Stadtkultur Lienz-Leiterin Claudia Funder: „Es war eine intensive und aufregende Zeit“

Claudia Funder, Leiterin der Stadtkultur Lienz, brachte in den vergangenen Jahren viel Lebendigkeit auf die Bühnen. Vor ihrem Abschied in den Ruhestand blickt sie noch einmal auf die Zeit mit unvergesslichen Begegnungen und Momenten zurück.

Ereignisreiche Jahre gehen für Claudia Funder bald zu Ende. Die diesjährigen Sommer-Events trugen letztmals die Handschrift der Stadtkultur-Leiterin, die in Kürze ihre wohlverdiente Pension antritt. Die gebürtige Oberösterreicherin konnte in ihrem Wirkungsbereich, der ein ebenso fordernder wie bereichernder ist, viel realisieren. Immer mit dem Ohr ganz nah am Publikum, beschritt sie so manchen neuen Pfad – und das höchst erfolgreich. „Ich konnte das treue Stammpublikum halten, aber auch neue, jüngere Besuchergruppen erreichen“, freut sich die 61-Jährige über den regen Zulauf zu den Veranstaltungen. Mit Innovationsgeist, Herzblut und dem Gespür für die richtige Auswahl sorgte Claudia Funder seit 2019 für ein Kulturprogramm, das erfreulich gut angenommen wurde. Es waren Veranstaltungen, die überraschten, berührten und begeisterten. Freude, Kreativität und frische Energie lagen in der Luft. Die Darbietungen sorgten für volle Säle und viel Applaus.

 

Claudia Funder mit Autor Bernhard Aichner vor der Lesung im Stadtsaal (linkes Bild) und mit der angesagten Band „My Ugly Clementine“ auf der Terrasse von Schloss Bruck

 

Gastfreundschaft und Aufmerksamkeit

In den Locations immer diskret im Hintergrund – die Organisatorin selbst. Claudia Funder lenkte die ganze Aufmerksamkeit stets auf die Kunstschaffenden und zog unauffällig die Fäden, damit die Abende zur Zufriedenheit aller Beteiligten verliefen. Im Mittelpunkt stand sie ungern. Viel wichtiger war ihr, ein gastfreundliches Ambiente zu schaffen. „Die Künstler, die oft weite Anreisen hinter sich hatten, sollten sich in Lienz wohl fühlen“, erzählt sie. Ein Rundum-Service mit guter Verpflegung und Unterkunft während des Aufenthaltes ist quasi zum Markenzeichen der Stadtkultur Lienz geworden. Die Abteilung hat sich im Laufe der Zeit ein Image aufgebaut, das sich in Künstlerkreisen schnell herumsprach. „Längst ist bekannt, dass die Gäste hier bestens betreut werden – von der Ankunft bis zur Verabschiedung“, freut sich Funder über viel positives Feedback. Diese besondere Aufmerksamkeit und Zuwendung gegenüber den Künstlern war wohl auch ein mitbestimmender Faktor, dass anfangs unerreichbar große Namen nach Osttirol gelockt werden konnten. „Lienz liegt aufgrund seiner geografischen Position selten auf der Strecke großer Touren“, weiß die Stadtkultur-Leiterin. „Deshalb war viel Überzeugungsarbeit nötig, um attraktive Produktionen hierher zu bringen.“

 

In den Bildern: 1: Claudia Funder im Gespräch mit Karikaturist Gerhard Haderer im Schlosshof 2022; 2: Das bekannte Vater-Sohn-Duo  Fritz Karl und Aaron Karl kam im Dezember 2025 für eine bejubelte Lesung in den Lienzer Stadtsaal. 3: Verena Altenberger, Top-Schauspielerin ohne Allüren, mit Claudia Funder backstage im Lienzer Stadtsaal; 4: Musiker BIBIZA rockte trotz Armverletzung den Schlosshof. Im Bild mit Claudia Funder vor seinem gefeierten Konzert im Juni 2023


