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Pinzgau: Traditionelles „Holzfian“ mit Pferden

Aus Anlass des 60. Bestandsjubiläums lädt die Reitergruppe Piesendorf/Pinzgau am 18.2.2018 zu einem traditionellen „Holzfian“ in Kleidung und Ausrüstung von anno dazumal ein.

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Die Bilder aus früheren Zeiten zeigen, wie das „Holzfian“ im Oberpinzgau praktiziert wurde. Bei der Veranstaltung am 18. Februar werden alte Arbeitstechniken wieder aufleben. Allen Besuchern bietet man zusätzlich ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm. Ein Termin, der auch für Osttiroler sehr interessant sein dürfte!

 

Man schrieb das Jahr 1958, als sich in der Oberpinzgauer Gemeinde Piesendorf einige Pferdebegeisterte rund um Georg Bernsteiner (Vögei), Werner Neumayr, Lois Fischer sowie Lorenz Quehenberger (Unterleiten) zusammenfanden, um einen neuen Verein ins Leben zu rufen. Ihr Bestreben war es, den Pferdesport zu fördern – und dies in einer Zeit, in der die für den Pinzgau so typischen Noriker und Haflinger noch in erster Linie als Arbeitspferde bei der Feldarbeit und Heuernte sowie beim Holztransport zum Einsatz kamen. Treffpunkt der Vereinsmitglieder war der Jetzbachhof im Piesendorfer Ortsteil Fürth, wo man das Jahr über auf die damals noch sich im Zweijahresrhythmus abwechselnden Landes- bzw. Bundesmeisterschaften hintrainierte. Heute – sechs Jahrzehnte später – haben sich nicht nur die Arbeitstechniken in der Land- und Forstwirtschaft längst verändert, auch in der Reitergruppe Piesendorf ist die Zeit nicht stehen geblieben. Heute nehmen die Vereinsmitglieder jährlich von Mai bis Oktober an den verschiedensten Cup-Bewerben in Salzburg und anderen österreichischen Bundesländern teil. Rund 30 Pferdebegeisterte, davon 10 Aktive, gehören aktuell dem Verein an, als dessen Obmann Anton Foidl fungiert.

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„Unser diesjähriges 60-Jahr-Jubiläum wollen wir mit einer ganz besonderen Veranstaltung feiern“, so Vereinsmitglied Annelies Unterberger. „Am Sonntag, 18.2., findet ab 10.30 Uhr im Ortsteil Hummersdorf erstmals wieder nach vielen Jahren ein traditionelles `Holzfian` mit Pferden statt“, informiert sie und erzählt von den früher üblichen Arbeitsvorgängen in der Forstwirtschaft: „Das Holz, welches man im Sommer geschlagen hatte, wurde üblicherweise noch vor Ort entrindet (`gschepst oder gschundn`), um in der Folge das Bloch an beiden Enden abzuschrägen (`gschpranzen`). Durch diese Arbeitsvorgänge verlor das Holz an Gewicht, was die Bringung erleichterte. Da dies im Winter wesentlich leichter möglich war, wurden die Stämme im Wald gelagert. Über den Sommer gelagertes Holz nannte man `Gsimascht`. Der Abtransport der Stämme erfolgte mit verschiedenen Holzschlitten, meist versehen mit einem Reibsattel. Auf diesem Reibsattel lagen die Stämme auf und wurden dahinter lose nachgezogen. Befestigt wurde das Holz mittels Bundkette (`Zomspitzer und Überspitzer`), Klammern (`Klamperl`) und Keilstrick oder Kettenspannern. Wenn es die Strecke erlaubte, hängte man an die Holzfuhre noch etliche Holzblöche mit Schlepphaken (`Strotzer`) nach. Mit erfahrenen Pferden konnten fünf Festmeter Holz oder mehr mit einer Fuhre ins Tal transportiert werden. Die letzte Fuhre wurde mit dem stärksten Stamm (`Hoagmoar`) beladen. Diesen schmückte man mit einem Fichtenbäumchen (`Boschn`). Um sicher ans Ziel zu kommen, gab es verschiedene Bremsmöglichkeiten: Schraubtatze, Schlagkette, Sperrkette und Umschlag waren die geläufigsten. Aufgrund der oft sehr eisigen Schleppwege mussten die Hufeisen der Pferde jeden zweiten Tag neu geschärft (`gwaxlt`) und beschlagen werden.“

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Bei der Veranstaltung Mitte Februar wird besonderer Wert auf die früher übliche Kleidung der „Holzfianer“ und auf die Ausrüstung der ca. 16 Gespanne gelegt. Die Arbeitsvorgänge, wie die Fahrt in den Wald, das Aufladen und der Transport der Bloche, werden vor Ort gezeigt und erklärt. Das ganz besondere Jubiläumsevent wird von einem originellen Schätzspiel mit schönen Sachpreisen, Gratis-Pferdeschlittenfahrten für Kinder sowie mit einer Ausstellung alter Fotos umrahmt. Für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt! Die Reitergruppe Piesendorf freut sich auf zahlreichen Besuch!

 

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Text: E. Hilgartner, Fotos: Reitergruppe Piesendorf