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Ein „Zugvogel“ aus dem Hohen Norden in Osttirol

Die Leidenschaft von Dr. Dieter Moritz gilt den Vögeln. Der studierte Biologe und Ornithologe aus Nordfriesland ist vor fast 22 Jahren in Osttirol „gelandet“.

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Seine Heimat liegt im hohen Norden – genauer gesagt auf Helgoland, Deutschlands einziger Hochseeinsel, jenem roten Felsen weit draußen in der Nordsee, dessen Wahrzeichen eine 47 m hohe, freistehende Felsnadel, die „Lange Anna“, ist. Geboren wurde Dieter Moritz als eines von vier Kindern im Jahr 1938 aber im Saarland. Sein Vater war Offizier, weshalb berufsbedingt immer wieder der Wohnort gewechselt wurde. Knapp nach Ende des II. Weltkrieges gelangte die Familie über etliche Stationen nach Berlin und schließlich nach Schleswig-Holstein, in das nördlichste Bundesland Deutschlands. Für Moritz, damals sieben Jahre alt, bedeutete dies auch sprachlich eine große Umstellung. „Beim Fußball spielen mit den Nachbarskindern konnte ich mir das Plattdeutsch aber rasch aneignen“, erinnert sich der 78-Jährige im Journal-Gespräch zurück. Seinen nordischen Dialekt hat er bis heute beibehalten.

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Das Abitur (Matura) absolvierte Moritz 1958 in Heide an der Westküste Schleswig-Holsteins, bevor er in Kiel an der Ostseeküste mit dem Studium begann. Ursprünglich wollte er Germanistik und Biologie studieren. Als er jedoch eine Stelle als Vogelwart auf einer Vogelinsel in der Elbmündung annahm, kristallisierte sich rasch heraus, dass seine Leidenschaft nur den Naturwissenschaften galt. Er kehrte der Universität in Kiel den Rücken zu und schrieb sich für die Fächer Biologie und Chemie in Hamburg ein. Hier sollte er später auch zum Doktor der Biologie promovieren.

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Noch während er an seiner Doktorarbeit arbeitete, erhielt er das Angebot, eine Dozentenstelle an der Universität Hamburg zu übernehmen. Er sagte zu, entschied sich aber später doch dazu, den Arbeitsplatz zu wechseln. Zu groß war der Reiz, am Institut für Vogelforschung auf Helgoland tätig zu sein. „Die Chance, mitten im Meer zwischen England im Westen, Norwegen im Norden und Deutschland im Osten zu arbeiten, wollte ich mir nicht entgehen lassen.“ 22 Jahre blieb der Ornithologe der Insel und ihren maritimen Vögeln treu.

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Als interessierter Vogelkundler unternahm Dieter Moritz auch etliche Reisen, unter anderem in die nordspanischen Pyrenäen, wo große Greifvögel, wie Geier und Adler, beheimatet sind. Auf dieser Exkursion begegnete der Deutsche auch seiner heutigen Lebenspartnerin, einer gebürtigen Osttirolerin. Zurückgekehrt nach Helgoland, erkrankte der Wissenschaftler schwer, was ihn zwang, aus seinem Berufsleben auszuscheiden. Als der Vorschlag kam, nach Lienz zu übersiedeln, musste er deshalb nicht lange überlegen. „Und so tauschte ich die schönen Nordseewellen gegen die ebenso schöne Bergwelt Osttirols ein.“ Die imposante, alpine Natur des Bezirkes Lienz zog ihn sofort in ihren Bann. Besonders beeindruckten ihn das Innergschlöß, das Villgratental oder die Daberklamm. Heute versucht er, sein fachliches Wissen in Sachen Naturschutz in Osttirol einzubringen. „Dort, wo ich lebe, möchte ich mich auch engagieren. Das ist für mich ein Ausdruck von Heimatgefühl.“ Besonders am Herzen liegt ihm beispielsweise die Seewand am Tristachersee, wo sich Brutplätze von Wanderfalke und Uhu finden.

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„Wer einmal nachts am Tristachersee das elegante, lautlose Gleiten eines Uhus erlebt hat, dem wird dies unvergesslich bleiben“, sagt der bekennende Umweltschützer und weist darauf hin, dass die Brutplätze von Klettersportlern immer wieder gestört würden. Auf die abschließende Frage, ob er in seiner neuen Heimat etwas vermisst, hält er fest: „Wenn ich in Osttirol bin, sehne ich mich nach dem Meer. Beim Besuch im hohen Norden, wo meine Kinder leben, empfinde ich Heimweh nach Osttirol. Ich fühle mich hier sehr wohl. Meer und die Berge sind durch die Natur verbunden und sich ähnlicher, als manche denken mögen.“

Text: Jan Schäfer, Fotos: Martin Lugger, Osttirol heute/Hotzler