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„2016 ist ein gutes Jahr für die Felbertauernstraße!“

Etwas mehr als ein Jahr nach der Inbetriebnahme des neuen Straßenabschnittes Schildalm freut man sich bei der Felbertauernstraße über steigende Frequenzen.

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Mit knapp 1,3 Mio. Fahrzeugen befuhren schon im Vorjahr mehr Fahrzeuge als vor dem Felssturz die für den Bezirk Lienz so wichtige Verkehrsverbindung. 2016 könnte es sogar gelingen, die 1,4 Mio.-Grenze zu erreichen.

 

Der Felssturz im Mai 2013 war ein Jahrhundertereignis, das nicht nur die Verantwortlichen der Felbertauernstraße AG über lange Zeit hinweg beschäftigte. Mittlerweile zeigt sich, dass die Zahl jener PKW- und Motorradlenker, die den Felbertauern als Route in den Süden bevorzugen, deutlich zunimmt. Im journal-Interview spricht der Vorstand der FAG, Mag. Karl Poppeller, die Gründe für diese erfreuliche Frequenzentwicklung an. Er berichtet von aktuellen und zukünftigen Bauprojekten entlang der Straße, von bereits erfolgten Vorbereitungen auf den Winter 2016/2017 und von Plänen für das kommende Jubiläumsjahr. Schließlich jährt sich am 25. Juni 2017 die offizielle Eröffnung der Felbertauernstraße zum 50. Mal.

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Felbertauernstraße AG-Vorstand Mag. Karl Poppeller: „Das 50-Jahr-Jubiläum wollen wir 2017 gemeinsam mit der Bevölkerung feiern!“

 

Herr Dir. Mag. Poppeller, bei einem Vergleich der Zahlen vor und nach dem Felssturz zeigt sich für das heurige Jahr ein deutliches Plus, was den privaten Verkehr betrifft. Haben Sie mit einer derart raschen Frequenzerholung gerechnet?

Mag. Poppeller: Wir sind eigentlich davon ausgegangen, dass es wesentlich länger dauert, bis wir wieder die Zahlen von 2012 erreichen können. Die Gründe dafür sind vielfältig. Die unsichere Lage in vielen Ländern in und rund um Europa hat die Attraktivität von sicheren und nahen Urlaubsdestinationen wie Österreich, Italien oder Kroatien enorm gesteigert. Wesentlich mehr Gäste als früher meiden Flugreisen und fahren wieder mit dem Auto in den Urlaub. Von dieser Entwicklung konnten auch der Tourismus in Osttirol und damit auch wir profitieren, wie alleine das Nächtigungsplus von 6,9 Prozent in den Sommermonaten von Mai bis August zeigt. Hinzu kommt, dass die Werbekampagne, die wir gemeinsam mit der Osttirol Werbung v.a. in unserem Kernmarkt Deutschland durchgeführt haben, Früchte trägt. Natürlich muss auch das Angebot von Seiten der Felbertauernstraße AG die Kunden überzeugen. Der neue Straßenabschnitt Schildalm punktet mit einem sehr schönen Ausblick auf das Tauerntal und die umliegende Bergwelt. Das Jahr 2016 dürfte hinsichtlich der Frequenzen ein gutes werden. Derzeit steuern wir auf die 1,4 Millionen-Marke zu.

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Lässt sich die Frequenzsteigerung in allen Fahrzeugkategorien feststellen?

Mag. Poppeller: Nein. Bei den Busfrequenzen verzeichnen wir seit Jahren eine Stagnation, und im LKW-Bereich liegen wir immer noch deutlich unter den Zahlen des Jahres 2012. Nach dem Felssturz suchten sich viele Frächter andere Routen. Positiv haben sich hingegen die Zahlen im Motorrad- und PKW-Bereich entwickelt.

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Rund 13.000 Pflanzen wurden bei der Begrünung und Rekultivierung entlang und unterhalb des neuen Straßenabschnittes „Schildalm” gesetzt (Bild oben). Ab 2017 steht der Neubau der Raneburg-Galerie auf dem Programm.

 

Im Geschäftsjahr 2015 konnte ein leichter Jahresgewinn verzeichnet werden. Wie lange werden der Felssturz und die daraus resultierenden Kosten das Budget der FAG belasten?

Mag. Poppeller: Dank der Kapitalaufstockung durch Bund und Land und mit den Mitteln aus dem Katastrophenfonds konnten die größten finanziellen Folgen des Felssturzes abgefedert und ungeachtet des massiven Investitionsbedarfs eine Neuverschuldung der Straßengesellschaft vermieden werden. Trotzdem werden uns die Nachwirkungen nicht nur in finanzieller Hinsicht noch länger beschäftigen.

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Zurückgekehrt zum Normalbetrieb, hat die FAG schon 2015 begonnen, ihr reguläres Bau- und Erhaltungsprogramm wieder aufzunehmen. Auf welcher Grundlage erfolgt die Umsetzung?

