Hochwasserschutz am Villgratenbach: Fertigstellung des 2. Bauabschnitts gefeiert

Eine Wildholz- und Geschiebesperre am Eingang des Villgratentales ist das zentrale Bauwerk. 9,5 Mio. Euro wurden investiert – rund 4,5 Mio. Euro weniger als vor zwei Jahren prognostiziert.

Die Fertigstellung des 2. Bauabschnitts des Großprojekts, das Sicherheit für rund 32 Hektar Bauland mit insgesamt 128 Wohn- und Betriebsgebäuden schafft, wurde am Freitag, 25. September, gefeiert.

Schauplatz der Feier war der Ausgang der Schluchtstrecke des Villgratenbachs im Gemeindegebiet von Heinfels, wo sich das Herzstück des Bauabschnitts – eine leistungsfähige Wildholz- und Geschiebesperre – befindet. Sie kann bis zu 50.000 Kubikmeter Geschiebe und Gestein zurückhalten und verhindert zugleich, dass angeschwemmtes Holz zu gefährlichen Verklausungen führt.

 

 

„Der Schutz der Bevölkerung vor Naturgefahren hat für mich oberste Priorität. Gerade angesichts zunehmender Wetterextreme müssen wir vorsorgen und dort investieren, wo Hochwasserschutz Sicherheit schafft. Allein in Tirol stellen wir 2026 rund 18 Millionen Euro an Bundesmitteln für den Hochwasserschutz bereit. In den Hochwasserschutz am Villgratenbach investiert mein Ministerium rund 6,6 Millionen Euro. Damit schützen wir 1.044 Menschen und 128 Objekte zusätzlich vor Hochwasser“, so Umweltminister Norbert Totschnig anlässlich der Eröffnungsfeier.

 

 

„Wir leben in Tirol seit jeher mit Naturgefahren und müssen damit rechnen, dass die Zahl der Wetterextreme zunimmt. Deshalb investieren wir laufend in den Schutz vor Naturgefahren. Dieses Projekt hat einen weiteren Meilenstein erreicht. Dadurch steigt der Schutz vor Hochwasser für Mensch und Natur in dieser Gegend enorm“, so LH-Stv. Josef Geisler.

Neben der zentralen Geschiebesperre wurden im Zuge des zweiten Bauabschnitts zahlreiche weitere Maßnahmen umgesetzt: Die Landesstraße wurde im Bereich der Sperre um bis zu sechs Meter angehoben und über das neue Bauwerk geführt. Auf der linken Seite des Villgratenbachs wurden auf einer Länge von rund 500 Metern Dämme und Mauern errichtet bzw. erhöht. Darüber hinaus wurde das Bachbett neugestaltet, Uferbereiche wurden gesichert und wichtige Versorgungseinrichtungen verlegt. Bereits zwischen 2020 und 2023 konnten einzelne Bauteile, darunter eine neue Brücke, realisiert werden.

 

Johannes Nemmert, Leiter des Baubezirksamts Lienz: „Nach den umfangreichen Arbeiten am Hochwasserschutz der Drau in Sillian, die sich über acht Jahre erstreckten, starteten wir vor zwei Jahren und vier Tagen mit dem zweiten Bauabschnitt des Villgratenbachs in der Schluchtstrecke oberhalb von Heinfels. Zu Baubeginn waren Kosten von rund 14 Mio. Euro prognostiziert worden. Diese konnten mit den nunmehrigen Kosten von etwa 9,5 Mio. Euro deutlich unterschritten werden.“

 

Die neue Wildholz- und Geschiebesperre hält im Hochwasserfall große Mengen an mitgeführtem Schotter, Gestein und Holz zurück und reduziert damit das Risiko, dass sich das Gerinne weiter flussabwärts gefährlich verlegt. Damit die Schutzwirkung auch langfristig erhalten bleibt, wurde das Gewässer unterhalb der Geschiebesperre stabilisiert. Insgesamt wurden 15 Querriegel aus schweren Wasserbausteinen errichtet, die verhindern, dass sich das Bachbett eintieft.

Die ökologische Gestaltung des Bereichs war ein wichtiger Aspekt. Neben der umfassenden naturnahen Begrünung des Uferbereichs wurde die Sperre auch so konzipiert, dass sie für Fische weiterhin passierbar bleibt.

Johannes Nemmert, Leiter des Baubezirksamts Lienz, verwies auf die besonderen Herausforderungen bei der Umsetzung: „Die Arbeiten fanden in einem topographisch anspruchsvollen Bereich statt und mussten gleichzeitig mit den Anforderungen an Verkehr, Gewässer und bestehende Infrastruktur abgestimmt werden. Die Anhebung der Landesstraße, die umfangreichen Ufersicherungen und die Errichtung der Sperre waren technisch anspruchsvolle Aufgaben.“

 

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Land Tirol/Hörmann

28. September 2026 um