Nußdorf-Debant: Großbrand im Abfallwirtschaftszentrum
Seit Samstag, 28.06., hält ein enormes Brandereignis im Lienzer Talboden viele Menschen sprichwörtlich in Atem. Hier die dramatischen, sich über Tage hinziehenden Entwicklungen einschließlich Montag, 30.6.2025, in einer Zusammenfassung.
Hier die Chronologie des Großbrandes: Am Samstag, 28.06.2025, wurde um 13.25 Uhr bei der Landesleitzentrale der Polizei Tirol ein Brand mit starker Rauchentwicklung beim Abfallwirtschaftszentrum in Nußdorf-Debant gemeldet. Die ersten Feuerwehren und Kräfte anderer Blaulichtorganisationen rückten aus. Um 14.55 Uhr wurde von Seiten des Landes Tirol der AT-Alert, eine behördliche Gefahreninformation an alle in den Gemeinden Nußdorf-Debant, Lienz Stadt, Iselsberg-Stronach, Lavant, Tristach und Dölsach eingeloggten Mobiltelefone, ausgesendet. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, Fenster und Türen zu schließen und den Aufenthalt im Freien auf ein notwendiges Mindestmaß zu reduzieren. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich bereits mehrere Feuerwehren aus dem Bezirk Lienz und weit über 100 Florianis vor Ort. Die Rauchentwicklung war enorm und führte unter anderem zur Schließung erster Freizeitanlagen im Lienzer Talboden.



Zunächst schien es so, als wenn die Eindämmung des Brandgeschehens gelingen könnte. Explosionen am Gelände des Abfallwirtschaftszentrums verschärften dann allerdings die Gefahrensituation deutlich. Das Brandgeschehen „vervielfachte“ sich und führte dazu, dass sich die Einsatzkräfte räumlich vom Gelände des Abfallwirtschaftszentrums zurückziehen mussten. Eine direkte Brandbekämpfung war aufgrund der massiven Eigengefährdung der Feuerwehrleute zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich. Nun galt die Priorität insbesondere dem Schutz des nahegelegenen Umspannwerkes sowie umliegender Gebäude und dem Bemühen, eine weitere Ausbreitung des Brandes zu verhindern. Im Zuge des schwierigen Großeinsatzes wurden fünf Feuerwehrleute unbestimmten Grades verletzt und mehrere Einsatzfahrzeuge in Mitleidenschaft gezogen. Um den betroffenen Bereich wurde ein Sperrkreis errichtet und der Bahnverkehr zwischen Oberdrauburg und Innichen vorübergehend eingestellt. Im Nahbereich der Recycling-Anlage erfolgte zudem eine bewusste Stromabschaltung.
Gegen 19.00 Uhr am Abend appellierte das Land Tirol per Aussendung an die Osttiroler Bevölkerung, keine traditionellen Herz-Jesu-Feuer zu entzünden, da die Feuerwehrkräfte mehrerer Gemeinden beim Großbrand im Einsatz und an diesen gebunden waren. Der AT-Alert des Landes wurde außerdem auf die Gemeinde Nikolsdorf ausgeweitet. Drohnen und Hubschrauber waren im Einsatz, um die Brandstelle zu überwachen.
Hier Bilder der FF Matrei i.O., die einen guten Eindruck des nächtlichen Infernos liefern.



In den Nachtstunden galt das Bemühen aller, den Brand in Schach zu halten, was zunehmend auch gelang. Nach und nach trafen unterstützende Katastrophen-Hilfszüge aus Oberkärnten und aus den Bezirken Kitzbühel und Kufstein sowie Kräfte der Berufsfeuerwehr Innsbruck am Ort des Geschehens ein.
