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Bauabschluss bei wichtigem Infrastrukturprojekt

Im März 2015 fiel in Nußdorf-Debant der Starschuss für den Bau des vierten Wohn- und Pflegeheimes im Bezirk – Anfang November werden die ersten BewohnerInnen einziehen.

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Mehr als 10 Jahre dauerte die Vorlaufzeit für das nun fertiggestellte Großprojekt, für das auch Mittel aus der Wohnbauförderung, der Investitionsförderung und dem GAF lukriert werden konnten. Insgesamt belaufen sich die Gesamtkosten des WPH Nußdorf-Debant auf 13,6 Millionen Euro.

 

Es ist ein ganz besonderes Gebäude, das in den vergangenen 1,5 Jahren auf dem Gelände des einstigen Haidenbergerhofes in Alt-Debant entstanden ist: Umgeben von einem Gartenbereich mit Biotop, Rundwegen und großzügig überdachten Außenbereichen und erschlossen über den Hauptzugang von der Alt-Debantstraße aus, erreicht man über einen kleinen Vorplatz den Eingangsbereich des neuen Wohn- und Pflegeheims, das sich mit seiner zurückhaltend-edel gestalteten Fassade sehr gut in das dörfliche Umfeld einfügt.

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DGKP Norbert Oberhammer, hier im Bild mit Verbandsobfrau LA Bgm. DI Elisabeth Blanik und Standortbürgermeister Ing. Andreas Pfurner, ist seit 15 Jahren für den Bezirksverband der Altenheime Osttirol tätig. Seit 10 Jahren leitet er eine große Pflegestation im WPH Lienz. Er freut sich auf seine neue Aufgabe als Pflegedienstleiter im neuen Wohn- und Pflegeheim in Nußdorf-Debant.

 

Der viergeschossige Baukomplex, umgesetzt nach den Plänen des Architekten DI Anton Mariacher, überzeugt mit einer räumlich sehr durchdachten, klaren Strukturierung und bietet optimale Voraussetzungen für die Bereiche Wohnen, Pflege und Betreuung. Anton Mariacher, ein gebürtiger Virger, der 2013 mit seinem Team vom Grazer Architekturbüro ma-quadrat den international ausgeschriebenen Wettbewerb für sich entscheiden konnte, zeigt sich mit dem Ergebnis aller Arbeiten sehr zufrieden. „Mein Part und der meines Teams war vor allem ein gestalterischer. Für die Bauleitung zeichnete, in Abstimmung mit uns, das Osttiroler Planungsbüro modul2 verantwortlich, wie überhaupt mehr als zwei Drittel aller Gewerke von heimischen Unternehmen ausgeführt wurden. Dies sehe ich, auch in Hinsicht auf die regionale Wertschöpfung, als besonderen Erfolg an!“

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Trotz des begrenzten Bauareals sei es, so der Architekt, gelungen, in verdichteter Bauweise auf einer Grundstücksfläche von 5 094 m² die beste bauliche Lösung für eine Nutzfläche von insgesamt 7 354 m² zu finden. „Das neue Wohn- und Pflegeheim wurde in Niedrigenergiebauweise als Massivbau errichtet und verfügt neben dem Fernwärmeanschluss auch über eine Solaranlage, eine kontrollierte Wohnraumlüftung und auch in anderen Belangen über eine technische Ausstattung, die als ,top‘ zu bezeichnen ist. Die technischen Einrichtungen funktionieren übrigens bereits seit einigen Wochen einwandfrei, der Probebetrieb kann als erfolgreich abgeschlossen bewertet werden. Das gesamte Gebäude ist barrierefrei gestaltet und über zwei Lifte erschlossen. Während wir uns bei der Fassade für eine in verschiedenen Farbnuancen gehaltene Faser-Zementplatte entschieden haben, dominieren im Innenbereich Holz, Glas und edles Messing. Das Atrium (Innenhof) gewährleistet eine zusätzliche, natürliche Belichtung aller Räume, die mit einer hellen, sehr wohnlich-freundlichen Atmosphäre überzeugen.“

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Verwalter Franz Webhofer und Architekt Anton Mariacher freuen sich, knapp vor Einzug der ersten HeimbewohnerInnen, über das unmittelbar bevorstehende Bauende. Bis Anfang November werden auch noch die letzten anstehenden, oft nur noch kosmetischen Arbeiten abgewickelt und auch die Dekoration und Einrichtung vollständig installiert sein.

