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Rupert Huter (1834-1919) – ein Botaniker von Weltruf

Im Naturmuseum Südtirol befindet sich eine der bedeutendsten Sammlungen zur Flora der Ost- und Südalpen. Angelegt hat das Herbar Rupert Huter, ein gebürtiger Kalser.

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Geboren wurde Rupert Huter 1834 am Holaus-Hof im Glocknerdorf Kals. Schon in seiner Kindheit und Jugend zeigte er großes Interesse an der Pflanzenwelt. Seine erste „Spielwiese“ waren die „Tschamp-Wiesen“ in seiner Heimatgemeinde. Besonders hatten es ihm hier die „Habichtskräuter“ angetan. Später besuchte er das Priesterseminar im Vinzentinum in Brixen und wirkte nach seiner Priesterweihe in verschiedenen Pfarren des heutigen Ost- und Südtirols, u.a. in St. Jakob i.D., Oberlienz, St. Johann i. Ahrntal, St. Magdalena in Gsies, in Sexten und zuletzt in Ried bei Sterzing. An allen Stationen seiner Seelsorgertätigkeit nützte er seine Freizeit dazu, die Flora der Umgebung zu erkunden. Besonders intensiv gelang ihm dies in Ried bei Sterzing. Einen Unterstützer seiner botanischen Arbeit fand Huter im Bischof von Brixen, Vinzenz Gasser, der ihn damit beauftragte, ein Herbarium für das Vinzentinum zu erstellen.

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Original-Blätter des Herbariums von Rupert Huter

 

Rupert Huter wertete seine in großer Vielzahl gesammelten oder durch Tausch erworbenen Pflanzenbelege aus, bestimmte sie und ordnete sie nach Pflanzen-Verwandtschaften ein. Neue Erkenntnisse publizierte er regelmäßig in „Herbarstudien“. In Fachzeitschriften rief er dazu auf, Expeditionen finanziell zu unterstützen. Er tauschte mit anderen Sammlern Dubletten bzw. verkaufte diese. Damit lukrierte er auch Geld für Forschungsreisen, die er gemeinsam mit Freunden unter anderem nach Carnia/Friaul (1873), Süditalien (1874, 1875, 1877), Spanien (1879) sowie auf die Balearen (1885) unternahm. Sein umfangreiches Herbarium lieferte er schließlich 1909 – zehn Jahre vor seinem Tod – beim Bischof ab.

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Das Bischöfliche Vinzentinum in Brixen, in dem das Huter-Herbarium einst untergebracht war und auch im Unterricht Verwendung fand

 

Zwischen 1909 und den 1990er-Jahren lagerte das Huter-Herbarium im Naturalienkabinett des Vinzentinums. Teile wurden fallweise als Anschauungsmaterial für den Unterricht verwendet. Im Zuge der Generalsanierung des Vinzentinums zeigte sich, dass die Herbarbögen restauriert und digital erfasst werden mussten, um sie der Nachwelt zu erhalten und der wissenschaftlichen Forschung zugänglich zu machen. So entschloss man sich, die Naturwissenschaftliche Sammlung des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum mit der Restaurierung zu beauftragen. Die bereits restaurierten Herbarbelege wurden ins Vinzentinum zurückgebracht und dort in einem eigens eingerichteten Raum deponiert.

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Im Naturmuseum Südtirol befindet sich eine der bedeutendsten historische Pflanzensammlungen zur Flora der Ost- und Südalpen. Ab 1996 restauriert und wissenschaftlich aufgearbeitet, umfasst sie ca. 74.000 Pflanzenbelege. Angelegt hat das Herbar Rupert Huter. Im Bild eine Pflanze nach der Restaurierung

 

Nach einigen Jahren der Arbeit im Ferdinandeum sah sich das Vinzentinum außer Stande, die enormen Kosten der weiteren Aufarbeitung zu tragen. „Die Leitung des Vinzentinums nahm Kontakt mit dem Naturmuseum Südtirol in Bozen auf, um einen gemeinsamen Weg zu finden. Es gelang, mit Hilfe des Museums die Südtiroler Landesregierung davon zu überzeugen, Geldmittel für die vollständige Restauration und Erfassung bereit zu stellen. Das Vinzentinum trat die Sammlung als Dauerleihgabe für 99 Jahre an das Naturmuseum ab“, erklärt dazu Dr. Thomas Wilhalm, Konservator für Botanik am Naturmuseum Südtirol, der die letzte Projektphase der Aufarbeitung leitete. Unter seiner Führung wurde das Huter-Herbarium nun seit dem Jahr 2010 im Naturmuseum in Bozen vollständig aufgearbeitet und in einer Datenbank erfasst.

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Der Holaus-Hof in Kals heute - hier wurde Rupert Huter 1834 geboren.

 

„Rupert Huter verfolgte den Plan, ein Herbarium aller in Europa wild wachsenden Pflanzenarten zu erstellen. Diesem Ziel kam er recht nahe. Seine Sammlung enthält 14.646 verschiedene Pflanzenarten. Die Belege stammen von 1 900 verschiedenen Sammlern, was beweist, dass Huter einen regen Kontakt zu Sammlern in ganz Europa, aber auch in der Türkei, in Russland und vielen anderen Ländern pflegte“, weiß der Kurator zu erzählen.

Der besondere Wert der Sammlung liegt, so Thomas Wilhalm, unabhängig von der aktuellen Restauration, im Umfang, im sehr guten Erhaltungszustand, in der professionellen Aufbereitung und in den vielen Typus-Belegen. „Bei einem Typus-Beleg handelt es sich um jenes Pflanzenexemplar, aufgrund dessen ein Forscher die Festlegung einer neuen systematischen Einheit (Art, Unterart, Varietät …) vornimmt. Typus-Belege bilden die zentrale Grundlage für die Weiterentwicklung der systematischen Einordnung und Benennung von Pflanzen und haben einen großen Wert für die botanische Forschung. In Huters Herbarium befinden sich einige Hundert dieser Typus- Belege, wodurch sich der wissenschaftliche Wert der Sammlung enorm erhöht.“

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Naturmuseum Südtirol, Vinzentinum Brixen, privat