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Robert Palfrader: „Satire muss alles dürfen können!“

Robert Palfrader, vielen Fernsehzuschauern aus „Wir sind Kaiser“ ein Begriff, und sein Freund und Kollege Florian Scheuba, kommen am 29.9. mit „Flügel“ nach Lienz.

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Robert Palfrader: „Wir befinden uns in der privilegierten Lage, Dinge aufzeigen oder ihnen manchmal auch ein größeres Gewicht verleihen zu können, als es etwa beispielsweise die mediale Öffentlichkeit tut.“

 

Am 29.9. treten die beiden auf Einladung von Ummi Gummi mit „Flügel“ in der Aula des Gymnasiums Lienz vor das Publikum, am 30.9. und 1.10. gastieren sie im Stadttheater Bruneck. Wir führten mit Robert Palfrader im Vorfeld ein Gespräch über Politik und Religion, die Frage, was ihn antreibt, was echte Satire ist und darüber, ob auch er Angst vorm Scheitern hat.

 

Herr Palfrader, seit wann arbeiten Sie mit Florian Scheuba zusammen?

Wir kennen einander seit über 20 Jahren, sind befreundet und stehen seit etwa 16 Jahren zusammen auf der Bühne oder vor der Kamera. „Echt fett“, „Männer fürs Grobe“ oder „Wir Staatskünstler“ sind nur drei Beispiele aus der langen Liste unserer gemeinsamen Projekte.

 

Was sind Sie Ihrer Eigendefinition nach: Kabarettist oder Schauspieler?

Ich persönlich bevorzuge die Bezeichnung „Unterhaltungshandwerker“. Ich sehe mich nicht als Künstler oder als Schauspieler.  Vielleicht wäre Komödiant das richtige Wort, doch habe ich auch ernste Rollen gespielt – im Volkstheater in Wien oder am Rabenhof Theater mit Werner Schneyder. Ich bin einfach jemand, der unterhalten will. Wenn mir das gelingt, bin ich der glücklichste Mensch der Welt!

 

Ist dieses „Unterhalten“ der Menschen, sind Humor & Lachen für Sie eine Art vordergründige Träger ernster Inhalte?

Sobald man über etwas lachen kann, ist es auch möglich, die Lächerlichkeit von gewissen Umständen oder Faktoren deutlich zu machen. Der Glaube an jede Institution oder Regierung kann durch Humor & Lachen erschüttert werden. Insofern ist Humor, sind Pointen manchmal schärfere Waffen als das Schwert und für mich ein Symbol demokratischer Selbstverteidigung. Wenn ich daran denke, dass das Regime Nordkoreas sogar Zynismus unter Strafe gestellt hat, dann ist das für mich ein Zeichen, dass dieses System am Ende ist.

 

Man könnte Sie demnach als politischen Menschen bezeichnen?

Ja, durchaus! Bei der Erarbeitung unserer Texte für „Flügel“ wollten Florian und ich eigentlich Politik-Themen komplett aussparen.  Das Ergebnis ist aber, dass es ein sehr politisches Programm geworden ist. Wir beide sind, wie wir festgestellt haben, hochpolitische Menschen, und ich denke, dies treibt uns auch an. Wir befinden uns in der privilegierten Lage, Dinge aufzeigen oder ihnen manchmal auch ein größeres Gewicht verleihen zu können, als es etwa beispielsweise die mediale Öffentlichkeit tut.

 

Bleibt neben dieser von Ihnen angesprochenen privilegierten Rolle genug Platz für Selbstironie? Hat Robert Palfrader manchmal  auch Angst vorm Scheitern?

Natürlich! Männer unseres Alters müssen sich überprüfen und hinterfragen, ob denn alles so stimmt, was und wie wir uns selbst  sehen. Das persönliche Scheitern ist ein zentrales Thema von „Flügel“. Wir „hauen“ sprichwörtlich nicht nur auf die anderen hin, sondern auch auf uns selbst. Bei aller berechtigten Kritik an Gesellschaft und Umfeld muss man sich immer selbst reflektieren können!

 

Der Titel des neuen Programms ist offensichtlich in Anlehnung an einen bekannten Werbeslogan entstanden?

Ja. Kapitalismus ist die neue Religion unserer Gesellschaft und bei diesen Themen führt in Österreich kein Weg an der Marke Red Bull vorbei. Auch bei Red Bull soll man ja schließlich glauben, dass es einem wirklich „Flügel“ verleiht.

 

Stichwort „Glaube“: Was bedeutet Ihnen persönlich Religion?

Ich beneide gläubige Menschen manchmal ein wenig, bekomme dieses Gläubig-Sein für mich aber nicht auf die Reihe. Ich bin Atheist, von Florian würde ich sagen, dass auf ihn der Begriff „Agnostiker“ zutrifft. Wir haben schon sehr oft und ausführlich darüber diskutiert. Religion und Glaube sind für uns immer wieder ein Thema.

 

Die Satirezeitung Charlie Hebdo nimmt auch die Weltreligionen auf die Schippe, hat sich kürzlich aber mit Karikaturen zur  Erdbebenkatastrophe in Italien den Zorn Betroffener zugezogen. Hat Satire auch Grenzen?

Nein! Satire muss alles dürfen können! Satire provoziert schließlich nicht etwas, sondern ist die Reaktion auf einen Umstand, ein Ereignis – also die Reflexion darauf. Ich denke, dass die Frage nicht lauten sollte, ob Satire Grenzen hat, sondern vielmehr, was gute Satire ist. Wenn jemand auf einer Bananenschale ausrutscht und sich ein Bein bricht, und man darüber einen Witz macht, ist das nicht Satire, sondern Schadenfreude. Menschenverachtend ist, wer sich mit Judenwitzen über die Opfer des Holocaust lustig macht. Das heißt, wer von Satire spricht, sollte immer die Intention, Rechtmäßigkeit und Qualität dessen überprüfen, was unter  diesem Begriff zusammengefasst wird.

 

Sie kommen Ende September/Anfang Oktober mit Florian Scheuba nach Lienz und Bruneck. Wie gut kennen Sie unsere Region?

Meine Vorfahren stammen väterlicherseits aus dem Südtiroler Pustertal. In Lienz habe ich schon einmal einen Skiurlaub verbracht. Wenn ich also dorthin komme, dann sehe ich die Stadt vor allem als Sehnsuchtsort, denn dann ist es nicht mehr weit zu meinen Wurzeln in St. Vigil. Einer meiner Vorfahren war übrigens der Hl. Freinademetz. Mein Vater hat oft lachend gemeint: „Wenn es ein Jenseits geben sollte, haben wir wenigstens einen Heiligen in der Familie, der das für uns wieder hinbiegen könnte!“ Ich selbst glaube aber nicht, dass wir jemanden brauchen werden. Denn der Tod ist für mich persönlich einfach ein niemals endender,  erholsamer, ruhiger Schlaf, aus dem man schlicht nie mehr aufwacht. Und das hat etwas Versöhnliches, wie ich meine.

Text: E. & J. Hilgartner, Foto: Milenko Badzic/First Look/Picturedesc.com