20 Jahre Tag der Artenvielfalt im Nationalpark Hohe Tauern
Vom 10. bis 12. Juli 2026 stand das Osttiroler Debanttal ganz im Zeichen der Biodiversität: Der Nationalpark Hohe Tauern lud zum 20. „Tag der Artenvielfalt“. Rund 60 Expertinnen und Experten nahmen teil.
Rund 60 ehrenamtliche Expert:innen aus unterschiedlichsten Fachbereichen erfassten und dokumentierten gemeinsam Tiere, Pflanzen und Pilze. Das Debanttal – mit 16 Kilometern das längste, in sich geschlossene Almtal Österreichs – bot ideale Voraussetzungen für diese groß angelegte Erhebung. Unterschiedliche Lebensräume wie Moore, Quellfluren, alpine Rasen, Lärchen-Zirbenwälder sowie Schutt- und Blockhalden schaffen hier ein außergewöhnlich vielfältiges Mosaik an Arten und ökologischen Nischen.
20 Jahre Daten und Highlights
Seit der ersten Veranstaltung 2007 haben die „Tage der Artenvielfalt“ eindrucksvolle Ergebnisse geliefert: Mehr als 80.000 Einzelbeobachtungen und rund 6.000 dokumentierte Arten unterstreichen die Bedeutung dieses Formats für Forschung und Naturschutz. Bemerkenswert ist, dass etwa 11 % aller im Nationalpark bekannten Arten ausschließlich im Rahmen dieser Erhebungen nachgewiesen wurden. Ein wesentliches Markenzeichen der „Tage der Artenvielfalt“ sind die immer wieder überraschenden und teilweise spektakulären Funde. Sie zeigen eindrucksvoll, dass selbst in den gut erforschten Alpen noch längst nicht alles bekannt ist.
Die Alpen-Smaragdlibelle zählt zu den seltenen einheimischen Libellenarten. Die Alpen-Smaragdlibelle lebt in Hochmooren und in Bergseen mit seichten Verlandungszonen auf über 1.000 Metern Seehöhe. Die Larve lebt drei Jahre am Gewässergrund, dort hält sie sich meistens im pflanzlichen Substrat auf. Trocknet das Gewässer drei Monate aus, schadet das den Larven nicht.
Erste Hochrechnungen und Highlights 2026
Besondere Highlights in diesem Jahr waren die Beobachtungen der Arktischen Smaragdlibelle (Somatochlora arctica), des Flachen-Alpenlaufkäfers (Carabus depressus) oder der seltenen Schweizer Bergwald-Erdeule (Xestia rhaetica). Insgesamt wurden über 280 Gefäßpflanzen-Arten gezählt, darunter auch die europaweit streng geschützte, in Österreich vom Aussterben bedrohte Deutsche Tamariske (Myricaria germanica). Außerdem hervorzuheben ist der potenzielle Erstnachweis eines sehr seltenen Rindenpilzes (Repetobasidium canadense) für Österreich.
Aktuell sind im Rahmen des Tages der Artenvielfalt etwa 2.400 Beobachtungen von Expert:innen erfasst. Diese und viele weitere Funde werden nun validiert und in Laboranalysen weiter untersucht. Die Ergebnisse der Tage der Artenvielfalt sind ein wertvoller Beitrag zur „Buchhaltung der Natur“ und werden in die Biodiversitätsdatenbank des Nationalparks Hohe Tauern einfließen. Die finalen Ergebnisse werden im Herbst 2026 erwartet. Schutzgebiete wie der Nationalpark Hohe Tauern bieten zahlreichen seltenen Arten einen wichtigen Lebensraum. Damit leisten sie einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt.
Text: Redaktion, Fotos: Angelika Riegler/NPHT, Marko Eigner