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Dem Fachkräftemangel gezielt entgegenwirken

Wir sprachen mit Hotelier Johannes Westreicher und Friseurmeister Peter Marschhauser über deren Erfahrungen mit dem Lehrlings- und Fachkräftemangel.

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Friseurmeister Peter Marschhauser mit Lehrling Nathalie Warscher 

 

In letzter Zeit wird viel darüber geklagt, dass es in den Tourismus-Betrieben an Köchen und Kellnern mangelt. Der Fachkräftemangel zieht sich aber inzwischen durch beinahe alle Branchen. Wir sprachen mit dem Matreier Friseurmeister Peter Marschhauser und Johannes Westreicher, Eigentümer des Grandhotels Lienz, über ihre Erfahrungen in Zusammenhang mit dem Problem und über Maßnahmen, die sie treffen, um Fachkräfte für ihre Betriebe zu gewinnen und das Image der Berufe zu verbessern.

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Vor 25 Jahren übernahm Friseurmeister Peter Marschhauser den familieneigenen Friseursalon im Herzen der Marktgemeinde Matrei i.O. Heute beschäftigt er in seinem Unternehmen „Gonn Petro“ sechs Friseurinnen, davon zwei Lehrlinge, sowie eine Fachkraft für Kosmetik/Fußpflege. Im Laufe der Jahre hat der Iseltaler 20 Lehrlinge ausgebildet. „Früher bewarben sich 15 bis 20 junge Menschen pro Jahr für eine Lehrstelle, im Vorjahr waren es nur mehr fünf. Bis jetzt konnten wir einem Fachkräftemangel durch die Lehrlingsausbildung im eigenen Betrieb und die spätere Weiterbeschäftigung entgegenwirken. Von vielen KollegInnen aus Nordtirol oder auch Deutschland höre ich allerdings, dass es immer schwieriger wird, fachkundiges Personal zu finden“, informiert er.

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Peter Marschhauser: „Früher haben sich 15 bis 20 Jugendliche jährlich als Lehrlinge beworben, im letzten Jahr waren es nur mehr fünf.“

 

In Kooperation mit der Firma La Biosthetique ist der Matreier als Referent in ganz Österreich und Deutschland unterwegs. Er kennt die Branche gut und leitet u.a. auch die Jugend- und Regionalgruppe Hohe Tauern in Tirol und Salzburg. Er berichtet davon, dass die La Biosthetique-Friseurbetriebe das Ansehen des Berufes stärken und Jugendliche dazu motivieren wollen, sich wieder vermehrt für eine Friseur-Lehre zu entscheiden. Dafür wurde auch die Zusatzausbildung „Hair & Beauty Artist“ geschaffen. Peter Marschhauser: „Eine Umfrage unter Pflichtschulabgängern hat ergeben, dass sich nur 6% der Befragten für den Friseur-Beruf entscheiden würden, immerhin 15 Prozent aber für eine Lehre zur Hair & Beauty Artistin. Meine Lehrlinge absolvieren diese Zusatzausbildung. Sie steht aber auch erfahrenen FriseurInnen offen.“

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Lehrling Nathalie Warscher: „Als Experten für Haar, Haut und Make-up haben wir einen sehr kreativen Beruf. Wir beraten Menschen und sorgen für Entspannung während des Aufenthaltes im Salon. Mit einer Lehre zur Hair & Beauty Artistin stehen dir in der Beauty-Branche alle Wege offen.“

 