Sonntagfrüh, 29.06.2025, standen hunderte Feuerwehrleute im Einsatz. Gegen 10.00 Uhr vormittags meldete die Pressestelle des Landes Tirol, dass der Großbrand in der Nacht einigermaßen eingedämmt und durch den Einsatz weitreichender Wasserwerfer und Löschroboter das vornehmliche Ziel einer weiteren Brandausbreitung erreicht werden konnte. Allerdings werde, so die Aussendung des Landes Tirol, der Einsatz noch länger andauern. Je nach Erfolg der intensiven Löscharbeiten müsse in der Folge erst die Detailarbeit zum Ablöschen des Brandes durch Umgraben der Einsatzstelle beginnen.

Aus Sicherheitsgründen blieben Freizeitanlagen im Lienzer Talboden geschlossen. Zudem wurden diverse Veranstaltungen abgesagt, wie etwa jene des Jubiläumsfestes zum 30-jährigen Bestehen der Marktgemeinde Nußdorf-Debant, das Lindenfest in Amlach oder die Eröffnung des Widums in Tristach. Auch die Prozessionen in Leisach und Tristach sowie das Stadtteilfest der Hl. Familie in Lienz konnten nicht stattfinden.
Sonntagmittag wurde die Bevölkerung im Lienzer Talboden im Zuge eines zweiten AT-Alerts dazu aufgerufen, sich weiterhin an die Warnhinweise des Landes zu halten. Die behördliche Gefahreninformation wurde außerdem auf weitere Gemeinden ausgedehnt und galt nun auch für Leisach, Assling, Amlach und Oberlienz. Hintergrund war die starke Rauchentwicklung aufgrund der veränderten Windrichtung. Über dem Lienzer Becken breitete sich eine große Dunstglocke inklusive teils beißendem Geruch aus.

Die Rauchentwicklung, die zunehmend auch in Richtung Isel- und Pustertal zog, war kilometerweit zu sehen. Der Strom im umliegenden Bereich der Recycling-Anlage blieb aus Sicherheitsgründen abgeschaltet, die Stromversorgung für die Haushalte im Umkreis sei aber, so die Information des Landes, gesichert.
Um 15.34 Uhr erfolgte dann der dritte AT-Alert – laut Behörde eine Verlängerung der Warnhinweise für die Bevölkerung. An die Gemeinden Abfaltersbach, Anras, Ainet, Schlaiten, St. Johann, Hopfgarten und Matrei wurde eine Gefahreninformation versendet mit der Info, dass es eine starke Rauchentwicklung gibt und Brandgeruch auftritt. Am Sonntagnachmittag wurden die Löscharbeiten fortgesetzt, wobei nicht absehbar war, wie lange diese noch andauern werden müssen. Der Fokus der Arbeiten lag auf dem Umgraben des Einsatzortes, um weitere Glutnester zu bekämpfen. Die Abfallversorgung im Bezirk Lienz ist gesichert und wird über die Deponie in der Gemeinde Lavant abgewickelt. Seitens des Landes Tirol wurde zudem die analytische Taskforce der Berufsfeuerwehr München sowie ein Messzug aus Bozen angefordert, um tiefergreifende Analysen hinsichtlich möglicher Schadstoffe durchzuführen. Prinzipiell gab es weiterhin die medizinische Empfehlung, den Aufenthalt im Freien auf das Notwendigste zu beschränken. Vulnerablen Gruppen wurden empfohlen, im Freien einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.
