Rudi Assmayr aus Anras fertigt einzigartige Kunstwerke mit dem Laser

Vor rund zehn Jahren entdeckte Rudi Assmayr aus Anras die Kunst des Laserns für sich. Was mit einem kleinen Diodenlaser begann, entwickelte sich zu einer Leidenschaft, die ihn bis heute nicht loslässt.

Wer die Werkstatt von Rudi Assmayr im Keller seines Hauses in Anras betritt, erkennt schnell, wie vielfältig Lasern ist und was sich damit alles schaffen lässt. Filigrane Holzarbeiten, Lampen, Gravuren und kunstvoll zusammengesetzte Kreuze finden sich hier ebenso wie Tier- und Motorradmotive. Ein großer Bulle hängt an der Wand, besonders stolz ist Rudi auf seine selbst entworfenen Tiroler Adler. „Ich betrachte mich als Handwerker und nicht als Künstler“, meint er zurückhaltend.

 

 

Dass Rudi gerne mit unterschiedlichen Materialien arbeitet und Neues ausprobiert, kommt nicht von ungefähr. Der Anraser ist gelernter Glaser und beschäftigt sich schon lange mit handwerklichen und kreativen Arbeiten. Unter anderem fertigte er früher in Tiffany-Technik Lampen, kleine Gewächshäuser oder Uhren und kombinierte später verschiedene Materialien und Techniken bei Silikon- und Lackbildern. „Vor etwa zehn Jahren bin ich dann zum Lasern gekommen“, erzählt er.

 

 

Den Anfang machte ein kleiner Diodenlaser, den Rudi für seine bereits bestehende Werkstatt im Keller ankaufte. Die neue Technik nahm ihn vom ersten Moment an gefangen. Er probierte aus, lernte dazu und wollte bald wissen, was damit noch alles möglich ist. „Ich habe sofort Feuer gefangen. Man will dann immer mehr ausprobieren. Irgendwann wird man fast süchtig danach“, erzählt er schmunzelnd.

 

 

Mit der Begeisterung wuchsen auch die Möglichkeiten. Auf den kleinen Diodenlaser folgte ein größerer CO2-Laser. Beide Maschinen stellte Rudi selbst auf und richtete sie ein. Vieles musste er sich erst erarbeiten. „Es war eine längere Lernphase. Man muss die Maschine und ihre Möglichkeiten erst einmal kennenlernen.“ Mit dem häufig in einem Atemzug genannten 3D-Druck hat Rudis Arbeitsweise wenig zu tun. Während beim 3D-Druck ein Gegenstand Schicht für Schicht aus Material aufgebaut wird, bearbeitet der Laser bereits vorhandenes Material.

 

 

„Beim Laserschneiden fährt ein gebündelter Laserstrahl die am Computer vorgegebenen Konturen ab und trennt das Material präzise. Bei der Lasergravur wird hingegen lediglich die Oberfläche bearbeitet“, erläutert Rudi die Technik. Er schneidet unter anderem Holz, Plexiglas, Textilien, Leder und verschiedene Kunststoffe. „Gravieren lassen sich beispielsweise Glas und Metall, auch Schieferstein habe ich schon bearbeitet.“

 

 

Bevor der Laser zum Einsatz kommt, beginnt die Arbeit am Computer. Mit einer speziellen Software erstellt und bearbeitet Rudi die Dateien für seine Werkstücke. Dabei legt er nicht nur die Formen fest, sondern gibt der Maschine auch vor, was sie später tun soll. „Ich stelle zum Beispiel ein, ob geschnitten oder graviert werden soll, mit welcher Geschwindigkeit der Laser arbeitet und welche Laserleistung benötigt wird.“ Gerade bei aufwendigeren Projekten steckt in dieser Vorbereitung viel Zeit. „Ich sitze oft tageweise nur am Zeichnen.“

 

 

