Osttirol. Das 75-Jahr-Jubiläum wurde am Sonntag, 22. September, in Lienz gefeiert.
Nach dem II. Weltkrieg trafen sich am 19. Oktober 1947 anlässlich des Festes der Rückgliederung Osttirols an das Land Tirol erstmals wieder Musikkapellen in Lienz. „Den Osttiroler Musikkapellen war es in den folgenden Jahren ein besonderes Anliegen, die Musikbezirke wieder aufzubauen, und so erfolgte im Jahre 1949 – also vor 75 Jahren – die Gründung des Musikbezirkes Lienzer Talboden“, berichtet der langjährige Obmann und heutige Ehrenobmann Dr. Klaus Köck.
Neun Musikkapellen des Lienzer Talbodens traten 1949 dem Landesverband der Tiroler Blasmusikkapellen bei und gründeten gleichzeitig einen von drei Osttiroler Musikbezirken. Es handelte sich um die Musikkapellen Dölsach, Gaimberg, Iselsberg, Leisach, Nikolsdorf, Nußdorf, Oberlienz, Tristach und die Eisenbahnermusik Lienz. In den darauffolgenden Jahren traten die Schützenmusik Lienz, die Musikkapellen Schlaiten, Bannberg, Ainet und Assling, im März 2005 die Musikkapelle Thurn sowie im Jahre 2016 die Bläserphilharmonie Osttirol bei. Heute zählt der Musikbezirk Lienzer Talboden rund 840 Musikantinnen und Musikanten sowie über 50 Marketenderinnen.
Erster Bezirksobmann war von 1949 bis 1953 der Nußdorfer Pfarrer Otmar Pobitzer. Ihm folgte bis 1993 Walter Unterweger nach. „Er übte dieses Amt vier Jahrzehnte lang mit großem Einsatz aus. Unübertrefflich waren sein Organisationstalent und sein Bemühen um die Durchführung von Jugendseminaren“, erzählt Klaus Köck, der 1993 die Nachfolge von Walter Unterweger antrat. Mit viel Engagement führte er 20 Jahre lang den Musikbezirk und setzte viele wichtige Schwerpunkte. 18 Jahre lang vertrat er zudem die Interessen der drei Osttiroler Musikbezirke im Landesverband. 2013 übernahm Mag. Stefan Klocker die Obmannschaft. Er initiierte neben vielen anderen Aktivitäten auch das neue Vereinslogo. Seit 2023 führt DI Dr. Johannes Nemmert den Musikbezirk Lienzer Talboden.
v.l.n.r.: Die Bezirksobmänner DI Dr. Johannes Nemmert (seit 2023), Dr. Klaus Köck (1993 – 2013) und Mag. Stefan Klocker (2013 – 2023)
Der erste Bezirkskapellmeister war Ludwig Glaser, ihm folgten u. a. Rudolf Roth, Mathias Zanon, Ehrenkapellmeister Franz Lackner und Michael Mattersberger. Seit 2010 obliegt die musikalische Leitung Roman Possenig, dem Kapellmeister der Marktmusikkapelle Nußdorf-Debant. Ein großes Anliegen war dem Musikbezirk stets die Jungmusikerausbildung, die durch die Landesmusikschule Lienz und durch die ausgezeichnete Zusammenarbeit einen bedeutenden Aufschwung erfuhr, was gleichzeitig zur weiteren Hebung des musikalischen Niveaus in den Musikkapellen führte.
Auf Initiative des damaligen Bezirksobmannes Klaus Köck fand am 14. März 2004 erstmals die Generalversammlung des Tiroler Blasmusikverbandes (303 Musikkapellen) mit über 700 Teilnehmern aus allen Bezirken Tirols in Anwesenheit des gesamten Landesverbandsvorstandes mit dem damaligen Präsidenten EU-Kommissar DI Dr. Franz Fischler im Lienzer Stadtsaal statt.
