St. Jakob i.D.: neue Anlagen, moderne Technik und ein stolzes Jubiläum

In St. Jakob im Defereggental gab es am 21.08.2026 doppelten Grund zur Freude: Zum einen konnte die Revitalisierung des Bruggeralm-Kraftwerkes und zum anderen das 100-Jahr-Jubiläum der Lichtgenossenschaft St. Jakob i.D. gefeiert werden.

Die Lichtgenossenschaft St. Jakob i.D. wurde Anfang Mai 1925 mit dem Ziel gegründet, die  Stromversorgung der St. Jakober Haushalte zu ermöglichen, gab es doch bis zu diesem Zeitpunkt im Defereggental keinen elektrischen Strom.

Ein erstes E-Werk

Nur acht Tage nach der ersten Vollversammlung am 10. Mai 1925 wurde bereits mit den Bauarbeiten für ein E-Werk an der Westseite des Trojeralmbaches begonnen und damit ein Vorhaben in die Wege geleitet, welches die technische und wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde St. Jakob nachhaltig prägen sollte. Im Herbst 1925 konnte das Kraftwerk, das mit Gleichstrom arbeitete und eine Leistung von 48 kW hatte, in Betrieb gehen. Zu den ersten versorgten Häusern zählten u.a. Gasthäuser und Hotels sowie das Schulhaus der Gemeinde. Die Finanzierung erfolgte über den Ankauf von Anteilen in Form von Lampen.

 

 

Neubau und 25-jähriges Bestehen der Lichtgenossenschaft

Nach dem II. Weltkrieg wurde aufgrund der großen Nachfrage der Neubau eines leistungsfähigeren Kraftwerkes beschlossen. 1948 und 1949 erfolgte die Umsetzung des Projektes auf der Ostseite am Klammausgang und die Umstellung auf Wechselstrom. Die Leistung der Anlage am Trojeralmbach konnte deutlich gesteigert werden, allerdings wurde die Genossenschaft in den Jahren 1948/49 auch mit finanziellen Problemen und mit einem Rechtsstreit konfrontiert. Hinzu kam der tragische Tod von Hans Tegischer, der wesentlich zum Aufbau und zur technischen Umsetzung des Kraftwerkprojektes beigetragen hatte. Als Werksführer wurde Ing. Josef Stiglmayr bestellt, der nun die Verantwortung für den Betrieb und die technische Betreuung der Anlage übernahm. Am Ostermontag 1950 erfolgte die Einweihung des neuen Elektrowerkes.

 

„Die Lichtgenossenschaft St. Jakob produziert mit ihren beiden Wasserkraftwerken ca. 20 GWh elektrische Energie im  Jahr. Damit können ca. 4.500 Durchschnittshaushalte versorgt werden. Allerdings besitzt die Lichtgenossenschaft seit  1972 kein eigenes Netz mehr und speist die Energie ins öffentliche Netz als Ökostrom ein“, informiert Obmann und Geschäftsführer Renè Ladstätter.

 

Touristischer Aufschwung im Tal, Errichtung des Biomasseheizwerkes

Ab den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts erlebte das Defereggental einen starken touristischen Aufschwung. Immer mehr Häuser wurden gebaut und an das Kraftwerk angeschlossen. Aus diesem Grund wurde im Dezember 1960 der Bau eines weiteren E-Werkes am Bruggeralmbach mit einer Leistung von 600 kW beschlossen. Die weitere Entwicklung im Tourismus, u.a. mit dem Bau der Liftanlagen, sowie der allgemein stark ansteigende Stromverbrauch führten dann zur Entscheidung, das Versorgungsnetz an en Landesenergieversorger, die TIWAG, zu verkaufen. Wenngleich die Diskussionen darüber längere Zeit anhielten, schufen die jährlichen Stromerlöse doch die Voraussetzung zur Errichtung eines Biomasseheizwerkes zur Versorgung des Ortsgebietes mit Energie für Heizung und die Warmwasseraufbereitung. Mit dem Bau dieses Heizwerkes betrat die Genossenschaft erneut Neuland. Anfang Mai 1994 wurde mit dem Verlegen der Fernwärmerohre begonnen und im Dezember 1994 konnten bereits die ersten 81 Fernwärmekunden im Ortszentrum versorgt werden. Das Heizwerk wurde seitdem ständig auf dem aktuellen Stand gehalten und laufend optimiert bzw. das Fernwärmenetz ausgebaut.

Modernisierungsmaßnahmen und Neubau am Trojeralmbach

Im Sommer 1999 startete die Genossenschaft mit den Arbeiten zur Erneuerung der Rohrleitung beim Bruggeralm-Kraftwerk. Die ursprünglich größtenteils oberirdisch verlaufende Druckrohrleitung wurde durch eine neue, erdverlegte Leitung ersetzt und im September 1999 der Betrieb aufgenommen. Wie richtig die Modernisierungsmaßnahmen waren, zeigte sich daran, dass die Leistung des Kraftwerkes von 600 kW auf 740 kW gesteigert werden konnte. 2005 schritt die Lichtgenossenschaft St. Jakob i.D. daran, das neue Kraftwerk am Trojeralmbach mit einer Leistung von 2.660 kW umzusetzen. Der Baubeginn erfolgte im April 2005. Bereits im Jänner 2006 wurde der Probebetrieb gestartet, die offizielle Eröffnung ging im Mai 2007 über die Bühne. Die neue Anlage stärkte nicht nur die Eigenversorgung der Region mit erneuerbarer Energie, sondern stellte auch eine bedeutende Investition in die Zukunft der Genossenschaft dar.

