Junge Osttirolerin mit einem Händchen für Holz
Carolin Berger absolviert bei der Bruno Berger GmbH im Oberpinzgau ihre Lehre zur Tischlerin. Mit handwerklichem Talent und Fleiß wurde die junge Prägratnerin zum Salzburger „Lehrling des Monats August“ gewählt.
Dass Carolin Berger einmal einen handwerklichen Beruf ergreifen würde, zeichnete sich schon früh ab. Aufgewachsen im Prägratner Ortsteil Wallhorn, hatte sie bereits als Kind Freude daran, mit ihren Händen etwas zu schaffen. Heute ist die 18-Jährige im dritten Lehrjahr bei der Bruno Berger GmbH beschäftigt. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Mittersill, die Werkstätten inklusive der Tischlerei befinden sich am Firmenareal in Hollersbach. Dort hat Carolin ihren Platz gefunden und überzeugt mit ihrem handwerklichen Geschick, ihrer Genauigkeit und ihrer positiven Einstellung zur Arbeit.
Dass Carolin kürzlich als „Lehrling des Monats August“ ausgezeichnet wurde, ist eine besondere Anerkennung ihrer Leistungen. Carolin ist als zweitältestes von fünf Kindern auf dem elterlichen Bauernhof mit der Landwirtschaft und dem Leben in der Natur groß geworden. „Auf einem Bauernhof gibt es viele Möglichkeiten, sich kreativ zu betätigen. Ich habe immer schon gerne gebastelt und mit unterschiedlichen Materialien gearbeitet. Besonders Holz hat mich von klein auf begeistert“, erzählt sie.
v.l.n.r.: Firmenchef Bruno Berger, Tischlermeister Günther Feiel, Lehrling Carolin Berger, Tischlermeister Bruno Hirner, Firmenchefin Nicola Berger
Nach zwei Jahren an der Landwirtschaftlichen Lehranstalt Lienz entschied sie sich, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen und eine Tischlerlehre zu beginnen. Bei der Bruno Berger GmbH absolvierte sie zunächst Schnuppertage und bewarb sich anschließend um eine Lehrstelle. „Ich wurde hier von Anfang an sehr gut aufgenommen. Die Arbeit gefällt mir und ich fühle mich im Betrieb richtig wohl“, sagt Carolin. Auch ihre Arbeitgeber sind voll des Lobes für die junge Osttirolerin. „Sie packt einfach an und arbeitet unglaublich zuverlässig“, betont Firmenchef Bruno Berger. „Carolin zeigt ein hervorragendes Gefühl fürs Handwerk, arbeitet sauber und genau und bringt eine außergewöhnliche Eigeninitiative mit. Genau so stellt man sich einen Lehrling vor.“

Nicola Berger streicht neben den handwerklichen Fähigkeiten vor allem Carolins Persönlichkeit heraus: „Carolin ist immer gut aufgelegt. Sie fügt sich hervorragend in unser Team ein und ihre Kollegen haben eine große Freude mit ihr“, erzählt die Firmenchefin. In der Produktionsabteilung ist Carolin derzeit der einzige weibliche Tischlerlehrling. Sie ist bestens in das Team integriert und fühlt sich unter ihren Kollegen sichtlich wohl. Überhaupt wird in der Tischlerei großer Wert auf ein gutes Miteinander gelegt. „Wir haben hier ein richtig cooles Team. Der Zusammenhalt ist sehr gut und auch der Spaß kommt nicht zu kurz, was sich beispielsweise am Faschingsdienstag immer wieder zeigt“, erzählt Nicola Berger.
Für ihre Ausbildung nimmt Carolin einen längeren Arbeitsweg in Kauf. Rund 60 Kilometer sind es von ihrem Zuhause in Prägraten über den Felbertauern bis zur Tischlerei in Hollersbach. Früher war sie auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen und musste bereits kurz nach fünf Uhr morgens das Haus verlassen. „Seit einem halben Jahr habe ich ein eigenes Auto. Knapp eine Stunde bin ich für eine Strecke zwar immer noch unterwegs, aber der lange Arbeitsweg ist für mich kein Problem“, meint sie.

Wie viel Freude ihr das Arbeiten mit Holz bereitet, zeigte Carolin im vergangenen Jahr mit einem ganz besonderen Projekt. Für ihre eigenen Hühner auf dem elterlichen Bauernhof plante und baute sie einen Hühnerstall. Unterstützt wurde sie dabei von Tischlermeister Günther Feiel, der ihr bei der Planung und Umsetzung mit Rat und Tat zur Seite stand. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen und sorgte sogar weit über den Betrieb hinaus für Aufmerksamkeit. Ein Video über das Projekt, das auf dem Social-Media-Kanal des Unternehmens veröffentlicht wurde, entwickelte sich zu einem regelrechten Hit und erreichte mehr als 142.000 Aufrufe.
Ihre Begeisterung für den Beruf zeigt die junge Prägratnerin aber nicht nur bei der praktischen Arbeit. Auch in der Berufsschule ist sie mit großem Einsatz dabei und kann einen ausgezeichneten Schulerfolg vorweisen. „Am liebsten arbeite ich natürlich praktisch in der Tischlerei. Da ist es immer spannend und abwechslungsreich. Aber auch die Zeit in der Berufsschule genieße ich sehr.“

Neben der Tischlerlehre und der Arbeit auf dem Bauernhof bleibt der 18-Jährigen auch Zeit für ihre zahlreichen Interessen. Einen besonderen Stellenwert nimmt die Musik ein. Carolin spielt Gitarre, hat auf dem Hackbrett bereits das Leistungsabzeichen in Bronze erworben und seit Kurzem widmet sie sich auch dem Flügelhorn. Darüber hinaus engagiert sie sich bei der Landjugend und bei der Volkstanzgruppe.
Die Auszeichnung zum „Lehrling des Monats August“ durch das Land und die Wirtschaftskammer Salzburg ist für Carolin und ihren Lehrbetrieb eine schöne Bestätigung des bisherigen gemeinsamen Weges. Dass sie mit ihrer Berufswahl die richtige Entscheidung getroffen hat, steht für Carolin außer Frage. Ihr nächstes großes Ziel ist die Lehrabschlussprüfung im kommenden Jahr. „Der Tischlerberuf und das Arbeiten mit Holz faszinieren mich. Ich möchte auf jeden Fall in diesem Beruf bleiben“, betont die junge Osttirolerin abschließend.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: WKS/Hechenberger