vorne v.l.n.r.: Bezirksjugendreferent-Stv. Eva Weiler (MK Gaimberg), Bezirksobmann-Stv. Gerhard Steinlechner (Stadtmusik Lienz), Bezirksobmann Johannes Nemmert (MK Thurn), Bezirksobmann-Stv. Josef Huber (MK Nikolsdorf), Bezirkskapellmeister-Stv. Lisa Steiger (MK Thurn); hinten v.l.n.r.: Bezirksstabführer Josef Tiefnig (MK Gaimberg), Bezirkskassier Roland Waldner (MK Thurn), Bezirksschriftführer Simon Mair (MK Nikolsdorf), Bezirksjugendreferent Friedrich Blassnig (MMK Nußdorf-Debant), Bezirkskapellmeister Roman Possenig (MMK Nußdorf-Debant, Bezirksadministrator Stefan Klocker (MK Tristach)
Am 26. April 2008 wurde – ebenfalls erstmals in Osttirol – der Landeswettbewerb „Musik in kleinen Gruppen“ mit 54 Ensembles aus allen Landesteilen Tirols in der Musikschule und der Spitalskirche ausgetragen. Im Rahmen des Bezirksmusikfestes zum 60-Jahr-Jubiläum erfolgte am 9. August 2009 am Johannesplatz in Lienz die Segnung der vom damaligen Bezirksobmann Klaus Köck initiierten Bezirksfahne. Sie hat im Eingangsbereich zum Festsaal der Landesmusikschule Lienz ihren würdigen Platz erhalten.
Die Uraufführung des von Bezirkskapellmeister Roman Possenig initiierten Kompositionsauftrages des Musikbezirkes an Florian Pedarnig „Tiroler Festtag, eine kleine, feierliche Musik für Blasorchester“ ging in Anwesenheit des Komponisten und des damaligen Tiroler Landeshauptmannes Günther Platter 2012 beim Bezirksmusikfest in Tristach über die Bühne.
Sein 75-Jahr-Jubiläum feierte der Musikbezirk Lienzer Talboden am Sonntag, 22. September, am Johannesplatz.
Von großer Bedeutung waren und sind die Freundschaftstreffen der Osttiroler Musikbezirke mit dem Musikbezirk Bruneck, die dem Kennenlernen der Mitglieder der Bezirksvertretungen, dem Gedankenaustauch sowie der Pflege der Freundschaft dienen. Seit 2009 gibt es diese Treffen abwechselnd im Zweijahresrhythmus in Osttirol bzw. im Bezirk Bruneck. 2014 wurde das „Süd-Osttiroler Blasorchester 40+“, ein Gemeinschaftswerk der Osttiroler Musikbezirke und des Musikbezirkes Bruneck, gegründet. Die drei in den Jahren 2014, 2018 und 2023 jeweils in Toblach und Matrei in Osttirol unter den Dirigenten Sigisbert Mutschlechner und Martin Gratz durchgeführten Konzerte zeugen von einem großartigen Gemeinschaftswerk und waren stets ein besonderes musikalisches Erlebnis.
Anlässlich des 70-Jahr-Jubiläums des Musikbezirkes wurde im November 2019 die Bezirkschronik präsentiert, die aus zehn prachtvollen Bänden mit 1.630 Seiten besteht. Diese Chronik und eine von jeder Musikkapelle gestaltete Bildtafel dokumentierten eindrucksvoll die Geschichte des Musikbezirkes und der Musikkapellen. Das gesamte Geschehen im Musikbezirk ist inzwischen auch digitalisiert und unter www.musikbezirk-lienzertalboden.at abrufbar.
Dem Bezirksverband war es auch immer ein großes Anliegen, musikalische und organisatorischen Fortbildungsseminare zu organisieren, für die namhafte Referenten gewonnen werden konnten. Die Wettbewerbe „Musik in Bewegung“ erfuhren stets große Aufmerksamkeit. Ziel ist es, dass einerseits die Musikkapellen bei ihren Auftritten ein geordnetes Gesamtbild ergeben und andererseits die Attraktivität der Marschmusik in der Öffentlichkeit erhöht wird.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Musikbezirk Lienzer Talboden, Brunner Images, TAP