Die Hair & Beauty Artist-Ausbildung ergänze die herkömmliche Ausbildung sehr gut, meint der Friseurmeister. „Neben allen fachlichen Aspekten rund um Haar & Styling beinhaltet sie auch wichtige Lehrinhalte zu den Bereichen Kosmetik, Kopfhautpflege, Make-up sowie Total Beauty-Konzepte.“ Erste Erfolge der Kampagne würden sich bereits abzeichnen. „Von Kollegen haben ich gehört, dass sich auch wieder mehr Burschen bewerben. Ich persönlich habe es nie bereut, dass ich diesen Handwerksberuf erlernt habe. Der berufliche Alltag ist äußerst vielseitig und anspruchsvoll. Man steht in direktem Kontakt zu den Menschen und hat die Möglichkeit, jeden Tag viele KundInnen zufriedenstellen zu können. Es sind diese Erfolgserlebnisse, die einen motivieren und dazu anregen, sich ständig weiterzuentwickeln.“

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Im Jahre 2009 hat Familie Westreicher das Grandhotel in Lienz mit 160 Betten eröffnet, bereits seit mehr als 55 Jahren führt sie auch das Ferienhotel Cervosa in Serfaus mit etwa 200 Betten. Hotelier Johannes Westreicher managt den Betrieb gemeinsam mit seinen beiden Schwestern und einer Nichte. Das Grandhotel in Lienz definiert er als klassisches „Stadthotel“. 55 MitarbeiterInnen sind hier während der Wintersaison durchschnittlich beschäftigt, im Sommer steigt die Zahl auf 65. „Osttirol und speziell auch die Stadt Lienz zeichnen sich durch eine besonders hohe Lebensqualität aus. Die Bevölkerung ist traditionell sehr heimatverbunden. Viele, die in Tourismusbetrieben außerhalb des Bezirkes arbeiten, zieht es wieder zurück in ihre Heimat. Dieser Umstand kommt uns in Hinsicht auf die Rekrutierung von Fachkräften sehr entgegen und hilft uns in vielen Bereichen unserer extrem interessanten und abwechslungsreichen Branche, sowohl im Service als auch in der Küche teilweise den Mitarbeiter-Mangel auszugleichen.“

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Johannes Westreicher: „Die Qualität der Arbeitsplätze in der Gastronomie hat sich in letzter Zeit wesentlich verbessert. Sie sind mittlerweile sehr gut bezahlt, sicher und familienfreundlicher denn je.“

 

In den vergangenen sieben Jahren seit Eröffnung des 5-Sterne-Hauses absolvierten sechs junge Menschen hier ihre Lehrzeit. Alle konnten ihre Ausbildung mit Auszeichnung abschließen. „Gut ausgebildete, fleißige und motivierte MitarbeiterInnen sind in unserem Dienstleistungsgeschäft von enormer Bedeutung. Deshalb ist uns die Förderung unserer Lehrlinge und Fachkräfte auch ein besonderes Anliegen“, betont der Hotelier. Er berichtet davon, dass seine Familie den ehemaligen Gasthof Falken in Lienz-Eichholz angekauft, renoviert und als Personalhaus eingerichtet hat. „Hier stehen unseren MitarbeiterInnen 30 Top-Einzelzimmer zur Verfügung. Darüber hinaus legen wir auch großen Wert auf gute Verdienstmöglichkeiten. Wir bezahlen unsere MitarbeiterInnen über dem Kollektivvertrag!“

Mit Teambuilding-Events, Weinseminaren und anderen Ausbildungs- und Förderprogrammen versucht man außerdem, die Qualität der Arbeitsplätze und die Attraktivität des Berufsbildes zu steigern. „Ich beobachte, dass unsere Maßnahmen greifen und die MitarbeiterInnen an den Betrieb binden. Trotzdem freuen wir uns natürlich über jede neue Bewerbung.“

Vom 15. bis 21. Mai 2017 veranstaltet das Grandhotel Lienz gemeinsam mit dem Hotel Traube, dem Moarhof, dem Parkhotel Tristachersee, dem Haidenhof sowie dem Dolomitenhof eine „Woche der offenen Tür“. „Junge, an einer Lehre interessierte Menschen laden wir genauso ein, in unseren Hotels hinter die Kulissen zu blicken, wie interessierte Quereinsteiger“, so Johannes Westreicher abschließend.

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Brunner Images