Stefan Brennsteiner: Wenn die Leidenschaft für das Skifahren „brennt“

Wir trafen Stefan Brennsteiner, der sich derzeit intensiv auf den Start der Weltcup-Saison in Sölden vorbereitet, am Badesee seiner Heimatgemeinde Niedernsill zum Interview.

Begonnen hat die Skikarriere von Stefan Brennsteiner am Kitzsteinhorn. „Mein Papa ist bei den Gletscherbahnen Prokurist und hat mich schon im Alter von zwei Jahren auf den Gletscher mitgenommen. Auch meine Mama hat viel dazu beigetragen, dass ich schon als kleines Kind großen Spaß am Skifahren entwickelte. Später haben wir über den Skiclub Niedernsill eine Trainingsgemeinschaft gebildet. Wir waren sehr motivierte junge Skifahrer, und in dieser Zeit wurde sicher der Grundstein für meine spätere Profikarriere gelegt“, erzählt der heute 32-jährige Pinzgauer.

 

 

Nach der Hauptschule Zell am See (Skizweig) besuchte Stefan das Skigymnasium Stams. „Als Jugendlicher bin ich wie die meisten anderen auch alle Disziplinen gefahren. Ich habe gespürt, dass ich in den technischen Disziplinen mehr Fähigkeiten besitze – und so bin ich schließlich beim Riesentorlauf geblieben.“ Sein Weltcup-Debüt gab der Pinzgauer am 28. Oktober 2012 beim Riesenslalom von Sölden, im Februar 2014 holte er sich mit Platz 23 in St. Moritz erstmals Punkte. 2018 qualifizierte sich Stefan für die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang. Im ersten Durchgang des Riesenslaloms belegte er Rang 14, im zweiten Lauf kam er mit hervorragender Zwischenzeit zu Sturz und zog sich einen Riss des vorderen Kreuzbandes im rechten Knie zu.

 

In Kranjska Gora fuhr Stefan Brennsteiner bereits zwei Mal aufs Podest.

 

„Die Zeit von 2015 bis 2020 war geprägt von zahlreichen Verletzungen. Als Ferdl Hirscher und Mike Pircher zu uns in die Technikgruppe WC4 stießen, habe ich mich sofort sehr wohl gefühlt. Wir hatten dieselben Ansichten und probierten viel Neues aus. Ich konnte stark von dieser neuen Richtung profitieren.“ In der Saison 2020/21 fuhr Stefan im Weltcup gleich zweimal aufs Podest – in Bansko und in Kranjska Gora wurde er jeweils Dritter. In der folgenden Saison bestätigte er seine aufsteigende Form und holte sich am 13. März 2022 im RTL von Kranjska Gora den zweiten Platz. Im Vorjahr feierte der Pinzgauer bei den Olympischen Spielen in Peking seinen bisher größten Erfolg: Am letzten Wettkampftag sicherte er sich im Mixed-Teambewerb gemeinsam mit seinen ÖSV-KollegInnen die Goldmedaille.

 

Das österreichische Gold-Team (Mixed Team Parallelslalom) bei den Olympischen Spielen in Peking 2022. v.l.n.r.: Katharina Huber, Stefan Brennsteiner, Katharina Liensberger, Michael Matt, Katharina Truppe und Johannes Strolz

 

„Eine Medaille bei Olympischen Spielen ist sicher vom Feeling her etwas ganz Spezielles, aber für mich sind die Podestplätze im Weltcup mindestens genau so viel wert.“ Bei der Weltmeisterschaft in Courchevel im Feber 2023 schrammte der Niedernsiller mit Platz 4 knapp an einer Medaille vorbei – Teamkollege Marco Schwarz erzielte bei diesem Riesenslalom die Bronzemedaille. Nach Saisonende im April gibt es für die Skifahrer nur eine kurze Regenerationspause. Bereits im Juni starten sie wieder mit dem Konditionstraining.

„Im August trainierten wir in Saas Fee und anschließend in Ushuaia in Argentinien. Ende September standen wir dann am Pitztaler Gletscher wieder auf heimischem Schnee.“ Aktuell fiebern Stefan Brennsteiner und seine ÖSV-Kollegen dem Weltcup-Start am 29. Oktober in Sölden entgegen. „Das Weltcup-Opening am Gletscher ist von der Stimmung her immer etwas ganz Besonderes – natürlich auch deswegen, weil die Saison in Österreich eröffnet wird. Sonst hat für mich jedes Rennen seinen eigenen individuellen Charakter. Der Hang von Alta Badia ist besonders anspruchsvoll, das Ziel in Adelboden ist vergleichbar mit einem Hexenkessel, und Kranjska Gora hat für mich deshalb so viel Bedeutung, weil ich dort schon zwei Mal am Siegespodest stehen durfte. Die Heimrennen in Österreich sind immer ganz speziell, und ich freue mich deshalb auch, dass der RTL als Night Race in Schladming beibehalten wird, nachdem im Vorjahr dort das Ersatzrennen für Garmisch-Partenkirchen ausgetragen wurde.“

 

 

Befragt nach der Kameradschaft im Skizirkus meint der Pinzgauer, dass er und seine Kollegen im ÖSV eine „coole Gemeinschaft haben, und dies obwohl es sich beim Skifahren um einen Einzelsport handelt. Die Skifamilie in Österreich ist nicht groß, und man freut sich bei Erfolgen mit seinen Kollegen. Besondere Weggefährten sind für mich Manuel Feller und Michael Matt, weil sie mit mir gemeinsam das Skigymnasium in Stams besucht haben. Roland Leitinger aus St. Martin bei Lofer ist als Zimmerkollege und Pinzgauer natürlich ein wertvoller Freund von mir.“

Fischer Ski und das Kapruner Unternehmen Bründl Sports sind die Hauptsponsoren des erfolgreichen Skifahrers aus dem Oberpinzgau. „Besonders Bründl Sports hat meinen Weg seit 2016 stark unterstützt. Das schätze ich sehr – vor allem auch, weil es sich um ein regionales Pinzgauer Sportgeschäft mit Filialen in zahlreichen österreichischen Wintersportorten handelt.“

 

 

Ins Schwärmen kommt Stefan auch, wenn man ihn auf seine Heimatgemeinde Niedernsill anspricht. „Heimat ist für mich dort, wo Familie und Freunde leben. Am Badesee habe ich früher oft Beachvolleyball gespielt, und in der Bergwelt der Hohen Tauern unternehme ich im Sommer gerne Mountainbike-Touren. Im Winter geht sich ab und zu auch eine Skitour oder eine Freeski-Aktion aus. Die Sehnsucht, nach Hause zu kommen, ist noch einmal größer geworden, nachdem im heurigen Jänner unser Sohn auf die Welt gekommen ist.“

Die abschließende Frage an Stefan Brennsteiner gilt seinen persönlichen Zielen. „Die Leidenschaft für das Skifahren muss so stark in dir brennen, dass der große Aufwand und der zeitweilige Druck nicht zur Belastung werden. Wenn der heutige Tag nicht schlechter ist als der gestrige, dann ist es ein guter Tag. Ich versuche immer, im Hier und Jetzt zu leben. Das hilft beim Training ebenso wie bei den Rennen im Winter.“

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Franz Reifmüller, EXPA/Groder

19. Oktober 2023 um