Top-Künstler in Lienz

Das ist gelungen! Die lange Reihe an Ausnahmekünstlern, die Claudia Funder auf die Bühnen der Stadt holte, kann sich wahrlich sehen lassen: Philipp Hochmair, Verena Altenberger, Birgit Minichmair, Konstantin Wecker, Lukas Resetarits, Ernst Molden, Stefano Bernardin, Tobias Pötzelsberger, Fritz & Aaron Karl, Julian le Play, Lemo, Gery Seidl, Voodoo Jürgens, Marco Pogo, Avec, Cesar Sampson, Hans Krankl & Monti Beton, My Ugly Clementine, Cari Cari, Bibiza und die Symphoniacs – um nur einige Beispiele zu nennen. Diese und viele mehr, darunter auch zahlreiche heimische Musiker, Ensembles und Orchester, bereicherten das Kulturleben der Stadt in den vergangenen Jahren. Ziel von Claudia Funder war es von Anfang an, Qualität und Vielfalt wohldosiert zu vereinen. Sie setzte in der Programmgestaltung auf thematische Breite und belebende Kontraste. Stillstand bedeutet Rückschritt – gerade in der Kultur. Deshalb wagte die Stadtkultur-Chefin neben Bewährtem vor allem viel Neues und traf dabei auch manch unangepasste Entscheidung. So schuf sie neben der Hochkultur viel Platz für unkonventionelle Angebote.

Kultur für alle

„Kultur muss nichts Elitäres sein, sie soll allen offenstehen“, so das Credo von Claudia Funder, der es gelang, Hemmschwellen abzubauen: „Jeder war gemeint, jeder war herzlich willkommen.“ Die von ihr organisierten Veranstaltungen wurden zu lebendigen Orten der Begegnung, des Austausches und des gemeinsamen Erlebens. Kultur hat auch etwas Verbindendes. „Bei vielen Events wurde gejubelt, gefeiert, getanzt und mitgesungen“, erinnert sich Funder an hinreißende Abende, an denen sie ihren Job besonders liebte. „Die unbeschwerte Stimmung hat manchmal alle Beteiligten geradezu beflügelt. Spätestens, wenn sich die Besucher nach dem Event mit glücklichen Gesichtern verabschiedeten, wusste ich, dass ich das richtige Programm gewählt hatte.“ Das Publikum beteiligte sich zahlreich an den Live-Erlebnissen. „Die Besucher haben die gute Stimmung wunderbar mitgetragen“, freut sich Funder. „Danke an alle, die dabei waren!“ Die monatlichen Kindertheater-Nachmittage erreichten zudem viel ganz junges Publikum. „An die Vorfreude in den glänzenden Augen der Kleinen werde ich mich wohl noch lange erinnern.“

Den Überblick bewahren

Claudia Funder hat einst ein Studium der Germanistik, Geschichte und Sozialkunde abgeschlossen. Beruflich zog es sie bald in den Journalismus, in dem sie Jahrzehnte sehr gerne tätig war, u.a. auch beim Journal. Als sie 2019 in die Stadtkultur wechselte, brachte sie zweifellos das nötige Rüstzeug für die neue Aufgabe mit. „Meine langjährige Erfahrung in der Medienbranche erwies sich eindeutig als Vorteil“, erinnert sie sich. „Ich war gut vernetzt und professionelle Kommunikation für mich Routine. Zudem war Kultur schon früh ein gelebter und geliebter Teil meines privaten und beruflichen Lebens.“ Was war neben der fachlichen Qualifikation noch unabdingbar, um in diesem Job zu bestehen? „Man sollte mit extremem Zeitdruck klarkommen und stets den Überblick und einen kühlen Kopf bewahren“, lacht Funder. „Keine Veranstaltung ist wie die andere. Das ist zwar abwechslungsreich, aber auch anspruchsvoll. Auf unvorhergesehene Herausforderungen, die vor dem Einlass der Besucher fast immer auftauchen, ist rasch und überlegt zu reagieren.“

