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Ein Seelsorger muss vor allem Hoffnung geben

Seit 4. September 2016 ist der gebürtige Aineter Mag. Ferdinand Pittl Pfarrer von Matrei und Leiter des neu errichteten Seelsorgeraumes Matrei-Kals-Huben.

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Mit uns sprach er über seinen Werdegang, sein Verständnis von der Tätigkeit als Seelsorger und über die große Herausforderung der Kirche, die Menschen mit der frohen Botschaft wieder verstärkt erreichen zu können. „Ich wollte schon immer Pfarrer werden“, erzählt uns der 33-Jährige zu Beginn unseres Besuches im Matreier Widum. Aufgewachsen ist Ferdinand Pittl in Ainet. Da sein Vater Mesner ist, kam er schon sehr früh mit der Kirche in Kontakt.

Eine besondere Faszination übte die Kirchenorgel auf den Buben aus. Schon im Alter von neun Jahren begann er, die „Königin der Instrumente“ zu spielen. Sein besonderes Talent bewies er, zehnjährig, bei einem Konzert im Salzburger Dom, in Hallein oder später unter anderem auch in der berühmten Wallfahrtskirche von Trsat/Rijeka. Er spielt auch heute noch an verschiedenen Orten, auch jenseits der Grenzen Tirols. Als 15-jähriger übernahm Ferdinand Pittl, in Nachfolge von Sepp Salcher, die Funktion des Organisten in der Matreier Pfarrkirche St. Alban. Die Entscheidung, ins Priesterseminar in Innsbruck einzutreten und Theologie zu studieren, fiel im Herbst 2003. Acht Jahre später wurde der Aineter zum Diakon geweiht und absolvierte sein Diakonjahr in Zams und Schönwies. Dort und in Absam/Thaur war er auch nach seiner Priesterweihe im Jahr 2012 als Kooperator tätig.

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Pfarrer Ferdinand Pittl ist seit seiner Kindheit ein begeisterter Organist.

 

Als ihm die Aufgabe übertragen wurde, den neu geschaffenen Seelsorgeraum Matrei-Kals-Huben zu übernehmen, musste Mag. Pittl nicht lange überlegen. „Es war eigentlich immer schon mein Wunsch, in den Bezirk Lienz zurückzukehren und meine Seelsorgetätigkeit in Osttirol auszuüben. Derzeit versuche ich, die Pfarren, die Mithelfenden und die Bevölkerung in den drei Pfarren kennenzulernen und viele persönliche Gespräche zu führen. Ich will für die Menschen da sein und – neben den regelmäßigen Gottesdiensten, Tauf-, Hochzeits- oder Begräbnisfeiern – vor allem als Seelsorger wirken. Freude und Hoffnung, Trauer und Angst mit den Menschen zu teilen, so wie es im II. Vatikanischen Konzil angeklungen ist, sehe ich als meine Hauptaufgabe“, betont er. Hoffnung sei für ihn etwas, das über das Diesseits hinausreiche und den Blick in die Zukunft lenke. „Die Hoffnung verbinde ich insbesondere mit der Person Jesu Christi. Er hat die Menschen in ihrer jeweiligen Lebenssituation angenommen und ihnen Hoffnung gegeben. Sorgen und Ängste, wie jene vor Tod oder Krankheit, bewegen uns heute noch genauso wie die Menschen der Antike. Hinzugekommen sind neue Problemfelder wie der Wettbewerb am Arbeitsplatz oder der hohe Stressfaktor, auch in der Freizeit. Viele kommen heute kaum mehr zur Ruhe. Sie sind nonstop online und haben das Gefühl, ständig funktionieren und verfügbar sein zu müssen.“

 

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Vorbereitung für eine Eucharistiefeier in der Pfarrkirche St. Alban in Matrei i.O.

Genau in dieser Welt mit so vielen – auch neuen – Ängsten wirke Gott, so Pfarrer Pittl. Wenn Jesus sage „Geht hinaus in alle Welt und verkündet das Evangelium!“, dann sei genau dies gemeint. „Meiner Meinung nach sollte man sich nicht abschotten oder im geschützten Rahmen bleiben. Unsere Kirche steht heute vor der Herausforderung, in dieser modernen Welt Kirche zu sein, den Menschen Heimat und Orientierung zu geben und sinnstiftend zu wirken.“ Als Beispiele dafür nennt Ferdinand Pittl etwa die Zielsetzung, Kinder, Jugendliche und  junge Familien anzusprechen und das Interesse für das Angebot der Kirche bei vielen wieder neu zu wecken. „Ich möchte vermitteln, dass das Evangelium Halt, Orientierung und Sicherheit gibt. Die Kirche ist nicht nur eine Institution für besondere Anlässe, sondern es stecken Werte dahinter, die in der Botschaft Jesu ihre Wurzeln haben.“ Um diese Botschaft wieder stärker zu den Menschen zu bringen, vor allem auch zur Jugend, müsse sich die Kirche auch moderner Kanäle bedienen. „Die vierteljährliche Kirchenbeitragsvorschreibung darf nicht der einzige Berührungspunkt mit der Kirche sein. Wir sollten uns die neuen Medien zunutze machen. Die Pfarre Matrei tut dies zum Beispiel auch über Facebook.“

 

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Ferdinand Pittl betreut mit Matrei i.O., Kals am Großglockner und Huben im Rahmen des neuen Seelsorgeraumes drei Pfarren.

Dass in Osttirol – speziell auch im Iseltal – die Nähe der Bevölkerung zur Kirche noch größer sei als in Ballungszentren wie Innsbruck, erleichtere seine Arbeit wesentlich, so der Seelsorger. Im Rahmen des neuen Seelsorgeraumes ist er für drei Pfarren zuständig. Aus diesem Umstand ergeben sich, wie Ferdinand Pittl meint, natürlich auch Veränderungen, auch bei den Gottesdiensten. „Ich habe mir aber fest vorgenommen, außer an meinem freien Tag, täglich in einer der drei Kirchen in Kals, Huben und Matrei mit den Gläubigen die Eucharistie zu feiern. Die Sonntagsmesse in Matrei findet um 8.45 Uhr statt. Huben und Kals wechseln sich monatlich mit einer Vorabendmesse am Samstag um 19.00 Uhr und einer Sonntagsmesse (10.15 Uhr Huben, 10.30 Uhr Kals) ab.“ Wo Ferdinand Pittl den Ausgleich zu seinem umfangreichen Aufgabenspektrum als Pfarrer und Seelsorgeraum-Leiter findet, wollen wir abschließend noch von ihm wissen. „Meine sportlichen Hobbies sind Radfahren und Schwimmen. Entspannung finde ich auch, wenn ich auf meiner Hausorgel musiziere. Diese habe ich nämlich bei meinem Umzug in das Matreier Widum mitgenommen und spiele jeden Tag mindestens eine Viertelstunde.“

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Martin Lugger, Brunner Images