 

Das Kraftwerk Bruggeralm produziert mit Wasser aus dem Bruggeralmbach elektrische Energie. Die Wasserfassung liegt  in der Nähe der bewirtschafteten Bruggeralm auf ca. 1.740 Meter Seehöhe. Die Druckrohrleitung verläuft entlang des  bewaldeten Berghanges in Richtung Norden zum Krafthaus in der Nähe der Lifttalstation auf einer Höhe von ca. 1.390  Metern Seehöhe.

 

Wichtige Weichenstellungen für die Zukunft

Acht Jahre später stand man in St. Jakob vor wichtigen Entscheidungen für die zukünftige Entwicklung der Kraftwerksanlagen. Aufgrund des 2020 auslaufenden Wasserrechtes wurden erste Planungen für die Revitalisierung des Kraftwerkes Bruggeralm aufgenommen. Die Erneuerung der Anlage war eine zentrale Voraussetzung für die Wiederverleihung des Wasserrechtes und damit für den langfristigen Weiterbetrieb des Kraftwerkes. Gleichzeitig wurde auch die Möglichkeit der Revitalisierung des alten
Trojeralm-Kraftwerkes geprüft. Nach Abstimmung mit den Behörden wurde dieses Vorhaben jedoch nicht weiterverfolgt. Stattdessen wurde eine Leistungssteigerung des Kraftwerkes empfohlen. 2022 wurde der Ausbau der Wassermenge beim Kraftwerk Trojeralm von 800l/2 auf 1.000l/s erreicht. Ein weiterer wichtiger Schritt gelang 2021 bis 2023 mit der größten Netzerweiterung des Fernwärmenetzes in Richtung Brunnalm. Nach intensiver Planung und umfangreichen Verhandlungen begann schließlich im April
2025 die Bauphase zur Revitalisierung des Kraftwerkes Bruggeralm.

Das „neue“ Bruggeralm-Kraftwerk

Nach über 60 Jahren hatten eigentlich alle Anlagenteile am Bruggeralmbach, bis auf die vor rund 20 Jahren erneuerte Druckrohrleitung, das Ende ihrer Lebensdauer erreicht und waren kaum mehr funktionsfähig. Die neue Anlage wurde nun so projektiert, dass bei einer Steigerung der Ausbauwassermenge und Verlegung der Wasserfassung um ca. 25 Höhenmeter bachaufwärts die Leistung von 800 kW auf 1.675 kW Engpassleistung mehr als verdoppelt werden konnte. Auch ökologisch wurde damit eine Optimierung erreicht, da früher keine Restwassermengen eingeplant wurden, nun aber deutliche Restwassermengen von bis zu 300l/s (je nach Abflussmengen) im Bach verbleiben. Alles in allem eine deutliche Produktionssteigerung der Stromerzeugung bei deutlicher Verbesserung der ökologischen Auswirkungen! Möglich wurde dies dadurch, dass alle Anlagenteile, bis auf einen kurzen Teil der Druckrohrleitung, modernisiert wurden. Das heißt, dass das Entnahmebauwerk (Wehr, Entnahmegebäude, Stahlwasserbau…), ein Großteil der Druckrohrleitung sowie die neue Maschinenhalle mit Turbine, Generator, Trafo, Leittechnik und allen Schaltanlagen neu gebaut wurden. Die alte Wasserfassung wurde komplett zurückgebaut, das alte Krafthaus umgebaut und erweitert. Am 12. April 2026 wurde das Kraftwerk für die abschließenden Umbauarbeiten außer Betrieb genommen. Die geplante Stillstandzeit von sechs Wochen verlängerte sich auf insgesamt neun Wochen. Am 17. Juni 2026 schließlich konnte der Betrieb der Anlage wieder aufgenommen und mit dem Probebetrieb begonnen werden. Der Regelbetrieb startete am 01. Juli 2026. Insgesamt wurden rund 5,6 Millionen Euro investiert.

 

Die Mitgliederentwicklung und die Obmänner der Lichtgenossenschaft St. Jakob i.D.

Zunächst gehörten der Genossenschaft 18 Mitglieder an. In den Jahren nach 1925 stieg deren Anzahl kontinuierlich an und erreichte 1967 mit 261 Mitgliedern ihren Höchststand. Durch den Wegfall des Versorgungsgebietes der Gemeinde St. Veit in Defereggen ging die Mitgliederzahl wieder zurück. Zusätzlich verringerte sich die Anzahl durch Todesfälle sowie die Abwanderung von Nachkommen. In den vergangenen Jahren blieb die Mitgliederzahl weitgehend stabil. Mit Stand 31.12.2025 zählte die Lichtgenossenschaft St. Jakob 124 Mitglieder, im Juni 2026 waren es 126. Als erster Obmann der Genossenschaft engagierte sich Hans Ladstätter. Ihm folgten später Franz Ladstätter, Gregor Kleinlercher, Andrä Troger, Johann Pichler und Erhard Gasser nach. Ab 1963 war Josef Leiter Obmann. Seine Nachfolger waren Hans Volgger, Robert Ladstätter und Hubert Jesacher. Seit 2023 ist Renè Ladstätter als Obmann der Genossenschaft und seit 2024 auch als geschäftsführender Vorstand tätig. Insgesamt sind heute bei der Lichtgenossenschaft St. Jakob sechs Mitarbeitende beschäftigt, davon vier Techniker und zwei Personen in der Verwaltung.

 

Text: Elisabeth Hilgartner, Fotos: © Martin Lugger

14. September 2026 um