 

Insgesamt stehen im neuen WPH Nußdorf-Debant 90 Einzelzimmer zur Verfügung, die sich auf drei Geschosse verteilen. Die genaue Gliederung des Gebäudes erläutert Franz Webhofer, Verwalter und Heimleiter der Osttiroler Wohnund Pflegeheime: „In den Geschossen EG, OG 1 und OG 2 befinden sich je 30 Einzelzimmer, die wieder pro Stockwerk in drei Wohngruppen zu je 10 Zimmern zusammengefasst sind. Die Wohneinheiten inkludieren je einen Pflege- und Betreuungsstützpunkt, eine Wohnküche mit Essbereich, ein Wohnzimmer und einen überdachten Balkon. Weiters gibt es in jedem Geschoss Lager- und andere wichtige Versorgungsbereiche sowie einen Therapieraum. Für das gesamte Haus steht ein großzügiges Pflegebad zur Verfügung. Im 2. OG ist ostseitig eine Dachterrasse angeordnet, die Büroräumlichkeiten liegen im 1. OG. Ebenerdig erreichbar sind ein Mehrzwecksaal, das Heimcafé, die Heimkapelle sowie ein eigener, pietätvoll gestalteter Andachtsraum für die Verabschiedung verstorbener Heimbewohner.“

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Ein Vorplatz mit Marterle und Brunnen, ein Garten mit Biotop, Rundwege und großzügig überdachte Bereiche, die für die HeimbewohnerInnen bei jeder Witterung, sommers wie winters, gut nutzbar sind, prägen die äußere Struktur des neuen Wohn- und Pflegeheimes. Die Fassade wurde bewusst zurückhaltend gestaltet, um eine optimale Integration des Baukomplexes in das dörfliche Umfeld zu gewährleisten.

 

Im Kellergeschoss, das westseitig aufgrund des abfallenden Geländes auch Räume mit Erdgeschosscharakter aufweist, sind, wie Franz Webhofer weiter ausführt, die Küchen- und Umkleideräumlichkeiten für das Personal und weitere Lager- und Technikbereiche untergebracht. Die Tiefgarage bietet Platz für 38 KFZ. Mit den 12 KFZ-Abstellplätzen im Außenbereich stehen insgesamt 50 Stellflächen zur Verfügung. Davon sind 4 barrierefrei und 4 mit Lademöglichkeit für Elektroautos ausgeführt. Auf die besonderen Bedürfnisse der HeimbewohnerInnen, aber auch auf die Herausforderungen, die der Arbeitsalltag an das Personal des WPH stellt, wurde sowohl architektonisch als auch hinsichtlich Ausstattung und Farbgebung der Innenräume Rücksicht genommen. „Die Kleinstrukturiertheit der einzelnen Geschosse ermöglicht eine bessere, individuelle Betreuung und Pflege für den einzelnen Menschen. Dies kommt vor allem den Bedürfnissen dementer HeimbewohnerInnen entgegen, ebenso wie auch die Anlage der Gänge, die als Rundwege konzipiert sind und immer wieder zum Ausgangspunkt zurückführen, darauf ausgerichtet wurde. Jede Wohngruppe hat eine eigene Farbgebung, was die örtliche Orientierung im Haus erleichtern soll. Dafür wurde Herwig Schöberl als farbpsychologischer Berater hinzugezogen. Auf Basis seiner Informationen und deren Umsetzung erwarten wir uns einen zusätzlichen, positiven Effekt auf die Lebens- und Arbeitswelt im neuen Wohn- und Pflegeheim.“

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Offen ist die innere Organisation des Heimes gestaltet, das als Atriumbau spannende Ein-, Aus- und Durchblicke bietet. Die übliche Struktur im Pflegeheimbau – reine Wohngeschosse über Sockelgeschoss – wurde bewusst aufgebrochen. Auf den Wohnebenen liegen auch Gemeinschafts- und Gesellschaftsräume, die für Abwechslung sorgen und die Kommunikation und Mobilität der BewohnerInnen fördern sollen.

 

Jedes der 90 Zimmer weist inklusive Bad und WC eine Nettonutzfläche von 24 m² auf. Mit den Aufenthaltsräumen, den Wohngängen sowie allen erforderlichen Nebenräumen stehen so pro HeimbewohnerIn rund 56 m² Nettonutzfläche zur Verfügung. Dieses Raumangebot entspricht, wie Architekt und Verwalter unisono betonen, optimal dem erhöhten Betreuungsbedarf alter, pflegebedürftiger Menschen und sichert diesen gleichzeitig auch eine komfortable Wohnsituation. Dies schließt auch die Möglichkeit ein, dass die Ausstattung der Zimmer durch private Möbel und Utensilien ergänzt werden kann. Die offizielle Eröffnung des vierten Osttiroler Wohn- und Pflegeheim ist für das Frühjahr 2017 vorgesehen. „Es ist uns wichtig, dass sich zunächst die HeimbewohnerInnen und das Personal gut im Haus einleben können. Erst dann wollen wir der Öffentlichkeit ein bereits mit Leben erfülltes Haus zeigen. Dies soll im Rahmen eines Tages der offenen Tür stattfinden und ein Fest für die ganze Region werden“, erklärt Franz Webhofer anschließend.

Text: E. Hilgartner, Fotos: Martin Lugger, Osttirol Journal/D. Hotzler