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Volles Haus bei Eröffnung des Eiskletterfestivals

Im Matreier Tauernhaus ging gestern Abend die Auftaktveranstaltung des 2. Osttiroler Eiskletterfestivals mit Stargast Steve House über die Bühne.

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An den Erfolg der ersten Auflage des „Osttiroler Eisfestivals“ im Vorjahr wollen Organisatoren und Trägerverein „Bergsport Osttirol“ anknüpfen – und dies scheint, wenn man das große Interesse schon an der Auftaktveranstaltung am 13.1.2017 heranzieht, auch gelungen zu sein. Pumpvoll war der Saal im traditionsreichen Matreier Tauernhaus am Freitagabend, als Steve House, einer der weltbesten Extrem-Bergsteiger der Gegenwart, in seinem Vortrag „Nanga Parbat und beyond“ von seinen ganz persönlichen Erfahrungen  in den Bergen dieser Welt erzählte. Mit ihm und dem Organisationsteam rund um Vereinsobmann Silvester Wolsegger sowie den beiden Ausnahmealpinisten Vittorio Messini und Matthias Wurzer führten wir am ersten Tag des „eisigen Events“ folgendes Interview:

Silvester, welche Philosophie steckt hinter dem Verein „Bergsport Osttirol“ und dem „Osttiroler Eiskletterfestival“, das heuer vom 13. bis 15.1.2017 im Tauerntal über die Bühne geht?

Silvester Wolsegger: Unsere Zielsetzung ist es, einen Beitrag dazu zu leisten, Osttirol als Bergsportmekka zu etablieren. Unser Bezirk zeichnet sich nicht nur durch eine einzigartige Landschaft mit hoher Ästhetik des Geländes und bester Eignung für verschiedene Bergsportarten aus, sondern verfügt auch über ein besonderes Leistungspotential an Bergsteigern von internationaler Klasse. Der Eispark am Eingang des Gschlösstales gleich hinter dem Matreier Tauernhaus ist heute die größte derartige Attraktion in ganz Österreich und bietet mit der in den letzten Monaten realisierten Erweiterung mehr als 70 verschiedene Routen an.

Vittorio, wie seid Ihr mit den Vorbereitungen auf das 2. Osttiroler Eisfestival zufrieden?

Vittorio Messini: Die Witterungsbedingungen der vergangenen Wochen und die Erfahrungen, die wir im Vorjahr gewinnen konnten, haben uns unsere Arbeit sehr erleichtert. Gemeinsam konnten wir Verbesserungen an Sektor I vornehmen bzw. den Eispark Osttirol um den Sektor II. erweitern und noch attraktiver gestalten. Im Eispark finden heute Anfänger ebenso wie Fortgeschrittene und ausgewiesene Eiskletter-Experten ideale Bedingungen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden und -längen vor. Zu unserem Event sind auch heuer wieder Eiskletterer aus ganz Österreich, Deutschland und Italien angereist, um an den Workshops bzw. an anderen Programmpunkten unseres Festivals teilzunehmen. Ein Highlight wird sicherlich wieder der Speed-Wettbewerb „Osttiroler Eismaster“ werden, dessen Finale am Samstag, 14.1., über die Bühne gehen wird.*

Matthias, worin liegt der besondere Reiz des Eiskletterns?

Matthias Wurzer: Rundherum spektakuläre Eisformationen und mittendrin du und deine Eisgeräte, mit denen du dich den Wasserfall nach oben arbeitest: In der sportlichen Herausforderung, dem Nervenkitzel und dem ganz besonderen Naturerlebnis liegt vieles von der Faszination begründet, die das Eisklettern auf immer mehr Menschen ausübt. Unter fachkundiger Anleitung eines Bergführers können auch Anfänger relativ schnell Fortschritte erzielen und die eisigen Schönheiten der Bergwelt Schritt für Schritt entdecken. Unser Kletterpark hier im Tauerntal ist so angelegt, dass das Gefahrenpotential, das im alpinen Gelände immer vorhanden ist, nach Möglichkeit reduziert ist. Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es aber in den Bergen und auch beim Eisklettersport nie! Es liegt in der persönlichen Verantwortung jedes Einzelnen, Risiken und Gefahren abzuwägen, sich richtig vorzubereiten und zu informieren und, falls notwendig, auch Experten zu Rate zu ziehen.

Steve, du bist heute nicht das erste Mal in Osttirol. Was verbindet dich mit dem Bezirk Lienz und was schätzt du an der heimischen Bergwelt besonders?

Steve House: 1998 habe ich, damals noch Student, meine erste Skitour in der Hochschober-Gruppe unternommen und bin seitdem immer wieder – vor allem auch mit meiner Frau Eva, einer gebürtigen Klagenfurterin – im Bezirk Lienz unterwegs gewesen. Ich kenne viele Bergregionen dieser Welt. Das Einzigartige an Osttirol ist, wie ich glaube, dass hier noch Vieles in seiner ursprünglichen Schönheit und Unberührtheit erhalten ist.

Was ist für dich das Essentielle am Bergsport und was möchtest du den Zuhörern deines Vortrages näher bringen?

Meine Erfahrung ist es, dass die Berge einen Menschen verändern und zu seiner Weiterentwicklung beitragen können. Ich persönlich habe am meisten profitiert, wenn ich alleine oder nur in einer sehr kleinen Gruppe unterwegs war. Dann wird man am meisten gefordert und zugleich auch gefördert, dann „macht der Berg etwas mit einem“. Heute bin ich 46 Jahre alt und muss mir selbst nichts mehr beweisen. Ich bin in den letzten Jahren auch vorsichtiger geworden, und es fällt mir heute wesentlich leichter als früher, bei Gefahr etwas auch sein lassen zu können. Allen jungen Kletterern wünsche ich, dass auch sie, wie ich, „ihren“ Nanga Parbat finden.

Danke an alle für das interessante Gespräch! 

 

*Anmerkung der Redaktion: Aufgrund der hohen Lawinengefahr (Warnstufe 4 im Bereich der Hohen Tauern) wurden die Workshops des Eiskletterfestivals 2017 auf Eisfälle in anderen Bereichen Osttirols verlegt. „Der Osttiroler Eismaster“ wurde in einen natürlichen Eisfall in der Nähe des Matreier Tauernhauses ausgetragen. Ein Beitrag dazu folgt.

Text und Foto: H. Kraner/E. Hilgartner