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Köstliche Bioheumilch vom Wachtlechner Hof

Matthias Hauser setzt mit seiner Freundin Hermine Baumgartner auf dem Wachtlechner Hof in Gaimberg auf „Bio“ und produziert täglich frische Bioheumilch.

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Oft sieht sich der Verbraucher mit einer Vielfalt an Zertifikaten und Gütesiegeln konfrontiert. Diese versprechen z.B. kontrollierte österreichische Qualität, weisen auf Regionalität oder auf Bio hin. Gerade bei letzterem scheiden sich allerdings nicht selten die Geister. Für die einen ist „Bio“ eine echte Alternative, um sich gesund zu ernähren und das ökologische Wirtschaften der Bauern zu unterstützen. Für andere handelt es sich dabei einfach um eine kluge Marketingidee. Um dies zu hinterfragen, hat sich Jan Schäfer für uns zu einem Lokalaugenschein bei einem Biobauern aus dem Bezirk Lienz aufgemacht und auch eine Stellungnahme von Seiten des Bezirksobmannes des Tiroler Bauernbundes eingeholt.

In Tirol gibt es 2 200 Bio-Betriebe mit zuletzt wieder steigender Tendenz. Allein seit Jahresbeginn stellten rund 200 Landwirte auf Bio um, viele davon führen ihren Hof als Milchbetrieb. Im Bezirk Lienz tragen 285 Höfe das Bio-Gütesiegel. Einer von ihnen ist der Wachtlechner Hof in Gaimberg, den Biobauer Matthias Hauser seit diesem Jahr gemeinsam mit seiner Freundin Hermine Baumgartner führt. Er erzählt: „Schon vor der Hofübernahme durch Hermine und mich war der landwirtschaftliche Betrieb meiner Schwiegereltern sehr bionahe ausgerichtet. Spritzmittel und mineralischer Dünger kamen hier am Hof nicht zum Einsatz. Nicht nur aus diesem Grund war die Entscheidung, ganz auf Bio umzustellen, eine logische. Der letztendliche Impuls, dies umzusetzen, kam mit der Milchkrise und den damit zusammenhängenden  niedrigen Preisen im konventionellen Bereich. Schon im Zuge der Ersterhebung zur Zertifizierung im Vorjahr zeigte sich, dass sich die gesetzlichen Vorgaben für uns ohne größeren Aufwand erfüllen lassen.“

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Hermine Baumgartner beim Bioheumilchautomaten beim Mesner Brennstadl in Gaimberg, den ihre Familie betreibt. Hier kann man rund um die Uhr Bioheumilch kaufen.

 

Für den Verbraucher bedeute es, so Matthias weiter, einen großen Unterschied, ob er konventionelle, Heu- oder Bioheumilch kaufe. „Dies liegt u.a. darin begründet, dass man bei der Bioheumilch die Natur auch sprichwörtlich schmecken kann. Die Kühe fressen auf der Weide Gräser und Kräuter und im Stall Heu. Es entstehen keine unerwünschten Geschmacksfehler in der Milch, da gänzlich auf die Fütterung von Silage verzichtet wird. Zudem ist die Bioheumilch reich an Spurenelementen und weist im Schnitt einen Fettgehalt von nur drei bis vier Prozent auf.“ Es besteht die Möglichkeit, täglich frische und unpasteurisierte Bioheumilch beim Milchautomaten von Hermine und Matthias beim Mesner Brennstadl zu erwerben. Der Vorzug des Bio-Produktes liegt darin, dass man dieses z.B. zu Yoghurt weiter verarbeiten kann. „Das lässt sich mit pasteurisierter Milch nicht mehr machen“, so Hermine.

Ökologisch ausgerichtete Landwirtschaft bedeutet allerdings weit mehr als nur die Einhaltung der Bio-Richtlinien beim Futter. „Bio“ schließt u.a. auch eine besonders artgerechte Tierhaltung mit ausreichend Bewegungsfreiheit und entsprechendem Platzangebot im Laufstall und im Freien ein. Sozialkontakte in einer möglichst stabilen Herdenstruktur gelten als Voraussetzung. Die Tiere sind vor ungünstigen Witterungsverhältnissen, Verletzungen, Krankheiten und Verhaltensstörungen zu schützen. Ferner unterliegt auch die Dokumentation aller betrieblicher Vorgänge einer genauen Vorgabe. Die Frage, ob der damit verbundene höhere Aufwand ein Grund dafür ist, dass in Osttirol nicht wesentlich mehr landwirtschaftliche Betriebe biozertifiziert sind, beantwortet Matthias Hauser so: „So weit ich dies einschätzen kann, sind die Ursachen dafür oft in mangelnden Informationen und fehlendem Mut zu suchen. Ich kann nur sagen, dass sich der Mehraufwand und die Kosten, die bei einer Umstellung anfallen, mittel- und vor allem langfristig auf jeden Fall rechnen!“

Weil die Voraussetzungen für „Bio“ in Osttirol auf Basis der weitgehend intakten Natur- und Kulturlandschaft so gut sind, stellt der Gaimberger auch die Vision einer Biobauern-Region in Osttirol“ in den Raum. Davon könnten seiner Ansicht nach nicht nur der gesamte Landwirtschaftssektor und in der Folge damit in Zusammenhang stehende Verarbeitungsbereiche, sondern auch der Tourismus profitieren.

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Ins selbe Horn stößt auch Martin Mayerl, Bezirksobmann des Tiroler Bauernbundes. Er fasst die Chancen der biologischen Wirtschaftsweise für den Bezirk Lienz so zusammen: „Grundsätzlich ist die Osttiroler Landwirtschaft sehr klein strukturiert. Unsere Bauern sind gefordert, sich mehrere Standbeine zu schaffen, um auch in Zukunft bestehen zu können. In der Bio-Produktion sehe ich eine sehr gute Möglichkeit, uns von anderen Anbietern am Markt abzuheben.“ Ein Etikettenschwindel ist „Bio“ bzw. „Bioheumilch“, wie alleine die strengen gesetzlichen Voraussetzungen, aber auch das nachhaltige Wirtschaften der Bio-Bauern beweisen, also keinesfalls. Vielleicht sollten nicht nur mehr Landwirte, sondern auch wir, die Konsumenten, umdenken – für einen Bio-Mehrwert in der Region!

Text: Jan Schäfer, Fotos: Brunner Images