Markanter, surrealer Blickfang am Glöcklturm

Mit Umsetzung der Wohnanlage Glöcklturm hat alpen.wohnen Akzente am Wohnungsmarkt gesetzt. Damit erhielt ein für Lienz historisch wichtiger Baukörper eine neue Funktion.

Gleichzeitig war es wichtig, eine moderne Lösung zu finden, die neben gutem Wohngefühl ästhetisch ansprechende Gebäudeteile schafft. Ein zeitgemäßer Wohnkomplex mit komfortablen Wohnungen ist entstanden. Ein besonders markantes Merkmal stellt die Holzfassade des Gebäudes, das entlang der Beda Weber-Gasse liegt, dar. Diese war zur Zeit der Fertigstellung immer wiederkehrendes Thema der vielen Passanten, die dort täglich vorbeispazierten.Von Anerkennung bis Ablehnung reichten die Aussagen über die Lösung der Fassadengestaltung. Im Zuge der Anbringung des Wetterschutzes hat sich der Bauträger vor kurzem entschlossen, auf der exponierten Nordfassade ein Kunstwerk anzubringen. Damit soll die gelungene Architektur mit einem Kunstwerk im halböffentlichen Raum erweitert werden. Der Platz bietet sich insofern an, als viele Fußgänger und Autos die Straße passieren und das Kunstobjekt so einen markanten, eindrucksvollen Blickfang bildet. Initiiert und durchgeführt wurde das Projekt von „Kunstkontakt“, bestehend aus Mag. Monika Reindl-Sint und Dr. Angela Frey, die sich für das Werk der Künstlerin Maria Brunner entschieden. Im Zuge der Vorarbeiten wurde das im Original 90 x 60 cm große Ölbild mit dem Titel „bad girls can fly“ fotografiert und auf eine Glasplatte aufgedruckt. Die Besonderheiten des Bildes, bei dem mit fotorealistischen Unschärfen gespielt wird, verstärken sich vor allem beim Vorbeifahren. Der Betrachter erkennt Unschärfen, die durch den kurzen Blick aus dem Auto maximiert werden.

Maria Brunner ist eine gebürtige Osttirolerin, die nach Abschluss des BORG Lienz an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien studierte. Ihre Werke sind seit 1987 international auf Ausstellungen zu sehen, die Künstlerin lebt und arbeitet heute in Berlin. Das ausgewählte Ölbild „bad girls can fly“ entstammt einem ihrer letzten Zyklen, zum Titel des Werkes wurde sie nach eigenen Aussagen durch „Anthony and the Johnsons“, eine amerikanische Band, inspiriert. Maria Brunner komponiert ihre Bilder wie Collagen aus verschiedenen fotografischen Vorlagen und bedient sich dabei der klassischen Techniken der Malerei. Elemente, die wie zufällig zusammengesetzt wirken, inszeniert sie zu fiktiven Realitäten. Gängige Perspektiven werden ignoriert und auf den Kopf gestellt. Surreal anmutende Traumwelten entstehen. Den Überraschungseffekt als gewolltes Aushebeln von Normalität könnte man als „Irritation mit Absicht“ bezeichnen. Dies entspricht ganz der Zielsetzung Maria Brunners, die meint: „Ich suche nach Lösungen, die für den Betrachter ein Rätsel sind.“

Text: E. Hilgartner, Foto: Brunner Images

19. Oktober 2012 um