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Matrei: Auf den Spuren der Salzburger Regentschaft

Eine Salzburger Delegation mit LH Dr. Wilfried Haslauer an der Spitze besuchte Matrei i.O., das rund 600 Jahre territorialer Bestandteil des Erzbistums Salzburg gewesen war. 

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Die Tore von Schloß Weißenstein wurden für die Salzburger Gäste von Familie Hans-Christian Lange geöffnet.

 

Salzburg feiert heuer das Jubiläum „200 Jahre bei Österreich“. Aus diesem Anlass besucht LH Dr. Wilfried Hauslauer heuer alle früheren salzburgischen Besitzungen außerhalb des heutigen Bundeslandes. Die Salzburger Erzbischöfe haben auch in Matrei in Osttirol umfangreiche Spuren hinterlassen. Die Besitzungen südlich des Tauernhauptkammes, die Graf Heinrich von Matrei nach seinem Tod im Jahre 1212 den Salzburger Kurfürsten vermachte, wurden bis 1810 zu einem in sich geschlossenen weltlichen Herrschaftsgebiet.

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Besuch des Nationalparkhauses mit Ausstellung „Tauernwelten“: Bgm. BR Dr. Andreas Köll, Vize-Bgm. Elisabeth Mattersberger, LH Dr. Wilfried Haslauer, Landtagspräsidentin Dr. Brigitta Pallauf, GR Manuela Niederegger, LA Dr. Josef Schöchl (v.l.n.r.)

 

Zu diesen Spuren zählen zum Beispiel Schloß Weißenstein, heute der älteste Profanbau in Osttirol, die Kienburg am strategisch wichtigen Eingang von drei Tälern, aber auch alte Grundherrschafen im Defereggental. Im Bereich des Gossenbaches befand sich die Staatsgrenze zwischen Görz und dem Erzbistum Salzburg. Matrei wurde zwischen 1250 und 1280 zum Markt erhoben. Seit dieser Zeit waren Matrei und Mittersill wichtige Marktflecken nördlich und südlich des „Tauern“. Am alten Berggerichtsgebäude oder am früheren Bezirksgericht sind noch heute die Amtswappen der jeweiligen Rechtspfleger zu sehen. Auch die Geschichte der Pfarrkirche St. Alban ist eng mit Salzburg verbunden, Matrei besitzt auch die ältesten Matrikenbücher des gesamten deutschsprachigen Raumes.

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Der neue Pfarrer und Seelsorgeraumleiter, Mag. Ferdinand Pittl, erhielt vom Salzburger Landeshauptmann in der Pfarrkirche das große „Salzburg-Buch“.

 

Am 8. September besuchte eine Delegation aus Salzburg mit LH Dr. Wilfried Haslauer, Landtagspräsidentin Dr. Brigitta Pallauf und Landesveterinärdirektor LA Dr. Josef Schöchl Matrei. Vor dem Rathaus empfingen Bgm. BR Dr. Andreas Köll, Vize-Bgm. Elisabeth Mattersberger und GR Manuela Niederegger die Gäste aus Salzburg. Bei einem Ortsrundgang wurden das alte Berggerichtsgebäude, das Bezirksgericht, das Nationalparkhaus und die Pfarrkirche besucht. Familie Hans-Christian Lange – Dritteleigentümerin von Schloß Weißenstein – war aus München angereist, um die Gäste im Schloss zu empfangen. Die Salzburger zeigten sich sehr interessiert an der Geschichte des früheren „Schlosses Matrei“, das um das Jahr 1162 von den Grafen von Lechsgemünde erbaut wurde.

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Denkmal am Kirchplatz für die aus Salzburg stammenden Matreier Freiheitskämpfer Johann Panzl und Anton Wallner

 

Bgm. Andreas Köll informierte über die bestehende Flächenwidmung von rund 10 Hektar im Bereich des Schlosses für ein mögliches Nationalparkzentrum und über aktuelle Gespräche mit Bundesdenkmalamt und Landesgedächtnisstiftung über die Einbindung von Schloss und Park in ein mögliches Nationalparkerlebniszentrum gleich neben der Felbertauernstraße. LH Wilfried Haslauer zeigte sich sehr angetan von diesen Plänen und berichtete in diesem Zusammenhang über den großen Erfolg des Nationalparkzentrums in Mittersill.

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Frau Lange gab Einblicke in die Geschichte von Schloß Weißenstein, das im 19. und 20. Jh. ein Nobelhotel war und bereits als mögliches Nationalparkzentrum gewidmet ist.

 

Zum gemütlichen Ausklang ging es in das Hotel Rauter. Die Salzburger Gäste zeigten sich begeistert von der Geschichte des Hauses, das unter anderem Staatsvertrags-Kanzler Ing. Leopold Figl zu seinen Gästen zählen durfte. Dort wurde auch über aktuelle Verbindungen und Projekte gesprochen, z.B. über ein für das nächste Jahr von Wilfried Haslauer angeregtes Schützenfest im Gedenken an die Salzburger Freiheitskämpfer Johann Panzl und Anton Wallner, die sich in Matrei niedergelassen hatten. Für 2017 ist auch eine gemeinsame Besteigung des Großvenedigers durch die Landeshauptleute von Salzburg und Tirol anlässlich des 25-Jahr-Jubiläums „Nationalpark Hohe Tauern in Osttirol“ mit Besuch der Neuen Prager Hütte (Tirol) und der Kürsingerhütte (Salzburg) geplant.

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Im traditionsreichen Hotel Rauter wurde nicht nur über die gemeinsame Geschichte, sondern auch über aktuelle Berührungspunkte und Projekte debattiert.

 

Weitere Berührungspunkte, über die gesprochen wurde, waren das „Ölkraftwerk“ der TAL nördlich des Felbertauerns, bestehende Wasserableitungen aus dem Landecktal auf Matreier Gebiet für den Mooserbodenspeicher mit neuem Kavernenkraftwerk Enzingerboden, über laufende Prospektionen des Wolfram-Scheelit-Bergbaues (Mittersill) im Bereich Hochgasser und Messelingkogel (Matrei) sowie über das Vorhaben einer Radwegverbindung über den alten Felbertauernpass von Lienz bis nach Kitzbühel mit dem Projektnamen TransAlp.

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Gemeinde Matrei