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Außervillgraten: Spannender Blick in die Zukunft

Die 16. Universität im Dorf in Außervillgraten bot einen spannenden, akademisch-hochkarätigen und auch für Laien verständlichen Blick in die Zukunft der Technik.

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Organisatoren und Referenten der Universität Innsbruck mit LH-Stv. Josef Geisler, Bgm. Josef Mair und VSD i.R. OSR Josef Told vor dem Haus Valgrata in Außervillgraten

 

Die im Jahr 2001 ins Leben gerufene Veranstaltungsreihe hat sich 16 Jahre nach ihrer Gründung längst bewährt. Dies hoben der Außervillgrater Bürgermeister Mag. Josef Mair, der Vizerektor für Lehre und Studierende der Universität Innsbruck, Univ.-Prof. Dr. Bernhard Fügenschuh, der Tiroler LH-Stv. Josef Geisler sowie der Dekan der Fakultät für Mathematik, Informatik und Physik der Universität Innsbruck, Univ.-Prof. Justus Piater, PhD, in ihren Grußworten bei der Eröffnung der „Universität im Dorf 2016“ am Samstag, 26.11., hervor.

Im Mittelpunkt von Tag 1 der „Universität im Dorf 2016“ standen Referate zu den Themen „Chirurgierobotik“, „Computer-Haptik“ und „Roboter für Menschen – Menschen für Roboter“. Die Podiumsdiskussion am Abend widmete sich den Grenzen von Technik und Mensch. Der erste Referent, assoz. Prof. PD Dr. Nikolaus Bonaros von der Universität für Herzchirurgie (Tirol Kliniken Innsbruck), informierte über Einsatzmöglichkeiten und Vorteile der Roboterchirurgie, die, wie er ausführte, aktuell vor allem in der Durchführung komplexer Eingriffe in minimal-invasiver Technik und in der durch die Drei-Dimensionalität erreichten Sichtverbesserung während des operativen Eingriffes liegen. Bonaros betonte, dass Präzision und Unermüdbarkeit der Maschinen einer Verbesserung der chirurgischen Leistung dienen, es aber in absehbarer Zeit weder möglich noch gewünscht sei, den menschlichen Faktor vollständig durch Roboter zu ersetzen.

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Univ.-Prof. Justus Piater, PhD, informierte über die neuesten Entwicklungen in der Robotik.

 

Die „Computer-Haptik“ war das Thema des Referates von Univ.-Prof. DI Dr. Matthias Harders vom Institut für Informatik der Universität Innsbruck. Die Computer-Haptik beschäftigt sich mit der Berechnung und Erzeugung von Signalen für den Tastsinn, wobei dafür – ähnlich wie in der Computergrafik – zur Darstellung spezielle Geräte benötigt werden. Als ein den meisten Menschen geläufiges Beispiel nannte Harders Mobiltelefone, die Vibrationssignale ausgeben. Er erläuterte den derzeitigen Stand der Technologie und ihrer Anwendungen, warf aber auch einen Blick auf mögliche weitere Entwicklungen. Verschiedenen Fragen und Aspekten einer zukünftigen Welt, in der Roboter wie selbstverständlich Teil des menschlichen Alltagslebens sein werden, widmete sich der Dekan der Fakultät für Mathematik, Informatik und Physik der Universität Innsbruck, Univ.-Prof. Justus Piater, PhD. „Menschenähnliche Roboter, die z.B. alle Haushaltsarbeiten übernehmen, wird es, soweit derzeit absehbar, in den nächsten fünf bis zehn Jahren noch nicht geben. Aber die Entwicklung und Verfeinerung der Technologien und die sich daraus für die verschiedensten Bereiche unseres Lebens ergebenden Möglichkeiten werden unaufhaltsam voranschreiten“, so Piater.

„Siedlungswasserwirtschaft – Grenzen der Technik und Grenzen der Menschen“ , „Mechatronik – Was?“ und „Bachelorstudium Mechatronik in Lienz – Wie?“ – so lauteten die Titel der Vorträge am Sonntag, 27.11.2016. Univ.-Prof. DI Dr. Wolfgang Rauch vom Institut für Infrastruktur der Universität Innsbruck sprach über den Fortschritt in Hinsicht auf die Versorgung urbaner Räume mit Trinkwasser bzw. die Entsorgung des Abwassers. Er berichtete davon, dass die kostenintensive Wasserinfrastruktur der Industriestaaten bzw. deren Funktion durch äußere Einflüsse zunehmend unter Druck gerate. Der Klimawandel bewirke sowohl Wasserknappheit als auch Überschwemmungsgefahr durch extreme Niederschläge. Zwar habe man sich in den letzten Jahren weltweit mit alternativen Systemen beschäftigt, doch zeigten sich hier technische wie physikalische Grenzen auf. 

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Univ.-Prof. DI Dr. Johannes Gerstmayr vom Institut für Mechatronik der Universität Innsbruck ging in seinem Referat auf die Thematik „Mechatronik“ ein. Die Integration der Fachgebiete Maschinenbau („Mecha“), Elektrotechnik („tron“) und Informatik („ik“) sei inzwischen längst breit aufgestellt. Waren in den 90er-Jahren CD-Player und Tintenstrahldrucker gängige Beispiele der Mechatronik, so ist diese heute sowohl in Mikrochips als auch in großen Bauwerken vertreten. Die Bedeutung des vollwertigen universitären Bachelorstudiums Mechatronik für die Region Osttirol, das die Privatuniversität UMIT und die Leopold-Franzens-Universität Innsbruck seit Oktober 2016 gemeinsam in Lienz anbieten, hob schließlich DI Dr. Fadi Dohnal von der Privatuniversität UMIT und akad. Leiter des Standortes Lienz, hervor. Die Bündelung der Kompetenzen der Fach- und Berufsschulen, der HTL und der Universität sei ein sorgfältig geplanter Impuls, um die lokale Wirtschaft zu unterstützen und zu beleben.

Ein weiterer, interessanter Programmpunkt der diesjährigen „Universität im Dorf“, die Bürgermeister Josef Mair und Vizerektor Bernhard Fügenschuh mit ihren Schlussworten am Sonntagmittag beendeten, war das schon in den letzten Jahren mit viel Begeisterung aufgenommene Kinderprogramm „Junge Uni im Dorf“. Hier konnten sich Mädchen und Buben aus der Region unter Anleitung von Experten in einem Stationenbetrieb u.a. am Bau eines hydraulischen Roboterarms erproben.

Text: E. Hilgartner, Fotos: Osttirol Journal/Kraner, Brunner Images