Mag. Poppeller: Insgesamt weist die Felbertauernstraße 66 Brückenbauwerke, 30 Galerien und vier Tunnels auf. 35 Prozent der Straße verlaufen unter oder auf einem Kunstbauwerk. Entsprechend unserem Leitsatz „Sicherheit hat Vorrang“ geht es nun darum, Kunstbauten, die z.T. aus der Bauzeit der Straße in den 60er-Jahren stammen, zu sanieren bzw. durch neue zu ersetzen. Was für Einfamilienhäuser gilt, die spätestens nach 40, 50 Jahren einer umfassenden Generalrenovierung bedürfen, trifft in besonderem Maße auch auf die Galerie- und Brückenbauwerke der FAG zu. Ein zweiter Punkt ist jener, dass sich aufgrund gesteigerter Sicherheitsansprüche und neuer Normen auch die Anforderungen an Schutzbauten massiv geändert haben. Die Permafrostgrenze verschiebt sich kontinuierlich nach oben, die Erosion wird stärker. Gleichzeitig häufen sich Niederschlagereignisse, die wir früher in dieser Form nicht kannten, und nicht zuletzt ermöglichen uns moderne EDV-Programme wesentlich exaktere Lawinen- und Steinschlagsimulationen als in früheren Zeiten. Daraus gewinnen wir neue Erkenntnisse bzw. nehmen potenzielle neue Gefahren wahr. Aus diesem Grund wird ein Teil der Kunstbauten auch zu verlängern bzw. im Gelände befindliche Lawinenschutzdämme und -verbauungen zu erweitern sein.

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Die sogenannte „Holztal-Galerie“ konnte 2016 durch einen Neubau ersetzt werden. Warum hat man sich für den Abriss der 1969 zweistreifig erbauten und 1973 dreistreifig erweiterten, alten Galerie entschieden?

Mag. Poppeller: Moderne Neubauten haben eine Lebensdauervon 50, 60 Jahren, bei Sanierungen tritt nach einigerZeit erneut Handlungsbedarf auf. Aus diesem Grund fiel dieEntscheidung für den großteiligen Abriss. Anzumerken ist, Zusätzlich musste das Stahlbetonbauwerk mittels langer Anker, die in den Berg eingebracht wurden, fixiert werden. Die Lichtraumhöhe beläuft sich nun auf mind. 4,50 Meter, das Dach wird humusiert und begrünt. Wie geplant, werden wir die Bauarbeiten noch vor dem Winter abschließen können.

Was stand noch auf dem Programm?

Mag. Poppeller: 2016 konnten wir ein großes Paket an sicherheitstechnischen Maßnahmen entlang und oberhalb der Straße realisieren. Zudem musste entlang des neuen Straßenabschnittes Schildalm noch eine Vielzahl an Aufgaben abgearbeitet werden. Ich spreche hier von Begrünungen und Rekultivierungen, einem Viehdurchlass, Zäunen neben und abseits der Straße, Oberflächenwasserableitungen und -durchlässen u.v.a.m. Rund 13 000 Pflanzen mussten, um nur eine Zahl von vielen zu nennen, entsprechend den Auflagen des Naturschutzes, gesetzt werden. Des Weiteren waren wir mit Asphaltierungen und dem Austausch von Komponenten in der Tunneltechnik beschäftigt.

2017 wartet mit dem Neubau der Raneburg-Galerie das nächste große Bauvorhaben auf die FAG. Was können Sie uns dazu sagen?

Mag. Poppeller: Die Raneburg-Galerie ist mit stolzen 660 Metern acht Mal so lang wie die Holztal-Galerie. Nicht nur aus diesem Grund werden wir dieses Kunstbauwerk in drei Etappen, 2017/2018/2019, bauen. Das notwendige Investitionsvolumen wird sich auf rund sieben Millionen Euro belaufen.

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Sind alle Vorbereitungen für den Winter 2016/2017 getroffen?

Nachdem wir jedes Jahr in Maschinen und Geräte investieren müssen – 2016 haben wir einen neuen LKW für den Winterdienst angekauft – befindet sich unser Fuhrpark auf gutem technischen Stand. Dies ist notwendig, weil wir unseren Kunden immer bestmögliche Fahrbahnverhältnisse anbieten wollen. Ausreichende Mengen an Streusplitt und Streusalz sind eingelagert und alle notwendigen Vorkehrungen getroffen. Der Winterdienstplan steht, die Winterdienstbesprechung fand am 4.10. statt. Im hochalpinen Gelände muss man für einen frühen Wintereinbruch gewappnet sein. Das hohe Engagement und die Erfahrung unserer Mitarbeiter werden aber auch in den kommenden Monaten für eine hohe Qualität und Wintersicherheit der Felbertauernstraße sorgen.

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Im Juni nächsten Jahres kann die Felbertauernstraße ein stolzes Jubiläum feiern. Was ist in diesem Zusammenhang geplant?

Mag. Poppeller: Wir stecken mitten in den Planungen, es ist eine Fülle von Aktionen angedacht. Die große 50-Jahr-Feier der FAG wird in möglichst zeitlicher Nähe zum 25. Juni 2017 über die Bühne gehen. Es ist uns wichtig, dass wir diesen Anlass gemeinsam mit der Bevölkerung feiern, schließlich ist die  Felbertauernstraße die Lebensader der Region!

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Text: E. & J. Hilgartner, Fotos: Martin Lugger, Osttirol heute/DH, FAG