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Alpenländisches aus Matrei auf Wiens Adventmärkten

Krippen-, Engel- und Madonnenfiguren, dazu Christbaumschmuck und Stearinkerzen – seit 18 Jahren ist Franz Oberschneider mit seiner Familie auf Adventmärkten in Wien vertreten.

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Zum Schnitzen ist Franz Oberschneider aus einer „jugendlichen Not“ heraus gekommen. „Ich war schon in jungen Jahren ein begeisterter Klaubauf. Eine eigene Larve konnte ich mir nicht leisten, und so habe ich mir selbst eine geschnitzt“, erinnert er sich zurück. Im Laufe der Zeit kam der Matreier mit immer mehr Schnitzern und Bildhauern aus der Region in Kontakt, sein handwerkliches Hobby übte er im so genannten „Pferdestadl“ im Hintermarkt aus. „Den Stadl funktionierten wir Anfang der 1990er-Jahre in eine Schnitzwerkstatt um. An einem 21. September – also an dem Tag, an dem in Matrei traditionell der Matthiasmarkt stattfindet – haben wir hier auch ein kleines Geschäft eröffnet.“

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In der Matreier Partnergemeinde Kastelruth in Südtirol lernte Franz später einen Schnitzer kennen, der sich auf Krippenfiguren spezialisiert hat. „Ich war von seiner Werkstatt und von dem, was er dort herstellte, begeistert. Zu Hause fing ich dann an, selbst kleine Figuren zu schnitzen“, erzählt er. Über den Matreier Krippenverein erhielt er 1998 die Einladung, am Schönbrunner Weihnachtsmarkt in der österreichischen Bundeshauptstadt auszustellen. „Da stand ich nun mit meinen Figuren vor der einstigen Residenz der Habsburger und staunte über die Menschenmassen und den Trubel. Man darf nicht vergessen, dass alleine in den sechs Wochen vor Weihnachten alljährlich etwa eine Million Menschen aus aller Welt den Schloss Schönbrunn-Markt besuchen.“

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Inzwischen haben Franz und Josefa Oberschneider die Großstadt und die Arbeit am Adventmarkt schätzen und lieben gelernt. Besonders freuen sie sich über Freundschaften, die sie in Wien schließen konnten, und über die vielen Stammkunden, die immer wieder kommen bzw. auch schon den Weg nach Osttirol gefunden haben. „Die Rückmeldungen, die wir erhalten, zeigen, dass die Besucher an unserem Stand eine ganz besondere Atmosphäre spüren. Viele verbinden Weihnachten mit alpenländischen Traditionen, mit Brauchtum und den Bergen.“ Dieses Flair spür- und erlebbar zu machen und mit den Figuren und Krippen auch Geschichten zu erzählen, liegt Franz Oberschneider besonders am Herzen.

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„Ich denke, dass darin auch ein nicht unwesentlicher Teil des Erfolgsgeheimnisses unserer alpenländischen Produkte begründet liegt. Ich arbeite diesbezüglich übrigens auch mit Südtiroler Kollegen zusammen“, hält er fest. Irgendwann ergab sich für die Osttiroler Familie die Möglichkeit, auch auf anderen bekannten Wiener Adventmärkten tätig zu werden. Im Vorjahr haben Oberschneiders aus Matrei sogar „weihnachtliche Auslandserfahrung“ sammeln können – auf Märkten im schottischen Edinburgh und im Hyde Park in London. Nicht ohne Stolz verweist Franz darauf, dass alle Familienmitglieder gemeinsam auch die Herausforderung meistern, 12 bis 18 Stunden täglich im Einsatz zu sein – und dies auch bei teilweise sehr tiefen Temperaturen. Etwas angenehmer fallen diese beim alljährlichen Ostermarkt vor Schloss Schönbrunn aus, wenn die Matreier für jeweils zwei Wochen in der Fastenzeit Holzschnitzereien und allerlei Osterdekoration anbieten.

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Der Familienzusammenhalt war auch die Grundlage dafür, dass das Schnitzgeschäft inzwischen um das Matreier Klaubaufmuseum erweitert werden konnte. Wer in den nächsten Wochen in die österreichische Bundeshauptstadt kommt, dem sei der Weihnachtsmarkt vor dem Schloss Schönbrunn (geöffnet ab Mitte November) bzw. der anschließende Neujahrsmarkt (vom 27.12. bis zum ersten Wochenende nach dem Jahreswechsel) und ein Besuch des Marktstandes von Familie Oberschneider empfohlen!

www.tirolerschnitzereien.at

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Brunner Images, Privat