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Neue Wege mit Schafmilch und „Goggilen“

Gemeinsam mit seiner Freundin Theresa, seinen Eltern und Geschwistern hat Harald Jans den Nussbaumerhof auf die Produktion von Schafmilch und Eiern umgestellt.

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Die Landwirtschaft hat den heute 26-Jährigen schon von klein auf begeistert. Gemeinsam mit einer Schwester und drei Brüdern ist er am Nussbaumerhof in der Marktgemeinde Nußdorf-Debant auf der Sonnseite des Lienzer Talbodens aufgewachsen. „Opa und vor allem Papa haben mir sehr viel beigebracht, auch was die Abläufe am Bauernhof betrifft. Meinen Eltern und mir war aber immer auch eine fundierte Ausbildung sehr wichtig. Nach der HTL-Matura habe ich deshalb mit dem Lehramtsstudium für Mathematik und Physik an der Universität Wien begonnen, wo auch meine Freundin Theresa studiert. Derzeit pendeln wir zwischen Wien und Nußdorf-Debant hin und her. Zum Glück ist ein Ende absehbar, weil wir unser Studium bald abschließen werden“, erzählt Harald.

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Im Jänner 2015 haben die beiden begonnen, den Nussbaumerhof gemeinsam mit Haralds Familie neu zu strukturieren. Ein Auslöser für die Neuausrichtung des Betriebes war, so Harald, der niedrige Milchpreis. „Im Zuge der Konzepterstellung ist uns bewusst geworden, dass im Nussbaumerhof viel Potenzial steckt, das auch betriebswirtschaftlich genutzt werden kann.“ Schafmilch und Eier – so genannte „Sonnseiten-Goggilen“ – werden jetzt am Hof produziert. Rund 450 „Braunleger“ liefern durchschnittlich 400 Eier am Tag, ca. 200 Lacaune-Milchschafe geben köstlich-frische Milch.

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Die Hühner werden im früheren Schafstall gehalten. Auslauf finden die Tiere im direkt angrenzenden Obstgarten auf einer Wiesenfläche, geschützt unter Bäumen. „Unsere Hennen erhalten Wasser aus der hofeigenen Quelle und werden ganz traditionell per Hand gefüttert.“ Die „Sonnseiten-Goggilen“, Freilandeier der Güteklasse A, erfreuen sich, unbehandelt verpackt, einer großen Nachfrage. „Eigentlich kommen wir mit der Produktion nicht nach“, meint Harald. Die Schafheumilch vom Nussbaumerhof ist mit etwa tausend Kilokalorien pro Liter ein besonders wertvoller „Saft“. Mit einem marktüblichen Preis von 1,50 Euro kann damit ein wesentlich höheren Ertrag erzielt werden, als es für Kuhmilch derzeit möglich wäre.

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Um 5.00 Uhr und um 17.00 Uhr werden die Schafe am Nussbaumerhof jeweils gemolken. 24 Plätze umfasst der Melkstand, mit Kraftfutter werden die Schafe angelockt. Inklusive der Vor- und Nachbearbeitung erstreckt sich der Melkvorgang auf jeweils rund zwei Stunden. Eine durchaus schweißtreibende Arbeit sei dies, schmunzelt Harald über den Adrenalin-Kick bei der Melktätigkeit im Schafstall. Zwei Mal in der Woche wird die Milch über Matrei in die Zillertal Sennerei geliefert. Ein Transport umfasst etwa 1.500 Liter Milch. Mit rund 3.000 Litern pro Woche ist der Nussbaumerhof der größte von insgesamt vier Schafmilch-Lieferanten der Sennerei. Im Zillertal wird aus der Schafmilch die Käsesorte „Zillertaler Edelschaf“ hergestellt, die man nicht nur in der Sennerei direkt und im Internet, sondern auch in Supermärkten wie MPREIS oder Interspar kaufen kann.

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Besonders betriebsam wird es auf dem Nussbaumerhof in den Wochen von circa Mitte Feber bis Mitte März. Schließlich steht in dieser Zeit tierischer Nachwuchs an. Alle 200 Lacaune-Milchschafe „lammen“ innerhalb dieser drei bis vier Wochen. „Da kann es schon vorkommen, dass an einem Tag 30 Lämmer das Licht der Welt erblicken“, berichtet Harald von diesem immer wieder aufs Neue eindrucksvollen Vorgang. „Derzeit führen Theresa und ich praktisch zwei Leben – eines in Wien und eines in Nußdorf-Debant“, sagt der 26-Jährige, der sich nach eigenen Angaben am Land wesentlich wohler fühlt als in der Großstadt. Trotzdem sei die Zeit des Studiums in Wien für ihn auch eine wertvolle Erfahrung. „Man muss als junger Mensch lernen, auf eigenen Beinen zu stehen.“

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Am Landleben und an der bäuerlichen Arbeit faszinieren ihn der unmittelbare Kontakt zur Natur und die sich immer wiederholenden Kreisläufe. „Gerade das vergangene Jahr der Umstrukturierung war nicht nur arbeitstechnisch, sondern auch emotional oft sehr herausfordernd. Es gab Anspannung und Euphorie ebenso wie Rückschläge. Ich sehe es aber als großes Glück an, dass alle – meine Freundin Theresa ebenso wie meine Eltern und Geschwister – immer voll hinter mir gestanden sind“, meint er zum Abschluss unseres Besuches am Nussbaumerhof, bevor er sich wieder auf den Traktor setzt und sich mit voller Kraft der Heuernte widmet.

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Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Martin Lugger, Journal/David Hotzler