Zusammenarbeit und Rückhalt

Planung und Organisation verlangten Flexibilität und Verhandlungsgeschick. „Am Veranstaltungstag war stets ein straffer Zeitplan einzuhalten, die Nachmittage erforderten oft eine rasante Abfolge von Aufgaben, damit bis zum abendlichen Öffnen der Türen alles auf Schiene war“, erzählt Funder von Momenten, die bisweilen durchaus hektisch werden konnten. Ihr stets zur Seite – ihre Mitarbeiterin Lena Kashofer. „Die Zusammenarbeit ist großartig, auch weil von Beginn an die Chemie zwischen uns stimmte“, erzählt Funder, die im Arbeitsalltag die Hierarchie bewusst flach hält – und gut damit fährt. „Jeder wusste immer, was zu tun ist. Es ist ein Teamwork auf Augenhöhe. Lena und ich haben außerdem den selben Humor, der uns jede noch so stressige Situation überstehen ließ.“ Sehr eng und gut war die Zusammenarbeit, neben der Stadtamtsdirektion und etlichen Fachbereichen der Gemeinde vor allem mit dem Team von Schloss Bruck. „Mit Museumsleiter Stefan Weis gab es in den täglichen Gesprächen und Abstimmungen ein sehr gutes Miteinander!“ Ein besonderer Dank gilt der Politik, allen voran Bürgermeisterin Elisabeth Blanik und den Kulturausschuss-Mitgliedern: „Sie bewiesen große Offenheit und unterstützten alle meine Vorhaben. Das ist nicht selbstverständlich. Den Rückhalt, den ich hatte, wusste ich von Beginn an sehr zu schätzen“, betont Funder.

Unvergessliche Begegnungen

Beim Blick zurück schwärmt Claudia Funder von ihrem bereichernden Arbeitsalltag: „Ich konnte meine Leidenschaft zum Beruf machen, gestalten, an Programmen feilen, die neugierig machten, und meine Begeisterung für Kultur mit sehr vielen Menschen teilen. Das empfand ich all die Jahre als großes Privileg.“ Unvergesslich bleiben Claudia Funder Begegnungen mit vielen kreativen, interessanten Persönlichkeiten und zahlreiche besonderen Eindrücke, die sie backstage sammeln konnte: „Ich hatte die Gelegenheit, Musiker, Schauspieler, Literaten und Kabarettisten vor und nach den Events abseits der Bühne kennenzulernen, was unglaublich spannend war. Es gab viele tolle Gespräche, an die ich mich gerne erinnere. Gerade die bekannten Künstler, mit denen ich zu tun hatte, waren durchwegs unkompliziert, sympathisch und umgänglich. Ich habe wirklich sehr gute Erfahrungen gemacht“, ist Claudia Funder dankbar.

Vorfreude auf Neues 

Die aktive Laufbahn geht nun bald zu Ende. Schwingt da ein bisschen Wehmut mit? „Ich schaue auf wunderbare Jahre zurück“, betont Funder. „Es ist ein schöner Mix aus Nostalgie und Vorfreude auf den nächsten Lebensabschnitt. Die neue Freiheit wird ein Fest! Kultur wird sicher auch in der Pension mein Lebenselixier bleiben, dann aber ganz entspannt als Besucherin.“ Konkrete Pläne für den Ruhestand schmiedet Claudia Funder ganz bewusst keine. „Mein Arbeitsalltag war in den vergangenen Jahren so durchstrukturiert, dass ich mich erst einmal auf viel Raum für Spontanität freue.“ Der Termindruck fällt bald weg. Familie, Freunde, Reisen und Bücher werden sicher keine Langeweile aufkommen lassen. Die Weichen sind gestellt. Was wünscht Claudia Funder ihrem Nachfolger? „Erfolg, tolle Künstler, ein begeistertes Publikum – und vor allem, dass er ebenso viel Freude und Erfüllung in dem Job findet wie ich!“

 

 

Text: Redaktion, Fotos: © Martin Lugger, Stadtkultur Lienz, Funder

10. September 2026 um