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Erwerbsbeteiligung von Frauen ist in Osttirol gering

Die Erwerbsquote von Frauen liegt mit 62% unter dem tirolweiten Schnitt, die Arbeitslosenquote ist mit 11% sehr hoch, weil es an passenden Strukturen mangelt. 

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„Das Geschlecht ist immer noch maßgeblich für die Lebenssituation der Menschen in Tirol bestimmend“, sagt Frauen- und Soziallandesrätin Dr. Christine Baur im Zuge der Veröffentlichung der regionalen Auswertung des Tiroler Gleichstellungsberichtes. Nicht nur das Geschlecht präge die Lebensumstände der TirolerInnen, auch die regionale Herkunft und der Wohnort seien neben Bildung, sozialer, kultureller oder religiöser Zugehörigkeit sowie den jeweiligen Familienformen für die individuelle Lebenssituation ausschlaggebend. „Der Wohnort hat einen großen Einfluss auf die Lebenssituation von Frauen. Meist sind es die gut ausgebildeten jungen Frauen, die als erste aus dem ländlichen Raum in die Städte auswandern“, so Baur.

Die Auswertung zeigt, dass mit 11% Akademikerinnen und 21% Pflichtschulabsolventinnen das Bildungsniveau von Frauen im Bezirk Lienz niedriger als in Gesamttirol sowie in Innsbruck, aber höher als in anderen Bezirken ist. Der Anteil an in Kinderbetreuungseinrichtungen betreuten Kleinkindern ist mit knapp 12% in Osttirol am niedrigsten von allen Tiroler Bezirken. Mit 62% liegt die Erwerbsquote von Frauen unter dem tirolweiten Schnitt, auch die Teilzeitquote ist mit 42% gering. Die Branchenstruktur – die meisten Frauen sind in Verwaltung, Erziehung, Gesundheits- und Sozialwesen tätig –, die schwach ausgeprägte Betreuungsinfrastruktur und die relativ niedrige Mobilität würden gemeinsam zur geringen Erwerbsquote beitragen, meint die Landesrätin. Die Möglichkeit, Familie und Beruf über Teilzeitbeschäftigung zu vereinbaren, wird in Osttirol weniger häufig genutzt bzw. sind die entsprechenden Strukturen nicht vorhanden. Ein weiterer Hinweis darauf, dass es an passenden Strukturen mangle, finde sich auch in der hohen Arbeitslosenquote von rund 11%.

In zwei Aspekten stellten sich die Bedingungen der Erwerbstätigkeit von Frauen in Lienz als besonders problematisch dar. Zum einen seien die Barrieren für Frauen mit Pflichtschulabschluss noch höher als im Rest des Landes – nur 42% der Pflichtschulabsolventinnen sind erwerbstätig. Zum anderen würden Frauen deutlich geringere Einkommen als Männer erzielen. Die geringen Einkommen seien weniger auf niedrige Stundenlöhne als vielmehr auf die eingeschränkte Arbeitszeit zurückzuführen. Die Einkommenssituation von Frauen sei im Bezirk Lienz ähnlich prekär wie im Tiroler Oberland.

Text: Raimund Mühlburger, Symbolfoto: Fotolia/Syda Productions