Ski-Weltcup: Diskussion im Lienzer Gemeinderat
90.000 Euro zahlt die Stadt Lienz als Beitrag für den alle zwei Jahre stattfindenden Skiweltcup – die Veranstalter informierten am 7. Oktober 2014 den Lienzer Gemeinderat.
Ob durch die Damen-Weltcuprennen nachhaltig für die Region etwas bewirkt werden kann, ob der Termin zwischen Weihnachten und Neujahr der richtige ist und wie die Finanzierung ausschaut – darüber wollte der Lienzer Gemeinderat Auskunft vom Veranstalter. OK-Chef Werner Frömel und Rennleiter Siegfried Vergeiner, gleichzeitig Obmann des Schiclubs Lienz (SCL), informierten bei der letzten Gemeinderatssitzung am 7. Oktober 2014. Die nächsten Rennen stehen für 28. und 29. Dezember 2015 am Rennkalender der FIS. 900.000 Euro beträgt das Budget. Aus der Region kommen 190.000 Euro – jeweils 90.000 Euro von Stadt Lienz und Tourismusverband, 10.000 Euro von Osttiroler Firmen. „Es gibt immer wieder Diskussionen um die Finanzierung. Wir wollen Auskunft, wofür das Geld verwendet wird. Es gibt ja auch Gerüchte, dass der Schiclub Lienz ein wunderbares Sparbuch besitzen soll“, leitete Bgm. LA DI Elisabeth Blanik (SPÖ) die Diskussion ein.
Werner Frömel präsentierte zunächst Zahlen aus dem Post Event Report der FIS. „Wir liegen bei den Broadcasting-Zahlen mit über 16 Mio. Audiences (komprimierte Seherzahlen) an der Spitze – vor Kitzbühel etwa oder Schladming. Das sind wissenschaftlich unterlegte Zuschauerzahlen. Die guten Zahlen bestätigen uns, dass der Termin am Ende des Jahres der richtige ist“, so Frömel. Der Eventwert liege bei ca. 6,8 Mio. Euro und der Werbewert für Lienz bei rund 1,3 Mio. Euro (Medienwertanalyse hier zum Download). „Wir stehen in Konkurrenz mit zahlreichen Orten, die Weltcup-Rennen austragen wollen – etwa Kirchberg oder Schruns, ganz zu schweigen von den Skiorten in Osteuropa. Für die FIS und den ÖSV ist es sicher kein Problem, sofort einen Ersatzort für Lienz zu finden“, erklärte der OK-Chef und TVBO-Aufsichtsratsvorsitzende. Von den 900.000 Euro Gesamtbudget profitiere die Region laut seinen Schätzungen mit mehr als der Hälfte. „120.000 Euro bleiben allein durch die Nächtigungen als Wertschöpfung in der Region“, rechnete Frömel vor.
Siegfried Vergeiner stellte klar, dass der Schiclub Lienz von den 90.000 Euro der Stadt noch nie einen Beitrag direkt erhalten habe. „Wir bekommen nach den Rennen vom ÖSV 22.000 Euro als Aufwandsentschädigung überwiesen. 350 bis 400 Helfer arbeiten vor und während der Renntage gratis bzw. um einen kleinen Beitrag. Am Ende bleiben dem Verein nur ein paar tausend Euro übrig“, so Vergeiner. Uwe Ladstädter von der Liste Stadt Lienz (LSL) war der erste, der die Präsentation des Veranstalters kritisch hinterfragte. „Man muss die Arbeit des Schiclubs und den Weltcup klar trennen. Der Schiclub leistet viel Nachwuchsarbeit und ist mit seinen Freiwilligen auch wichtig für den Weltcup. Die Präsentation im Gemeinderat durch eine Interessensgruppe stört mich aber. Die Steigerungen im Wintertourismus sind für mich wichtig, und es ist für meiner Meinung nach völlig egal, wie viele Zuschauer bei den Übertragungen und Sportsendungen vor dem Fernseher sitzen“, so Ladstädter.
Werner Frömel: „Wir stehen in starker Konkurrenz vor allem auch zu Skiorten in Osteuropa. Mein Wunsch ist ein klares Bekenntnis des Lienzer Gemeinderates zum Skiweltcup.“
Stadtrat Christian Zanon (ÖVP) schlug vor, aus dem Weltcup einen Event mit mehr Wertschöpfung zu machen. „Man müsste die Rennen mit Firmenevents verknüpfen. Das Interbancario der Volksbanken war ein gutes Beispiel. Die Winternächtigungszahlen stagnieren, und der Hochstein ist eine permanente Trainings- und Rennstrecke. Da müssen wir uns etwas überlegen, vielleicht auch in Zusammenarbeit mit dem Stadtmarketing“, so Zanon. Mag. Johannes Schwarzer von der LSL schlug wie sein Fraktionskollege Ladstädter kritische Töne an: „Bormio verzichtet wegen der fehlenden Unterkünfte und der gesperrten Pisten während der Rennen auf den Weltcup. Von der Bekanntheit alleine haben wir nichts. Tschernobyl ist auch bekannt, aber keiner fährt hin.“
ÖVP-Gemeinderat Reinhard Tiefenbacher hingegen wurde durch die Präsentation von Frömel und Vergeiner in seiner positiven Haltung bestätigt. „Der Termin zwischen Weihnachten und Neujahr – also am Anfang der Rennsaison – ist für mich ideal. Viele Leute haben in dieser Zeit Urlaub und schauen sich die Rennen an. Werbung kann man nicht messen. Ich bin aber überzeugt, dass die Weltcuprennen für Lienz und die Destination Osttirol viel an Wertschöpfung und Bekanntheit bringen“, betonte Tiefenbacher. In die gleiche Kerbe schlug sein Fraktionskollege Vize-Bgm. DI Stephan Tagger: „Ich bin überzeugt, dass der Beitrag der Stadt von 90.000 Euro alle zwei Jahre gut investiert ist. Wir sollten bei den Rennen bleiben.“ Am Ende der Diskussion tauchte noch die Frage auf, ob es auch in Zukunft bei den 90.000 Euro bleiben werde. „Das kann ich garantieren. Wenn der Beitrag, der durch die Region aufgebracht werden muss, erhöht wird, können wir das Geld durch Sponsoren auftreiben“, sagte dazu Werner Frömel.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Brunner Images


