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Lienz ist Pilotregion für Klimawandel und die Folgen

Im Zuge des Projekts ARISE war Lienz die erste Gemeinde in Österreich, in der die „lokalen Gründe zur Besorgnis“ erhoben sowie Anpassungsmaßnahmen entwickelt wurden.

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Lienz wird im Leitfaden für den regionalen Klimaschutz mehrfach als Beispiel angeführt, weil die Stadt als erste Gemeinde in Österreich „lokale Gründe zur Besorgnis" und entsprechende Anpassungsmaßnahmen entwickelt hat. 

 

In der zweijährigen Forschungsarbeit wurde ein neuer Leitfaden entwickelt, der Gemeinden helfen soll, dem Klimawandel und dessen Folgen auf lokaler Ebene entgegenzuwirken. Starkregen, Hochwasser und längere Hitzeperioden sind nur einige der vielen Folgen des weltweiten Klimawandels. Der Leitfaden „Globale Probleme – lokale Risiken. Vom künftigen Leben mit dem Klimawandel“ soll Entscheidungsträgern in Gemeinden Vorschläge liefern, um die vom Weltklimarat entwickelten globalen Konzepte für Gemeinden und Regionen nutzbar zu machen.

„Im Rahmen des Risiko- und Krisenmanagements werden auch für die Stadt Lienz sämtliche Gefahren erhoben. Das Projekt liefert eine zusätzliche Risikoeinschätzung in Bezug auf den Klimawandel für Lienz und die Region“, so Mag. Oskar Januschke, der für die Stadt Lienz das Projekt betreute. 20 Stakeholder aus Lienz und Umgebung sowie acht Partner (z.B. die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, das Umweltbundesamt, das Wirtschaftsforschungsinstitut und das Bundesforschungszentrum für Wald) waren an dem Projekt beteiligt.

„In erster Linie wurden sozio-ökonomische Szenarien entwickelt, um aktuelle und künftige Risiken und Chancen beurteilen zu können“, so Januschke. Eine Perspektive für die Zeitpunkte 2050 und 2100 wurde ausgearbeitet. Eines der Ergebnisse der Studie war, dass die gravitativen Naturgefahren (z.B. Muren, Felsstürze) durch häufigere und intensivere Starkregenereignisse ansteigen werden. Außerdem wird ein deutlicher Anstieg der Hitzetage (Temperaturen über 30°) auch in unserer Region prognostiziert. Durch Überalterung der Bevölkerung und durch die Abwanderung wird es einen Verlust an Selbsthilfe-Möglichkeiten geben. Das Ansteigen der Anzahl an Trockentagen wird sich auf die Landwirtschaft genauso auswirken, wie auf den Tourismus und die Wasserwirtschaft. Prognostiziert wird, dass sich die Vegetationsperioden verlängern. Erwartet wird auch, dass sich vor allem der klassische Wintertourismus massiv verändern wird.

„Ziel dieser Studie ist es, die Verletzlichkeit zu verringern und die Resilienz – also die Widerstandsfähigkeit – zu verbessern. Die Ergebnisse und Überlegungen fließen in Bezug auf Gefahren und Chancen in das zukünftige Risiko- und Krisenmanagement der Stadt Lienz und der Region ein. Es soll den politischen Entscheidungsträgern helfen, mit den richtigen Maßnahmen auf den Klimawandel zu reagieren“, so Oskar Januschke abschließend.

Text: Raimund Mühlburger, Symbolfoto: Tupungato/Fotolia