Erst danach kommt das ausgewählte Material in die Maschine. Der Laser schneidet oder graviert die vorbereiteten Formen, anschließend nimmt Rudi die einzelnen Teile heraus. Bei vielen seiner Arbeiten beginnt nun erst der handwerkliche Teil: Einzelteile werden zusammengesetzt, verleimt oder verschraubt, bei Bedarf geschliffen und schließlich bemalt oder auf andere Weise fertiggestellt. „Da ist viel Tüftelarbeit dabei“, sagt Rudi. Genau darin liegt für ihn aber auch der Reiz. Die Herausforderung, eine Idee Schritt für Schritt umzusetzen und am Ende das fertige Stück in Händen zu halten, macht für ihn einen wesentlichen Teil seines Hobbys aus.

 

 

Nicht jede Idee entsteht von Grund auf neu. Inspiration findet Rudi auch im Internet. „Manche Dateien und Vorlagen kaufe ich. Das muss man ehrlicherweise dazusagen“, betont er. Die Vorlagen werden verändert, angepasst und mit eigenen Ideen weiterentwickelt. Material, Ausführung, Zusammenbau und Gestaltung machen daraus schließlich ein individuelles Werkstück. Eine Ducati-Nachttischlampe entstand beispielsweise vollständig nach seinen eigenen Vorstellungen.

 

 

Besonders stolz ist der Anraser auf seine selbst entwickelten Tiroler Adler. Aus zahlreichen präzise ausgeschnittenen Holzelementen setzt er die detailreichen Motive zusammen. Federn, Flügel und Konturen entstehen in mehreren Ebenen und verleihen den Adlern ihre räumliche Wirkung. Die Stücke kommen gut an und gehören mittlerweile zu seinen beliebtesten Arbeiten. Sein Portfolio umfasst kleine Schmuckschatullen und filigrane Ornamente ebenso wie Lampen, Kreuze, Tiermotive oder größere Wandobjekte. Fotos und Porträts kann er mit dem Laser auf Holz gravieren. Gelegentlich übernimmt er auch Auftragsarbeiten und fertigt beispielsweise Preise für Vereine an.

 

 

Ob sich eine Arbeit verkaufen lässt, spielt bei seinen Überlegungen allerdings kaum eine Rolle. „Darüber denke ich eigentlich nie nach. Mir geht es um die Kreativität und darum, meine Ideen umzusetzen.“ Das Lasern ist für Rudi Herausforderung und Entspannung zugleich. Stundenlang kann er an einer Zeichnung tüfteln, Einstellungen verändern und nach einer Lösung suchen, wenn das Ergebnis noch nicht seinen Vorstellungen entspricht. Genau dieses ständige Ausprobieren hält die Begeisterung für ihn lebendig. Ist ein Projekt abgeschlossen, wartet meist schon die nächste Idee auf ihre Umsetzung.

 

 

Verständnis für diese Leidenschaft findet Rudi nicht zuletzt bei seiner Frau. Birgit ist selbst kreativ und arbeitet gerne mit unterschiedlichen Materialien. Sie häkelt und beschäftigt sich unter anderem mit Enkaustik, einer Wachsmaltechnik, bei der gefärbtes Wachs mithilfe von Wärme verarbeitet wird. Außerdem widmet sie sich gemeinsam mit ihrem Mann der Imkerei. Sie weiß daher, wie viel Zeit und Geduld in einem kreativen Hobby stecken. Immer wieder bringt sie eigene Ideen ein oder hilft ihrem Mann bei seinen Projekten.

 

 

Wenn Rudi über seine Laserarbeiten spricht, bleibt er bescheiden. „Für mich ist das Lasern vor allem Handwerk.“ Birgit ist mit dieser Einschätzung allerdings nicht ganz einverstanden. Sie erlebt, wie aus einer ersten Idee am Computer, vielen Stunden Arbeit und einer Reihe einzelner Werkstücke schließlich ein fertiges Objekt entsteht. „Rudi ist voller Ideen und sehr kreativ. Für mich sind seine Arbeiten Kunstwerke“, meint sie abschließend.

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Martin Lugger

30. Oktober 2026 um