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So baut man sich daheim ein „Supersportscar“

Rund 8.500 Arbeitsstunden haben Rudolf Fillafer und sein Sohn Alex in ihren Traum investiert und ein „Supersportscar“ gebaut – den GTP-13 (Grand Turismo Prototyp 2013).

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Einen Jugendtraum hat sich Rudolf Fillafer, der langjährige frühere Schulleiter der Volksschule Winklern, mit dem Bau des Sportwagens erfüllt. Sein Sohn, Dr.-Ing. Alex Fillafer, ist Entwicklungsingenieur, hat Luft- und Raumfahrt an der TU München studiert und ist dort derzeit beruflich am Institut für Werkstoffkunde tätig. Um den Traum von Rudolf Fillafer zu verstehen, muss man sich gedanklich in das Jahr 1968 zurückversetzen. „Ich war schon damals ein glühender Motorsport-Fan“, erzählt der Mölltaler, zu dessen Idolen, neben den Beatles, vor allem der Formel 1-Pilot und mehrfache Grand Prix-Sieger Jochen Rindt zählte. Beim regelmäßigen Durchforsten von Motormagazinen fiel Fillafer eines Tages das Bild eines Prototyps des Ford P68 F3L auf, mit dem man damals die Sportwagen-WM bestreiten wollte.

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„Für mich war die Silhouette dieses Autos der Inbegriff von Stromlinienform und Rasanz. Damals baute man noch ohne Windkanal und Computer die allerschönsten Rennwägen. Heute nennt man sie auch Supersportscars“. 33 Jahre später stach Rudolf Fillafer bei einem Besuch des „Festival of Speed“ im englischen Goodwood erneut ein Modell des Ford F3L ins Auge. „Der Sound, die einzigartige Unterlippe – es war alles noch genauso genial, wie ich es in Erinnerung hatte. Mein Sohn Alex und ich rannten in die Box – und da stand er nun, als hätte er auf mich gewartet. Es war wie das Zusammentreffen mit einem alten Freund“, kommt Fillafer ins Schwärmen. Der F3L sei aufgrund unglücklicher Umstände ein erfolgloser Rennwagen geblieben. „Es gab zu wenig Zeit und Geld, damit er reifen konnte. In den wenigen Rennen, in denen er zum Einsatz kam, konnte nur eine einzige Poleposition erzielt werden.“ Aber der Rennwagen habe etwas, das ihn einzigartig mache, so der pensionierte Lehrer. „Es ist seine unschlagbar elegante Form – als hätte ihn Michelangelo entworfen!“

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Vor acht Jahren fiel dann zu Hause in Winklern die Entscheidung, das Rennauto nachzubauen. „Eigentlich bin ich kein Autofanatiker. Aber die Idee, selbst einen Rennwagen zu bauen, hat mich fasziniert. Ich habe alles selbst konstruiert. Allein in den Prozess der Konstruktion und Berechnung haben wir rund 3.000 Arbeitsstunden investiert“, berichtet Entwicklungsingenieur Alex Fillafer. Das Chassis, die Radaufhängungen, der Antrieb – alles wurde neu erdacht. Allein für die Herstellung der Chassis, einer auf Aluminium- und Stahlblech basierten Monocoque-Konstruktion, waren rund 180 einzelne Blechstücke notwendig. „Das Wichtigste war uns immer, dass der GTP-13 von der Werkstoffwahl und von der Bauweise her ein Supersportscar im Stile der 1960er-Jahre bleibt. Außerdem sollte er das geringstmögliche Gewicht aufweisen.“ Im Jahr 2013 war das Fahrgestell fertig, deshalb entschieden sich die Fillafers auch für die Bezeichnung GTP-13 (Gran Turismo Prototyp 2013).

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Rudolf (rechts) und Alex Fillafer (links) bei der beeindruckenden Präsentation des GTP-13 am 11. März 2016 im Hangar-7 am Flughafen Salzburg

 

Nach rund 8.500 Arbeitsstunden haben Rudolf und Alex Fillafer im heurigen Frühjahr ihr „Supersportscar“ fertiggestellt. „Es war eine irrsinnig lange und diffizile Arbeit. Es war so, als ob man mühsam einen sehr hohen Berg besteigen würde. Das Glücksgefühl, das erste Mal im fertigen Auto Platz nehmen zu können, war dann aber unglaublich. Und natürlich haben wir uns in all den Jahren auch weiterentwickelt und sind gewachsen“, erzählt Alex vom großen Augenblick, als der Gipfel erreicht war. Präsentiert wurde der GTP-13 made im Mölltal am 11. März 2016 im Hangar-7 am Flughafen Salzburg. Technische Details und weitere Informationen auf www.gtp13.com.

 

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Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Martin Lugger, Wolfgang M. Buchta Editor „Austro Classic“