Am Sonntagabend teilte das Land Tirol in einer Aussendung mit, dass die Schul- und Kindergartenpflicht am Montag, 30.06, in den Gemeinden Nußdorf-Debant, Lienz-Stadt, Iselsberg-Stronach, Lavant, Tristach, Dölsach, Nikolsdorf, Leisach, Assling, Amlach und Oberlienz ausgesetzt wird. Die Schulen und Kindergärten halten grundsätzlich offen, die Eltern können selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder zu Hause lassen wollen oder ob sie in der Schule bzw. im Kindergarten betreut werden sollen. Zudem gab es seitens des Landes Tirol und der Bildungsdirektion Tirol die Empfehlung, keine Schulveranstaltungen im Freien durchzuführen. Seitens der Feuerwehren standen am Sonntagabend rund 290 Einsatzkräfte mit 46 Fahrzeugen von 22 Feuerwehren im Einsatz. Insgesamt waren an den Löscharbeiten seit Samstag rund 500 Einsatzkräfte der Feuerwehren mit 61 Fahrzeugen aus Osttirol, Oberkärnten sowie aus den Bezirken Kufstein und Kitzbühel und der Berufsfeuerwehr beteiligt. Neun Feuerwehrleute mussten während des Einsatzes medizinisch versorgt werden, überwiegend aufgrund kreislaufbedingter Probleme durch die große Hitze. Über Nacht fand eine Brandwache inklusive Drohne statt, um ein Wiederaufflammen zu verhindern. Die Katstrophenhilfszüge aus Kärnten, Kitzbühel sowie Kufstein beendeten ihren Einsatz.
Heute, Montagfrüh, informiert das Land Tirol, dass der Großbrand die Einsatzkräfte auch zu Beginn der neuen Woche weiterhin beschäftigt. Der Brand konnte in der Nacht unter Kontrolle gehalten werden. 40 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Gefordert waren diese unter anderem auch aufgrund von drehendem Wind und damit einhergehenden Rauchentwicklungen. Heute, Montag, sollen Bagger zum Einsatz kommen, um das teils stark erhitzte Brandgut in den Abfallboxen umzuschichten. Über 100 Mitglieder aus zehn Feuerwehren des Bezirks werden sich daran beteiligen. Wie lange die Nachlöscharbeiten andauern werden, ist nach derzeitigem Kenntnisstand noch nicht abschätzbar. Auch liegen bereits erste Ergebnisse der Luftmessungen durch die Berufsfeuerwehr Bozen vor. Diese zeigen, dass es keine Überschreitung von Grenzwerten gab, so die Aussendung des Landes Tirol. Bereits eingetroffen ist die Analytische Taskforce aus München, deren Aufgabe es sein wird, Luft-, Boden und Wassermessungen durchzuführen. Die Arbeiten dazu laufen. Im Zuge des AT-Alerts sind weiterhin alle bekanntgegebenen Anweisungen aufrecht. Die Handlungsempfehlungen werden laufend evaluiert und entsprechend der jeweiligen Situation angepasst.
Gegen 15.18 Uhr erging dann erneut eine behördliche Meldung an die Handys der Bevölkerung im Lienzer Talboden und im unteren Pustertal, dieses Mal allerdings mit dem Hinweis, dass der AT-Alert auf eine „Gefahreninformation“ herabgestuft werde. „Als Folge der Löscharbeiten kommt es nach wie vor immer wieder zu Rauchentwicklungen. Zudem ist mit drehenden Winden zu rechnen. Mit der Gefahreninformation soll die Bevölkerung vor Ort weiter sensibilisiert bleiben. Es wird weiterhin empfohlen, eigenverantwortlich bei unmittelbarer Wahrnehmung von Rauchentwicklung und Brandgeruch, Fenster und Türen zu schließen und unnötigen Aufenthalt im Freien zu vermeiden“, so Elmar Rizzoli, der auch darauf verwies. dass für die Trinkwasser-Versorgung in den betroffenen Gemeinden und damit für die Kundinnen und Kunden der Wasserversorger auf Basis der derzeit vorliegenden Informationen über das Brandereignis kein Anlass zur Sorge bestehe. Weiters hieß es in der Aussendung des Landes Tirol, dass nach Vorliegen der bisherigen Mess- und Analyseergebnisse auf Empfehlung der Gesundheitsdirektion des Landes ab morgen, Dienstag, der reguläre Schul- und Kindergartenbetrieb in den betroffenen Osttiroler Gemeinden wieder aufgenommen werde.
Text: Redaktion, Fotos: Toni Ausserlechner, FF Matrei, Osttirol heute

